Russland und Donald Trump: Eine vielfältige Beziehung

Russland und Donald Trump: Eine vielfältige Beziehung

Bei einem Vortrag des Russland-Beraters von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trumps in Moskau ließ das Publikum wenig Zweifel an russischen Präferenzen für Trump als Präsidenten. Berater Carter Page selbst kritisierte eine "verlogene Fokussierung" des Westen auf Demokratisierung. Spekulationen über Treffen mit russischen Spitzenbürokraten wollte er nicht kommentierten.

Im vergangenen März hatte der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Wahlkampfspot noch in eine Reihe mit Terroristen des "Islamisches Staates" gestellt und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton vorgeworfen, in der Konfrontation mit den stärksten Feinden nur eine Witzfigur abzugeben. Mittlerweile sind zwischen Putin und Trump jedoch deutlich freundlichere Töne angesagt. Beim Petersburger Wirtschaftsforum begrüßte Russlands Präsident im Juni etwa eine Wortmeldung des Republikaners, der seine Bereitschaft zu einer vollwertigen Erneuerung der russisch-amerikanischen Beziehungen zum Ausdruck gebracht hatte.

Russland-Beauftragter auf Tour

Als weiteres Indiz für einen freundlichen Umgang zwischen Kreml und Trump darf aber auch die Russland-Reise des Energiemarktspezialisten Carter Page gelten, der sich in den letzten Tagen auf Einladung der russischen Wirtschaftsprivatuniversität "New Economic School" in Moskau aufhielt. Trump hatte den 44-jährigen Page, der in der Vergangenheit auch für russische Energiekonzerne tätig war und in Moskau lebte, kurz nach der Veröffentlichung des umstrittenen Wahlkampfspots zum Russland-Berater ernannt. Am Donnerstagabend absolvierte Page seinen einzigen öffentlichen Auftritt in Moskau. Gerade staatliche und staatsnahe russische Fernsehsender zeigten großes Interesse.

In einem kurzen Vortrag betonte Page, ausschließlich als Privatperson zu sprechen. Seine Ausführungen ließen jedoch Grundzüge einer Russland-Politik eines hypothetischen US-amerikanischen Präsidenten Trump erkennen.

"Verlogene Fokussierung auf Demokratisierung"

Am Beispiel der Interaktion von USA, Russland und China mit ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien, die in vier von fünf Fällen diktatorisch regiert werden, fand Trumps Berater lobende Worte für positive Rollen von Russland und China. Den außenpolitischen Pragmatismus und die Toleranz der Volksrepublik stellte er als Vorbild dar. "Washington und der Westen hätten hingegen mit einer verlogenen Fokussierung auf Demokratisierung, Ungleichheit, Korruption und Regimewandel oftmals Fortschritt in der Region behindert", kritisierte Page. Diese westliche Intoleranz führe auch dazu, dass Chancen auf wechselseitigem Nutzen aufzubauen oftmals verborgen blieben.

Verständnis zeigte Trumps Berater dafür, dass sich die politischen Führungen in Russland und anderen GUS-Staaten vom Westen bedroht fühlten. "Die westliche Kombination eines nahezu universellen kritischen Tons und laufende Schritte, die zu Regierungswechsel im Ausland ermutigen sollen, können aus nachvollziehbaren Gründen für ein gewisses Unsicherheitsgefühl sorgen", sagte er.

Geschicktes Ausweichen

Antworten auf aktuelle politische Themen wich Page in einer anschließenden Publikumsdiskussion aus, keine Antworten gab es auf die wiederholte Journalistenfrage, wann die USA gegen Russland gerichtete Sanktionen abschaffen würden. Die Frage, ob er in Moskau Vertreter der Präsidentschaftskanzlei, der Regierung oder des Außenministeriums getroffen hätte, quittierte der Trump-Berater mit einem breiten Grinsen und dem Satz "Ich habe dazu kein Kommentar". In den letzten Tagen war in Moskau über Treffen von Page mit russischen Spitzenbürokraten spekuliert worden.

Pages Moskauer Publikum selbst war deutlicher. "Eine weitere Konfrontation zwischen unseren Staaten bringt nichts Gutes. Wir werden in Russland deshalb Donald Trump unterstützen", erklärte die bekannte Politaktivistin Marija Katassonowa, die bei den Dumawahlen im Herbst für die nationalistische "Rodina"-Partei kandidieren wird. Bislang war sie stets als erbitterte Gegnerin des Westens in Erscheinung getreten.

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