Regierung will Corona-Tests auf 15.000 pro Tag erhöhen

Die Regierung will die Zahl der Corona-Tests massiv erhöhen und Daten sammeln. Auch Bewegungsprofile aus Mobilfunknetzen sollen genutzt werden. Erste Beschränkungen könnten nach Ostern zurückgenommen werden.

Regierung will Corona-Tests auf 15.000 pro Tag erhöhen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) wollen den Zuwachs bei Neuinfizierten mit dem Coronavirus rasch unter 10 Prozent bringen.

Das Ziel ist mit 14. April 2020 schrittweise Maßnahmen zurückzunehmen - "Betonung Ziel, Betonung schrittweise", meinte Bundeskanzler Sebastian Kurz kryptisch anlässlich der heutigen (24. März) Pressekonferenz der österreichischen Bundesregierung. Und dennoch "wird das Leben von heute auf morgen nicht mehr so sein, wie es war. Das Leben wird nach Ostern eher so aussehen, wie jetzt, als wie es bisher war."

Von einer Entwarnung der Lage kann noch nicht die Rede sein. Die Zahlen nach Ostern "werden nicht so gut sein werden, dass wir sagen wir nehmen die Maßnahmen schlagartig zurück". Deshalb ein weitere Appell an die Bevölkerung, die gesetzten Regeln hinsichtlich der Ausgangsbeschränkungen auch einzuhalten. "Wir haben es in der Hand, alles zu tun, dass es keine Zustände wie in Italien oder Spanien gibt", meint Kurz.

Ende noch nicht in Sicht

Wann entschieden wird, ob die Restriktionen teilweise zurückgenommen werden, könne man derzeit noch nicht sagen. Klarheit darüber, ob die bisher gesetzten Maßnahmen zur Virus-Eindämmung greifen, werde man erst am Freitag haben, sagte Kurz. "Wir sind aber noch nicht da, wo wir hinwollen." Man habe aber die Hoffnung, dass man nicht die Zustände bekommen würde wie etwas in Italien oder Spanien. Es gehe noch immer darum, die Maßnahmen zu setzen, damit die Zunahme der infizierten Coronafälle weniger werden.

Am Freitag, den 20. März, hatte Gesundheitsminister Anschober erstmals avisiert, dass es einen "Nachweis gibt, dass die Maßnahmen greifen". Der nächste wichtige Termin wird also der Freitag, der 27. März sein, an dem man sich bereits etwas mehr Klarheit verspricht.

Je erfolgreiche die Maßnahmen sind, desto später kommt der Höhepunkt der Anzahl der Infizierten. Je später der Peak kommt, desto kleiner wird er sein. Und umso besser wird für es für die Kapazität des Gesundheitsystems sein", ergänzte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Situation in den Spitälern Italiens, vor allem von der Lombardei, sowie in Spanien mit der Überlastung des gesamten Gesundheitswesens zu vermeiden, sei das vorrangige Ziel.

"Unser ganz großes Ziel wäre einstellig bei den Infizierten zu wachsen, also eine kräftige Abflachung der Infektionskurve zu erreichen", sagt Anschober. "Und dann haben wir eine völlige andere Belastung, weil die angepasste Situation unserer Spitalsinfrastruktur den gegebenen Kapazitäten auch entspricht."

Mehr Tests

Jedenfalls forciert werden soll das Testen auf Coronaviren. Die Testkapazitäten sollen nun stark ausgeweitet werden. "Es wird gelingen, die Kapazitäten auf rund 15.000 pro Tag auszubauen, und auch durchzuführen, sofern wir die notwendigen Ressourcen erhalten", sagte Kurz.

Das wichtigste Ziel - neben der Reduktion der sozialen Kontakte - laute "testen, testen, testen", so Kurz. Man werde auch auf Schnelltests setzen, kündigte der Regierungschef an. Es gehe darum, möglichst schnell die Kapazitäten zu haben, um Hunderttausende Menschen zu testen. "Diese (Tests, Anm. ) haben nicht dieselbe Qualität wie jene, mit denen wir jetzt testen. Aber sie sind die einzige Möglichkeit, um Hunderttausende zu testen und nicht nur wenige."

Die Forderung von Rendi-Wagner umgesetzt

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner begrüßt die Entscheidung der Regierung: "Das ist die richtige Entscheidung des Bundeskanzlers." Rendi-Wagner hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gefordert, die Testkapazitäten massiv zu erhöhen. Auch Kontaktpersonen von Infizierten müssten dringend flächendeckend getestet werden, forderte die frühere Gesundheitsministerin und Ärztin.

"Wir müssen wissen, wie groß der Eisberg unter der Wasseroberfläche ist", sagt Rendi-Wagner. Danach müsse eine serologische Stichprobenstudie folgen, um die Immunität in der Bevölkerung zu erfahren, so Rendi-Wagner.

Die Beschaffung von Schutzmasken

Derzeit werde - wie Bundeskanzler Kurz erklärte - außerdem "intensiv an der Beschaffung, Produktion und Logistik für Schutzmasken und Bekleidung gearbeitet" - auch, um Schutzausrüstung für medizinisches Personal zu beschaffen. "Es treffen Lieferungen ein in den nächsten Tagen" - unter anderem aus der Volksrepublik China, von der Österreich 20 Millionen Schutzmasken erhalten werde.

"Die ersten fünf Millionen werden schon dieses Woche eintreffen", sagte Kurz. Im Bereich der Pflege erwartet er den Ausfall vieler (ausländischer) Mitarbeiter. Daher habe man Zivildiener mobilisiert, "darüber hinaus werden wir 100 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Pflege bestmöglich zu unterstützen".

Kanzler Kurz dankte allen, "die sich diszipliniert an die Maßnahmen halten". Gleichzeitig betonte Kurz, er habe Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ersucht, "diejenigen zu strafen, die sich nicht daran halten und damit den Erfolg aller gefährden".

Die Kurzarbeit für Unternehmen

Die Wirtschaftstreibenden rief der Kanzler dazu auf, die von der Regierung geschaffenen Möglichkeiten der Kurzarbeit zu nutzen. "Das ist besser als Arbeitslosigkeit, das Modell steht allen Unternehmen offen."

Das Paket für Härtefälle werde ebenso wie die geplante Notfallshilfe derzeit finalisiert, Auszahlungen sollen bereits ab der Woche vom kommende Woche 30. März möglich sein.

Das Big Data-Ding

Um für die Zukunft weitere Vorsorgemaßnahmen zu treffen, brachte Kurz auch das Schlagwort "Big Data" ins Spiel. Mit der Erhebung von Daten will Österreichs Regierung noch mehr Daten auswerten. Konkret wurde Kurz noch nicht und verwies auf nähere Details zu einem späteren Zeitpunkt.

Über Mobilfunknetze werden bereits Daten anonymisiert erhoben, mit denen Bevölkerungsbewegungen nachgezeichnet und analysiert werden. Derartige Analysen waren in Vor-Corona-Zeiten datentechnisch problematisch und auch verboten.

Das Österreichische Rote Kreuz wird noch diese Woche eine App für Smartphone-Nutzer freischalten. Die "StoppCorona"-App soll als eine Art Kontakttagebuch via Smartphone sein und schnell über Verdachts- sowie positive Fälle von Personen informieren.

Tirol: Staatsanwaltschaft ermittelt

Nachdem das Land Tirol wegen eines offenbaren Ischgler Corona-Falles die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte, hat diese nun das Landeskriminalamt Tirol mit Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten eingeleitet. Dies teilte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr der APA am Dienstag mit.

Die Bezirkshauptmannschaft Landeck hatte eine schriftliche Anfrage des ZDF an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, aus der sich ergibt, dass bereits Ende Februar eine Mitarbeiterin eines Gastronomiebetriebes in Ischgl positiv getestet worden sei. Es sei unterlassen worden, diesen Fall zu melden.



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