Saudi-Arabien bricht Handelsbeziehungen mit Iran ab

Saudi-Arabien bricht Handelsbeziehungen mit Iran ab

Demonstranten bei einem Protestzug in Bagdad, die wegen der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr auf die Straße gehen.

Der Riss zwischen den beiden Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien wird immer größer: Das sunnitisch geprägte Saudi-Arabien streicht nun alle Flugverbindungen mit dem mehrheitlich schiitischen Iran und bricht die Handelsbeziehungen ab. Der diplomatische Streit könnte die gesamte Nahost-Region destabilisieren. Dem Ölpreis gibt die Eskalation Auftrieb.

Saudi-Arabien kappt nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir alle Handelsbeziehungen mit dem Iran. Außerdem werde der Flugverkehr zwischen beiden Staaten eingestellt, sagte Dschubeir der Nachrichtenagentur Reuters. Saudische Bürger dürften auch nicht mehr in den Iran reisen. Iranische Pilger seien allerdings nach wie vor willkommen, die heiligen Stätten in Mekka und Medina zu besuchen. Der Iran müsse sich wie ein normales Land verhalten und internationale Normen respektieren, bevor die Beziehungen zu dem Land wieder normalisiert werden könnten.

Saudi-Arabien bekommt bei seiner Konfrontation mit dem Iran Unterstützung von seinen sunnitisch regierten Nachbarn. Die Golfmonarchie Bahrain brach die Beziehungen zu Teheran ebenfalls ab, die Vereinigten Arabischen Emirate stuften sie herunter. Auch der ostafrikanische Staat Sudan kündigte ähnliche Schritte an. Der Iran warf indes Saudi-Arabien eine Politik der Spannung und der Konfrontation vor.

Saudi-Arabien hatte nach der Erstürmung seiner Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran die Beziehungen zu dem rivalisierenden Golfstaat abgebrochen. Die Proteste im Iran waren durch die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr im sunnitischen Saudi-Arabien ausgelöst worden.

Tiefpunkt in Länder-Beziehungen

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien war jahrzehntelang schwierig, die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert einen lange nicht erreichten Tiefpunkt. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zum Iran abgebrochen.

Auch auf dem Finanzmarkt machen sich die Spannungen bemerkbar. Der Rial ist zwar an den Dollar gekoppelt, an den Terminmärkten stürzte sein Kurs aber ab. Der sogenannte Dollar/Rial-Forward schoss um gut 36 Prozent in die Höhe und lag mit 680 Punkten nur 50 Zähler unter seinem 16-Jahres-Hoch vom Dezember.

Die Ölpreise weiten angesichts der Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ihre Gewinne aus: Brent verteuert sich um 4,6 Prozent auf 38,99 Dollar, WTI um 3,6 Prozent auf 38,39 Dollar je Barrel. Neben den Spannungen nennen Händler Spekulationen auf einen Rückgang der US-Ölbestände als einen weiteren Grund für den Preisanstieg. Trotz der aktuellen Rally bleibt der Brent-Kontrakt in Sichtweite seines erst am Silvestertag erreichten Elf-Jahres-Tiefes von 36,10 Dollar.

Sunniten und Schiiten: Der islamische Machtkampf im Nahen Osten

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs.

Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mithilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines "islamischen Militärbündnisses", zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Die Regionalmacht Iran

Der Iran ist schon allein wegen der Bevölkerungszahl von fast 80 Millionen eine Macht in der Golf-Region. Der Gottesstaat war jedoch wegen seiner kompromisslosen Atompolitik in den vergangenen zehn Jahren international isoliert.

Die im Zusammenhang mit dem Atomstreit verhängten Sanktionen führten in dem öl- und gasreichen Land auch zu einer Wirtschaftskrise. Viele Beobachter rechneten daher mit einem zweiten Nordkorea am Persischen Golf.

Mit dem Sieg von Hassan Rohani bei der Präsidentenwahl 2013 im Iran änderte sich jedoch das Bild. Sein Wahlslogan "Versöhnung mit der Welt" führte im Juli 2015 zu einem Atomabkommen mit dem Westen. Der Iran wurde plötzlich zu einem potenziellen politischen und wirtschaftlichen Partner des Westens in einer von Krisen geschüttelten Region. Besonders im Syrien-Konflikt hofft der Westen auf eine positive Rolle Teherans.

Mit seinen beiden gut ausgerüsteten Streitkräften - der klassischen Armee und den Revolutionsgarden - kann der Iran besonders im Kampf gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) eine entscheidende Rolle spielen. Diese Rolle aber ist innerhalb der Region höchst umstritten, unter anderem bei der anderen Regionalmacht Saudi-Arabien. Ideologische und besonders religiöse Differenzen zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch-wahhabistischen Saudis sorgen daher immer wieder für Spannungen in der Region.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz war im Jahr 2018 am Cover zahlreicher internationaler Medien.

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