Putin macht ernst: Russische Soldaten auf Halbinsel Krim gelandet

Putin macht ernst: Russische Soldaten auf Halbinsel Krim gelandet

Auf auf einer Militärbasis auf der Halbinsel Krim nahe Simferopol sind nach Angaben des Vertreters der ukrainischen Präsidentschaft mehr als 2000 russische Soldaten gelandet. Der Sondergesandte Sergej Kunizyn sprach am Freitagabend im Fernsehen von einer "bewaffneten Invasion".

Der olympische Friede ist vorüber, jetzt zeigt Russlands Präsident Vladimir Putin zeigt der Ukraine die Zähne. Die russischen Streitkräfte wurden nicht ohne Grund in Bereitschaft versetzt. Nachdem uniformierte Bewaffnete ohne Erkennungszeichen die Kontrolle über zwei Flughäfen auf der Halbinsel Krim übernommen hatten sind dort Flugzeuge mit über 2000 russischen Soldaten gelandet. Der Sondergesandte Sergej Kunizyn sprach am Freitagabend im Fernsehen von einer "bewaffneten Invasion". Russland hat an der Grenze zur Ukraine 150.000 Soldaten in Alarmbereitschaft gesetzt.

Kiew hat offiziell Protest gegen eine "Verletzung des Luftraums" der Ukraine durch Russland eingelegt. Das ukrainische Außenministerium forderte in einer Erklärung am Freitagabend den "sofortigen Rückzug" der Soldaten auf ihre Stützpunkte. Zuvor war bereits das Regionalparlament gestürmt und dort die russische Flagge gehisst worden.

Die uniformierten Männer kamen in Geländewagen ohne Kennzeichen und russischen Fahnen und marschierten auf dem Krim-Flughafen Simferopol auf. Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax dehnten Bewaffnete ihre Kontrolle auf dem Militärflugplatz Belbek auf der Krim aus. Sie hätten auch die Gewalt über die Landepiste übernommen, heißt es in einer Interfax-Meldung.

Die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines strich alle Verbindungen auf die Krim, weil der Luftraum gesperrt ist.

Turtschinow protestiert

Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat Russland offene Aggression gegen sein Land vorgeworfen. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin forderte er via Fernsehen auf, die Provokationen zu stoppen. Zugleich warf er Russland vor, auf der Krim ähnlich vorzugehen wie 2008 mit der abtrünnigen georgischen Region Abchasien. Damals sei ein militärischer Konflikt initiiert worden, um in der Folge die Region zu annektieren, so Turtschinow. In New York hat der ukrainische Botschafter Juri Sergejew am Freitag nach einer eilig anberaumten Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates die Vereinten Nationen um Hilfe gerufen. "Die Regierung meines Landes ruft die Vereinten Nationen auf, diese Grenzverletzungen zu verurteilen", sagte er. "Nicht nur, dass Soldaten und Transportflugzeuge in unseren Luftraum eingedrungen sind. Es haben auch elf Hubschrauber die Grenze verletzt. Und ich spreche von Mi-24. Das sind keine einfachen Transport-, das sind Kampf- und Angriffshubschrauber." Es sei das gleiche Szenario wie in anderen früheren Sowjetrepubliken.

Referendum auf der Krim am 25. Mai

Die Halbinsel Krim ist die letzte größere Bastion der Anhänger Janukowitschs. Rund 60 Prozent der Bewohner sind ethnische Russen. Die mehrheitlich von Russen bewohnte Autonome Republik Krim hat für den 25. Mai ein Referendum über ihre Zukunft angesetzt. An diesem Tag wird in der Ukraine auch ein neuer Präsident gewählt.

Janukowitsch meldete sich erstmals seit seiner Absetzung vor einer Woche wieder zu Wort. "Russland kann die Entwicklung nicht egal sein, es kann nicht an der Seitenlinie stehen und unbeteiligt das Schicksal eines so engen Partners wie der Ukraine verfolgen", kritisierte Janukowitsch in der russischen Stadt Rostow am Don. "Russland muss alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um das Chaos und den Terror zu beenden."

Janukowitsch bekräftigte bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Flucht nach Russland in Rostow am Don auch seinen Anspruch auf das Präsidentenamt der Ukraine. "Ich wurde von niemandem abgesetzt", sagte Janukowitsch. Er sei zum Verlassen der Ukraine gezwungen gewesen, weil sein Leben bedroht worden sei, werde aber weiter um die Zukunft der Ukraine kämpfen. Er warf "jungen Nationalisten und Neo-Faschisten" vor, "Anarchie, Chaos und Terror" zu verbreiten.

Russland stellt Berkut Pässe aus

Das russische Außenministerium teilte mit, die Mitglieder der aufgelösten ukrainischen Bereitschaftspolizei Berkut sollten russische Pässe bekommen. Das russische Konsulat in Simferopol sei damit beauftragt worden, "alle nötigen Maßnahmen" dafür einzuleiten.

Die Außenminister von Deutschland, Polen und Frankreich äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung "zutiefst besorgt" über die Spannungen auf der Krim. "Es muss alles unternommen werden, um die Spannungen in den östlichen Regionen des Landes zu vermindern und einen friedlichen Dialog zwischen allen beteiligten Kräften zu fördern", forderten Frank-Walter Steinmeier, Radoslaw Sikorski und Laurent Fabius. Die US-Regierung warnte Russland erneut vor einer militärischen Intervention in der Ukraine. Das wäre ein "schwerer Fehler", bekräftigte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Freitag. Die USA beobachteten ganz genau, ob Moskau "irgendetwas tue, was die Linie überschreiten könnte".

Im einem Statement zur Lage in der Ukraine warnte US-Präsident Barack Obama vor einer Einmischung und betonte das Recht der Ukrainer, selbst die Regierung bestimmen zu dürfen, die sie wollen.

Zur Slideshow: "Die russische Armee lässt ihre Muskeln spielen"
Bild: © REUTERS/Maxim Shemetov

So könnte Moskau die Ukraine in Finanznöte stürzen

Politik

So könnte Moskau die Ukraine in Finanznöte stürzen

Ukraine - Kiew: 4.000 russische Soldaten auf Krim zusammengezogen

International

Ukraine - Kiew: 4.000 russische Soldaten auf Krim zusammengezogen

EU stärkt Ukraine den Rücken: Parlament ratifiziert Assoziierungsabkommen

Spezial: Ukraine

EU stärkt Ukraine den Rücken: Parlament ratifiziert Assoziierungsabkommen