Hintergrund: Krim - umkämpfter Stützpunkt am Schwarzen Meer

Tausende russische Soldaten haben die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim am Schwarzen Meer besetzt. Der russische Präsident Vladimir Putin hat sich von seinem Parlament die Entsendung von Truppen genehmigen lassen. Die Ukraine hat zur Generalmobilmachung aufgerufen und die NATO-Verbündeten um Hilfe gerufen. Ein Großteil der lokalen Bevölkerung unterstützt die Russen. Die Hintergründe.

Hintergrund: Krim - umkämpfter Stützpunkt am Schwarzen Meer

Gut 26.000 Quadratkilometer groß ist die Halbinsel Krim am Schwarzen Meer, etwas größer als Niederösterreich, Wien und das Burgenland zusammen. Nur 1,95 Millionen Menschen leben dort, und vielen ist sie nur durch den bekannten Krimsekt bekannt.

Was die Krim so bedeutend macht, ist ihre strategische Lage zwischen dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer - der eigentliche Grund für den aktuellen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, der zu einem Krieg zwischen den beiden Staaten zu führen droht.

Der aktuelle Konflikt um die Krim hat seinen Ursprung im Jahr 1954. Damals schenkte Nikita Chrustschow - ein gebürtiger Ukrainer - die davor russische Halbinsel der ukrainischen Sowjetrepublik, auf der die Stadt Sewastopol, der wichtigste Schwarzmeerhafen der russischen Marine liegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion lag dieser auf ukrainischem Staatsgebiet.

Es ist nicht der erste Konflikt um die Schwarzmeer-Halbinsel, die im Lauf der Geschichte von den Griechen, den Römern, den Mongolen und den Türken besetzt war. 1774 wurde die Krim vom Osmanischen Reich unabhängig und geriet immer mehr unter den Einfluss Russlands, das die Umbesiedlung der Krim einleitete. Die christliche Bevölkerung, Ukrainer, Griechen und Armenier, und die Krim-Tartaren wurden abgesiedelt. Die fruchtbaren Gebiete im Süden wurden an Russen vergeben.

Stützpunkt am Schwarzen Meer

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Schwarzmeer-Stadt Sewastopol zum Hauptstützpunkt der der russischen Schwarzmeerflotte ausgebaut. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde die Krim zu einer autonomen Republik der Sowjetunion. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Halbinsel von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Nach der Schlacht um die Krim im Jahr 1944 ließ Stalin die Krim-Tartaren wegen ihrer angeblichen Kollaboration mit den Deutschen deportieren und die strategisch wichtigen Orte der Halbinsel mit Russen besiedeln. Der Großteil der Tartaren überlebte die Deportation nicht und die Verbliebenen durften erst ab 1988, als sich der Zusammenbruch der Sowjetunion abzeichnete, zurückkehren. Heute sind über 58 Prozent der Bevölkerung Russen, 24 Prozent Ukrainer und rund 12 Prozent Krim-Tartaren


Bild: APA/Margret Schmitt

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Ukraine 1991 zu einem unabhängigen Staat und die Krim ein Teil der Ukraine. Der großteils russisch bevölkerten Krim wurde die Autonomie zugestanden. Die Halbinsel durfte ihre Finanzen, Verwaltung und die Rechtssprechung selbst in die Hand nehmen und in der Verfassung von 1988 wurden Ukrainisch, Russisch und Krim-Tartarisch als offizielle Sprachen bestimmt.

Umstrittenes Sewastopol

Russland, das 1991 den Anspruch auf Sewastopol verloren hatte, erklärte den Schwarzmeer-Flottenstützpunkt nach dem Vorbild Gibraltars einseitig zur russischen Stadt. Erst im Jahr 1997 wurde dieser Status zwischen der Ukraine und Russland vertraglich geregelt. Russland pachtete den größten Teil Sewastopols für die Dauer von 20 Jahren. Rund 97 Millionen Dollar zahlt Russland dafür jährlich an die Ukraine, teils in Naturalien.

Die Halbinsel blieb weiterhin ein Spielball der Politik. Während des russisch-georgischen Konflikt drohte etwa der damalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko, den Vertrag mit Russland nicht zu verlängern. Für Russland war es daher entscheidend, mit dem späteren ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch eine Vertragsverlängerung zu erzielen. 2010 verlängerte Janukowitsch das Stationierungsabkommen mit Russland bis zum Jahr 2042 und erhielt im Gegenzug die Garantie für günstiges Erdgas aus Russland.


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Für Russland ist der aktuelle Konflikt in der Ukraine die Gelegenheit, die großteils russische Bevölkerung der Krim beim für den 30. März angesetzten Referendum zur Unabhängigkeit der Halbinsel für die Loslösung von der Ukraine stimmen zu lassen. Der neue Regierungschef der Krim, Sergej Aksjonow, der mit seiner Moskau-treuen Partei "Russische Einheit" jetzt das Sagen auf der Krim hat und die Russen um "Unterstützung" gebeten hat, ist der Garant dafür.

Russland könnte in der Folge den wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine verstärken, da die Vereinbarungen über die günstigeren Erdgaslieferungen hinfällig wären und mit der pro-russischen Regierung der Halbinsel eine sehr langfristige Lösung für den Flottenstützpunkt Sewastopol erzielen.

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