"NO!" Schottland stimmt gegen die Unabhängigkeit

"NO!" Schottland stimmt gegen die Unabhängigkeit

Gegner der Unabhängigkeit Schottlands nach einer langen Wahlnacht

Beim Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands haben sich die Gegner durchgesetzt. Dem vorläufigen Ergebnis zufolge haben 54 Prozent der Schotten für einen Verbleib des Landes in Großbritannien gestimmt. Die Nationalisten haben ihren Niederlage bereits eingestanden. Der britische Premierminister David Cameron hat den Unabhängigkeitsgegnern gratuliert und stellt den Schotten mehr Rechte in Aussicht.

Erleichterung am Morgen nach dem historischen Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands in weiten Teilen Europas und besonders auf der britischen Insel. Hochrechnungen der BBC und der Nachrichtenagentur Reuters zeigen einen Sieg der Gegner der Unabhängigkeit. Demach haben über 54 Prozent gegen die Abspanltung des Landes vom Vereinigten Königreich gestimmt, 45 Prozent waren dafür.

In einer ersten Reaktion twitterte der britische Premierminister David Cameron: "I've spoken to Alistair Darling - and congratulated him on well-fought campaign"

In seiner Erklärung nach der Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses vor seinem Büro in der Londoner Downing Street reagierte Cameron wie vielfach erwartet und stellte den Schotten künftig mehr nationale Befugnisse in Aussicht. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll bis zum Jänner 2015 veröffentlicht werden. Ein Zugeständnis an die schottischen Nationalisten ist, dass diese zu den kommenden Gesprächen über die künftigen erweiterten nationalen Befugnissen Schottlands eingeladen werden. Die Frage der schottischen Unabhängigkeit sei nun "für eine ganze Generation" geklärt, sagte Cameron. Es werde keine Streitereien geben, der Wille des schottischen Volkes sei gehört worden.

Der Erste Minister Schottlands, Alex Salmond, trat vor einer riesigen schottischen Flagge, dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund, vor die Kameras und räumte seine Niederlage ein. "Ich akzeptiere das Urteil des Volkes", sagte er mit gesenktem Kopf. Die britische Regierung forderte er auf, schnell ihr Versprechen weiterer Autonomierechte für Schottland einzulösen.

Reaktionen aus der Politik

Österreichs Politik sieht durch das Nein Schottlands zur Unabhängigkeit positive Auswirkungen auf Europa. Die Chance auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU sei gewachsen, twitterte etwa ÖVP-Europaabgeordneter Othmar Karas am Freitag. Die Grünen sehen Chancen auf eine Änderung der britischen Europapolitik, die FPÖ spricht von einem "Sieg für die direkte Demokratie".

Die grüne EU-Politikerin und EU-Parlaments-Vizepräsidentin Ulrike Lunacek erklärte in einer Aussendung: "Der Verbleib Schottlands in Großbritannien stärkt die pro-europäischen Kräfte, die gleichzeitig auch eine sozialere und weniger finanzmarktgetriebene EU wollen." Die Schotten hätten klar gemacht, dass sie "mehr sozial und mehr Europa" wollten.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zeigte sich am Freitag erfreut über den Ausgang des schottischen Unabhängigkeitsreferendums. "Ich begrüße die Entscheidung des schottischen Volkes, die Einheit mit dem Vereinigten Königreich zu wahren. Dieses Ergebnis ist gut für das vereinte, offene und starke Europa, für das die Europäische Kommission steht", so Barroso in einer Aussendung.

Spaniens Regierung hat mit Blick auf die Separatismus-Bewegungen im eigenen Land den Sieg der schottischen Unabhängigkeitsgegner gefeiert. Das Ergebnis des Referendums sei eine "gute Nachricht für uns alle, die seit Jahrzehnten am Aufbau Europas teilnehmen", erklärte der für die EU zuständige Staatssekretär Inigo Mendez de Vigo am Freitag in Madrid.

Bedauert haben den Ausgang des Referendums unter anderem Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Er hätte sich ein "Ja" gewünscht. Die Südtiroler EU-Vertreterin Vesna Caminades sieht nach dem Nein der Schotten eine neue Dynamik in Europa: "Dem muss man nun Rechnung tragen, und es wird Gleichgewichtsverschiebungen geben müssen."

Reaktionen an den Finanzmärkten

Aufatmen an der Börse als Folge des schottischen Unabhängigkeitsreferendums: Der britische Aktienindex FTSE 100 dürfte Brokerhäusern zufolge 1,2 Prozent höher in den Handel starten. Auch der Dax sollte durch das Votum Aufwind bekommen. "Der Markt kann sich wieder den ökonomischen Themen des weiterhin vereinigten Königreichs widmen", kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann den Ausgang des schottischen Referendums. Für den Euro heißt das allerdings wohl, dass er gegenüber dem britischen Pfund weiter an Wert verlieren wird. Unmittelbar nach dem Referendum in Schottland fiel der Euro auf ein Zwei-Jahres-Tief von 0,7811 Pfund.

Börsianer gehen davon aus, dass die britische Notenbank zum Jahreswechsel die Zinsen wieder anheben wird. Von den europäischen Währungshütern erwarten sie dagegen weitere Geldspritzen zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone.

Auf Österreich hat das Ergebnis des Referendums kuam Auswirkungen Die wirtschaftliche Verflechtung Österreichs mit Schottland hält sich in Grenzen. Der Außenhandel zwischen Österreich und Schottland wird in der österreichischen Außenhandelsstatistik nicht extra ausgewiesen, erreichte aber nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich 2013 ein geschätztes Volumen von rund 300 Mio. Euro. Österreich bezieht neben Whisky und alkoholischen Getränken Maschinen, Anlagen, Kfz, verschiedene chemische Produkte und Papier und Produkte daraus. Aus Österreich werden unter anderem Obst und Gemüse, Spezialmaschinen, Allgemeine Maschinen, Papier und Papierprodukte nach Schottland geliefert.

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