Gas-Krieg: Friert Europa im Winter?

Gas-Krieg: Friert Europa im Winter?

Die Abhängigkeit von russischem Gas ruft in den Ländern der Europäischen Union steigende Besorgnis hervor. Eine nicht öffentliche, aber FORMAT vorliegende Studie der Generaldirektion für Externe Politikbereiche des EU-Parlaments zeichnet zwei bedrohliche Szenarien für den kommenden Winter. In beiden Modellen kommt es zu massiven Verringerungen der Transitmengen von russischem Gas durch die Ukraine-Krise.

Mit enormen Folgen: Während die Gesamtheit der EU-Länder zu 24 Prozent von russischem Gas abhängig ist, beträgt sie bei den baltischen Ländern und Finnland hundert Prozent, und in Österreich hohe 60 Prozent.

Die Untersuchung des EU-Gremiums zieht daraus einschneidende Schlüsse, die, basierend auf Daten des Brüsseler Thinktanks Bruegel, harte Zeiten für Europa prognostizieren. So wird es nicht reichen, die Energieimporte aus Norwegen und Nordafrika zu intensivieren, es wird auch eine Renaissance des Heizens mit Öl und Rationierungsmaßnahmen für Haushalte geben müssen. Teuer wäre die dadurch ermöglichte weitgehende Unabhängigkeit von russischem Gas auch. Geschätzte Zusatzkosten: drei bis 20 Milliarden Euro.

Zwang zum Frieren

Vor allem die vorgeschlagenen Rationierungsmaßnahmen haben es in sich. Konkret heißt es: "Verbrauchsreduktion ist eine schmerzhafte, aber mögliche unvermeidbare Option für die kurzfristige Perspektive. Es wird erwartet, dass Haushalte zu niedrigeren Heizungstemperaturen gezwungen werden.“ Aus informierten Kreisen wird für öffentliche Gebäude eine angestrebte Raumtemperatur von 17 bis 18 Grad angegeben - ähnlich soll es sich auch im privaten Bereich verhalten.

Hinzu kommt, dass erwartet wird, dass energieintensive Produktionsanlagen wie Stahl-, Aluminium-, und Chemieindustrie am Höhepunkt der Energiekrise (also im kommenden Winter) ihre Tätigkeit einstellen müssen. Damit werde natürlich die Wirtschaftskrise der EU verschlimmert. Auch massive Umweltprobleme und CO2-Emissionen stehen demnach bevor, da Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung (in Österreich z. B. Dürnrohr) wieder in Betrieb gehen sollen. Auch die Verbrennung von Öl in Kraftwerken (z. B. Neudorf-Werndorf) steht vor einem Revival, auch wenn der Verbund zuletzt eine Schließung in Aussicht gestellt hat. Und der großflächige Ausbau von Schiefergasförderung ist langfristig angedacht. Die EU-Studie bringt auch politischen Sprengstoff: "Schiefergas aus dem Iran scheint langfristig eine glaubwürdige Alternative zu russischem Gas zu sein.“

Logisch, dass einzelne Länder wie auch Österreich angesichts dieser Bedrohungsszenarien danach trachten, ihre Energieversorgung individuell zu garantieren. Bestes Beispiel: Die jüngst von der OMV mit der russischen Gazprom ausgehandelte Direktverbindung der Pipeline South Stream nach Österreich.

Damit wäre Österreich zumindest mittelfristig von politischen und militärischen Wirren in der Ukraine unabhängig - an der Begleichung der milliardenteuren Gasschulden der Ukraine gegenüber Russland müssen sich allerdings dennoch alle EU-Länder beteiligen.

So könnte Moskau die Ukraine in Finanznöte stürzen

Politik

So könnte Moskau die Ukraine in Finanznöte stürzen

Ukraine - Kiew: 4.000 russische Soldaten auf Krim zusammengezogen

International

Ukraine - Kiew: 4.000 russische Soldaten auf Krim zusammengezogen

EU stärkt Ukraine den Rücken: Parlament ratifiziert Assoziierungsabkommen

Spezial: Ukraine

EU stärkt Ukraine den Rücken: Parlament ratifiziert Assoziierungsabkommen