Schweden stellt Ermittlungen gegen Julian Assange ein

Schweden stellt Ermittlungen gegen Julian Assange ein

Julian Assange geht frei. In Schweden wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Gegen Julian Assange, Gründer von Wikileaks, wurde wegen Vergewaltigung ermittelt. Das eingeleitete Verfahren wurde nun gestoppt. Assange muss sich nun nicht mehr vor Gericht verantworten. Assange lebte seit dem Jahr 2012 in der Botschaft von Ecuador.

Stockholm. Die schwedische Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ein. Das teilte die Anklage am Freitag in Stockholm mit.

Nach siebenjährigen Ermittlungen stellt die schwedische Staatsanwaltschaft das Vergewaltigungsverfahren gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange ein. Staatsanwältin Marianne Ny habe beschlossen, die Ermittlungen nicht weiterzuführen, erklärte die Staatsanwaltschaft in Stockholm.

"Der Verdächtige hat das Land verlassen, und angesichts der Fakten und der Umstände in diesem Fall wird nicht erwartet, dass es in absehbarer Zukunft möglich ist, die Entscheidung auszuführen, ihn nach Schweden auszuliefern", erklärte die schwedische Anklage. Weitere Ermittlungen würden erfordern, dass Assange in Schweden vor Gericht auftrete.

Die Anwälte des Australiers hatten immer wieder eine Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Der 45-jährige Assange hat die Vorwürfe stets bestritten. 2012 suchte er in der Botschaft Ecuadors in London Schutz, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen.

Der schwedische Anwalt von Assange feierte die Einstellung der Ermittlungen als Sieg: "Wir haben den Fall gewonnen", sagte der Jurist dem schwedischen Rundfunk. "Das ist ein totaler Sieg für Julian Assange. Er ist natürlich froh und erleichtert."

Der Australier sprach von einem politisch motivierten Verfahren und von einvernehmlichem Sex. Er befürchtete, dass ihn Schweden an die USA ausliefern könnte. Die Internet-Plattform WikiLeaks hatte 2010 mehr als 250.000 vertrauliche Dokumente von US-Botschaften veröffentlicht. Sie enthüllte unter anderem Details über das Vorgehen der US-Streitkräfte bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Bekannt wurde die Enthüllungsplattform unter anderem durch die Veröffentlichung von brisanten US-Dokumenten aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Eine der wichtigsten Quellen war dabei die US-Whistleblowerin Chelsea Manning - damals noch Bradley Manning. Sie wurde im Jahr 2013 in den USA wegen Geheimnisverrats von einem US-Militärgericht zu 35 Jahre Freiheitsstrafe verurteilt. Nach sieben Jahren wurde Manning am Mittwoch vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Barack Obama hatte in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft Manning begnadigt.

Scotland Yard ermittelt

Aus den Fängen der Justiz ist Assange aber noch lange nicht. Sollte er die Botschaft von Ecuador in London verlassen, würde er von Scotland Yard verhaftet werden. Das geht aus einer Mitteilung der Londoner Polizei vom Freitag hervor.

Die Behörde sieht sich demnach auch nach der jüngsten Entwicklung verpflichtet, den Haftbefehl auszuführen. Assange werde immer noch wegen eines "viel weniger schweren" Verbrechens gesucht. Um was es sich dabei handelt, erläuterte Scotland Yard zunächst nicht.

Der Journalist Julian Assange gilt als maßgeblicher Mitbegründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Seine Kritiker warfen dem 45-jährigen gebürtigen Australier vor, mit der Veröffentlichung heikler Informationen sogar das Leben anderer Menschen aufs Spiel zu setzen.

Zuletzt war Assange während der heißen Wahlkampfphase in den USA nach der Veröffentlichung vertraulicher E-Mails von Servern der Demokraten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Der Hackerangriff war als gezieltes Störfeuer gegen die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewertet worden. Den Vorwurf, WikiLeaks habe gemeinsame Sache mit russischen Hackern gemacht, wies Assange stets vehement zurück.

Bei der Gründung von WikiLeaks 2006 spielte Assange eine zentrale Rolle. Unter den Aktivisten kam es jedoch immer wieder zu Streit. Die Vorwürfe sexueller Vergehen, die in Schweden gegen Assange erhoben wurden, brachten ihm auch in der Hackerszene Kritik ein.

Bekannt wurde die Enthüllungsplattform unter anderem durch die Veröffentlichung von brisanten US-Dokumenten aus den Kriegen in Afghanistan und im Irak.


Die Causa Assange im Rückblick

August 2010: Schwedische Staatsanwälte erlassen Haftbefehl gegen Assange, heben ihn aber kurz darauf wieder auf. Die Justiz wirft dem Australier vor, er habe bei einem Besuch im Land zwei Frauen vergewaltigt und sexuell genötigt.

Dezember 2010: Assange wird von der britischen Polizei wegen eines neuen Haftbefehls aus Schweden festgenommen. Gegen Kaution und unter Auflagen kommt er frei. Er hält die Vorwürfe für politisch motiviert.

Februar 2011: Ein Londoner Gericht hält eine Auslieferung nach Schweden für rechtens, Assange geht Anfang März in Berufung. Er fürchtet die Auslieferung an die USA, wo ihm eine lange Haft wegen Geheimnisverrats drohen könnte.

November 2011: Der britische High Court entscheidet, dass Assange an Schweden ausgeliefert werden darf. Der legt Einspruch ein.

Juni 2012: Der Einspruch scheitert. Am 19. Juni flieht Assange in die Botschaft von Ecuador in London und beantragt politisches Asyl.

Juli 2014: Seine Anwälte beantragen in Schweden eine Aufhebung des vier Jahre alten Haftbefehls. Der Antrag scheitert.

August 2015: Die schwedische Staatsanwaltschaft lässt die Vorwürfe der sexuellen Nötigung und des Missbrauchs wegen Verjährung fallen. Der Vergewaltigungsvorwurf bleibt aber bestehen.

Februar 2016: Nach Ansicht von UNO-Rechtsexperten kommt Assanges Aufenthalt in der Botschaft einer willkürlichen Haft gleich. Sie fordern, er müsse sich wieder frei bewegen können.

November 2016: Schwedische Staatsanwälte befragen Assange in London.

April 2017: Medienberichten zufolge bereiten die USA eine Anklage gegen ihn vor.

Mai 2017: Schwedens Justiz gibt bekannt, dass sie die Ermittlungen gegen Assange einstellt.

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