Kiew: Polizei rückt auf Unabhängigkeitsplatz vor

Kiew: Polizei rückt auf Unabhängigkeitsplatz vor

Die ukrainische Polizei ist in der Nacht zu Mittwoch in Kiew auf den Unabhängigkeitsplatz vorgerückt, auf dem seit Tagen regierungsfeindliche Demonstranten ausharren. Augenzeugen berichteten, die Sicherheitskräfte hätten einen Teil des Platzes besetzt.

Auf einer Bühne in der Platzmitte rief eine Sängerin die Polizisten dazu auf, die ihnen gegebenen Befehle nicht zu befolgen. Einige Demonstranten sangen die Nationalhymne.

Die Polizisten machten zunächst keine Anstalten die von den Demonstranten errichteten Zelte zu entfernen. Mehrere Hundert Protestierer blieben in dem Lager. Rund 300 Meter entfernt beseitigten Sicherheitskräfte dagegen Barrikaden und Zelte vor dem Rathaus, in dem sich Demonstranten verbarrikadiert hielten.

Der ukrainische Oppositionsführer und Boxweltmeister Vitali Klitschko hat angekündigt, die Proteste in Kiew gegen die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch notfalls bis ins neue Jahr fortzusetzen. In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) schreibt Klitschko: "Jetzt sind wir hier schon seit 18 Tagen und die Regierung setzt wohl immer noch darauf, dass wir irgendwann schon gehen werden. Aber wir werden nicht gehen. Wir werden, wenn es notwendig ist, hier auch bis ins neue Jahr bleiben. Und wir lassen uns erst recht nicht mit brutalen Aktionen einschüchtern!"

Washington "angewidert"

Nach dem Nacht-Einsatz der ukrainischen Polizei haben die USA scharfe Kritik geübt: Man sei "angewidert" von der Entscheidung der Behörden, mit Spezialeinheiten, Panzern und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, so US-Außenminister John Kerry am Dienstag. Dies sei "weder akzeptabel noch ziemt es sich für eine Demokratie".

Die EU-Delegation in Kiew erklärte, sie versuche Kontakt zu den ukrainischen Behörden aufzunehmen, um "den Einsatz von Gewalt gegen einfache Bürger" zu verhindern. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die das Zentrum der Protestbewegung in Kiew nur Stunden vor dem Polizeieinsatz besucht hatte, reagierte "mit Trauer" darauf, dass die Polizei Gewalt einsetze, "um friedliche Menschen zu vertreiben".

Es wäre nicht nötig gewesen, "dass die Behörden im Schutze der Nacht handeln", erklärte Ashton. Schwedens Außenminister Carl Bildt zeigte sich "sehr besorgt" über die Ereignisse. "Repression ist kein Weg für die Ukraine - Reformen sollten einer sein", schrieb er im Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter .

Polizei stürmt besetztes Rathaus

Ukrainische Bereitschaftspolizisten haben am Mittwochmorgen das von Demonstranten besetzte Rathaus von Kiew gestürmt. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und prowestlichen Demonstranten. Vor dem Rathaus setzten Hunderte Sicherheitskräfte Schlagstöcke gegen Protestierende ein, die sich vor dem Gebäude mit Knüppeln und aus dem seit Sonntag besetzten Rathaus heraus mit Feuerlöschspritzen wehrten.

Wegen eisiger Temperaturen von etwa minus zehn Grad Celsius gefror das Wasser umgehend. Viele Einsatzkräfte zogen sich in ihre Fahrzeuge zurück, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP.

In den vergangenen Tagen demonstrierten zeitweise Hunderttausende Menschen in Kiew gegen Präsident Viktor Janukowitsch. Sie fürchten, dass Janukowitsch die Ukraine in eine von Russland dominierte Zollunion führen will und damit eine Annäherung an die EU verhindert. Der Präsident hatte im November die Unterzeichnung eines über mehrere Jahre ausgehandelten Freihandelsabkommen mit der EU überraschend abgelehnt.

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