Kiew brennt lichterloh

Kiew brennt lichterloh

Die Flammen brennender Busse erhellen den Nachthimmel über Kiew, Demonstranten schleudern Pflastersteine auf Polizisten, in der Luft hängen beißende Tränengasschwaden...

Gewaltbereite Regierungsgegner versuchen, Absperrungen der Polizei mit aller Macht zu durchbrechen. Fast jedes Mittel scheint ihnen dazu recht: Steine werden zu Waffen, mit Ketten, Baseballschlägern und Molotowcocktails werden die Sicherheitskräfte attackiert. Die weichen kurz zurück, schlagen kurz danach aber noch kraftvoller zu: Mit Schlagstöcken, Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern treiben sie die Menschenmenge vor sich her.

Die wichtigsten Oppositionsführer hinter dem Protest gegen Präsident Viktor Janukowitsch sind geschockt: Mit den augenscheinlich von organisierten Extremisten provozierten Krawallen wollen sie nichts zu tun haben. Selbst der hünenhafte Boxweltmeister Vitali Klitschko vermag den Mob nicht zu bremsen, wird von Stöcke schwingenden Männern fast überrannt.

Einige der Vermummten tragen Gasmasken, deren Anblick an die finstersten Stunden der Sowjet-Ära erinnert. So schützen sie sich gegen das Tränengas. Ski-Anzüge sollen sie immun machen gegen die klirrende Winterkälte bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Die Warnungen des Innenministeriums, dass alle Gewaltszenen gefilmt werden, werden ignoriert. Kiew ist ein gefühltes Trommelfeuer aus knallenden Blendgranaten und dem Lärm von Holzknüppeln, die auf Polizeischilde und Metallfässer einprasseln. "Wir bleiben bis zum Ende stehen", schallt dem Block der Sicherheitskräfte aus den Kehlen Hunderter Protestierender entgegen. Vor den umherfliegenden Pflastersteinen schützen sich die Sicherheitskräfte, indem sie die "Schildkröten"-Formation einnehmen und mit ihren Schilden einen Schutzpanzer bilden.

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Bild: © REUTERS/Valentyn Ogirenko

Fünf Polizeibusse und zwei Lastwagen werden von der wütenden Menge angezündet, fast alle brennen komplett aus. An den Ausschreitungen beteiligt sind einige hundert Gewaltbereite, viele Tausend Regierungsgegner schauen zu. Nach zehnstündigem Chaos setzt die Polizei verstärkt Wasserwerfer ein und gewinnt so die Oberhand, nicht aber die Kontrolle. Die Demonstranten halten weiter dagegen: "Sagt allen, dass wir mehr Benzin für Molotowcocktails brauchen!", ruft einer. "Schreibt das auf Facebook!"

Erstmals seit zwei Monaten, seit sich der Volkszorn Bahn gebrochen hat über das geplatzte Assoziierungsabkommen mit der EU, schießen die Sicherheitskräfte nun mit Gummigeschoßen auf ihre Landsleute. Aktivisten sprechen von Dutzenden Verletzten.

Andere wettern gegen die Machtlosigkeit der friedlichen Demonstranten und Oppositionsführer, die seit Wochen keine Erfolge verbuchen gegen den gemeinsamen Gegner Janukowitsch. "Schauen Sie doch, hier ist kein einziger Abgeordneter", schimpft einer der Regierungskritiker. "Wir brauchen diese Schwächlinge nicht."

Das Echo der Straßenkämpfe hallt auch weit nach Mitternacht durch die Stadt. Kiew ist im Ausnahmezustand. Lange auf der Straße auszuharren, ist wegen der penetranten Tränengasdämpfe kaum möglich. Wer keine Gasmaske hat, kauert auf dem Boden. Knapp über dem Asphalt ist die Luft in Kiew etwas besser.

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