Die Klitschko-Brüder und ihre Kämpfe

Wladimir Klitschko hat gestern seine Titel im Schwergewicht mit Erfolg verteidigt. Bruder Vitali kämpft in der Ukraine um seine neue Karrier als Politiker.

Die Klitschko-Brüder und ihre Kämpfe

In Österreich sind sie eher für ihre seltsamen Werbeauftritte für Naschsachen bekannt, in Deutschland hingegen sehr populär - und in ihrer Heimat Ukraine haben sie fast schon Volkshelden-Status: Die Brüder Wladimir und Vitali Klitschko sind mehr als Boxprofis.

In der Nacht von gestern auf heute hat Wladimir Klitschko seine drei Titel im Schwergewicht erfolgreich verteidigen können. Der 36-jährige besiegte in Hamburg den Polen Mariusz Wach in zwölf Runden einstimmig nach Punkten und feierte damit seinen 59. Sieg im 62. Kampf. Klitschko beherrschte den vier Zentimeter größeren Rivalen von Beginn an; der in den USA lebende Pole war für den beweglichen Champion viel zu langsam und in seinen boxerischen Mitteln arg limitiert. Damit ist Wladimir seit mehr als sechs Jahren unbesiegt.

Der Bruder als Politiker

Zwar keinen klaren Sieg, doch einen Achtungserfolg konnte vor kurzem sein Bruder Vitali erringen: Er hat bei den Wahlen am 28. Oktober den Einzug ins Parlament in Kiew klar geschafft. Der 41-jährige Chef der Partei Udar ("Schlag")präsentiert sich tatsächlich als frische Kraft in einer von Korruption und persönlichen Angriffen geprägten politischen Szene. Viele verbinden mit Klitschko die Hoffnung auf eine weitere Westanbindung der Ukraine. "Wir sind ein europäisches Land - mit unserer Mentalität, unserer Geografie - und wollen der Europäischen Union beitreten", betonte Vitali Klitschko im Wahlkampf.

Seine Popularität begründet natürlich auf seinen sportlichen Erfolgen, bei seinen Auftritten wollen viele einfach nur ein Autogramm vom Weltmeister. Doch Klitschko will mehr als seinen Sportler-Bonus nutzen. Viele - und wohl auch er selbst - sehen die Oberste Rada für ihn aber nur als Zwischenstation zu einer Präsidentenkandidatur in der ehemaligen Sowjetrepublik.

Schmutzige Politik

Dabei hatte er davor zweimal vergeblich um den Posten des Bürgermeisters von Kiew kandidiert . "Boxen hat Regeln, aber die ukrainische Politik ist einfach nur schmutzig", wurde er danach zitiert. Das behauptet er auch jetzt: Nach Streit um Fälschungen nach der jüngsten Parlamentswahl hat Klitschko eine mögliche Wiederholung der Abstimmung ins Spiel gebracht. Falls in 13 umstrittenen Wahlkreisen der Sieg der Opposition nicht anerkannt werde, sei das neue Parlament illegitim, sagte er vor kurzem. "Wir sind bereit, auf unsere Mandate zu verzichten, damit Neuwahlen nach neuen Regeln und einem neuen Gesetz stattfinden können."

Die Brüder

Die Klitschko-Brüder waren seit Mitte der 1990er bei einem Hamburger Profiboxklub unter Vertrag; systematisch wurden sowohl sportliche als auch gesellschaftliche Karriere der umtriebigen Brüder vorangetrieben. Seit 2007 besitzen die beiden eine eigene Vermarktungsagentur. Kein Wunder: Neben zahlreichen Auftritten in deutschen TV-Shows und der dortigen High-Society kamen die Boxbrüder auch zu Werbeverträgen - zum Beispiel zu solchen:

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