Unabhängigkeit: Baskenland und Katalonien wollen Schottland nacheifern

Unabhängigkeit: Baskenland und Katalonien wollen Schottland nacheifern
Unabhängigkeit: Baskenland und Katalonien wollen Schottland nacheifern

Eigenständiger Staat oder in der Union bleiben? Während die Schotten noch bis 23 Uhr über ihre Unabhängigkeit entscheiden können, will das spanische Baskenland dem Beispiel Schottlands folgen. In Katalonien, einer Region, die ebenfalls unabhängig von Spanien werden will, will die Regierung am 9. November ein Referendum abhalten.

4,3 Millionen Schotten sind noch bis 23 Uhr zum Wahl zwischen "Yes" oder "No" aufgerufen. Freitag früh zwischen 6.30 Uhr und 7.30 Uhr Ortszeit (7.30 Uhr bis 8.30 Uhr MESZ) soll das Endergebnis der Abstimmung veröffentlicht werden. Jüngste Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, auch wenn das Lager der Abspaltungsgegner zuletzt wieder einen kleinen Vorsprung herausholte. Allerdings waren bis kurz vor dem Referendum noch Hunderttausende Wahlberechtigte unentschlossen. Eine mögliche Loslösung mit ihren weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Politik hielt auch die Finanzmärkte in Atem.

International wird mit großer Spannung verfolgt, ob sich die Schotten nach mehr als 300 Jahren aus der Union mit England lösen. Die Aussicht auf ein Auseinanderbrechen der weltweit sechstgrößten Volkswirtschaft und einer Atommacht mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat hat weit über die Insel hinaus Besorgnis ausgelöst. Ein "Yes" zur Unabhängigkeit würde eine Reihe von Fragen aufwerfen. So ist unklar, welche Währung dann in Schottland gelten würde, was aus der EU- und Nato-Mitgliedschaft würde, wie etwa die Öl-Vorkommen in der Nordsee aufgeteilt würden und was mit der Atom-U-Boot-Flotte passiert, die derzeit in Schottland ankert. Eine Abspaltung könnte auch eine Art Domino-Effekt für weitere nach Unabhängigkeit strebende europäische Regionen wie etwa Katalonien in Spanien haben.

Dem Weg der Schotten eifern auch zwei Regionen in Spanien nach, die ebenfalls eine Unabhängigkeit beanspruchen. Die Regierung der Autonomen Region Baskenland will sich für eine eventuelle Trennung von Spanien ein Beispiel an Schottland nehmen. "Wir wollen den Weg Schottlands gehen", sagte der regionale Regierungschef Iñigo Urkullu am Donnerstag am Rande einer Veranstaltung in der baskischen Gemeinde Azcoitia.

Slideshow zur historischen Entscheidung in Schottland: 4,3 Millionen Menschen stimmen über die Unabhängigkeit ab.

Unabhängigkeitsbewegungen gibt es in Spanien auch in Katalonien und Galicien. Die katalanische Regionalregierung will am 9. November ein Referendum über die Abspaltung von Spanien abhalten. "Wir Katalanen wollen auch abstimmen, ...aber Spanien lässt uns nicht", stand etwa auf einem Banner, das ein Mann am Donnerstag vor dem schottischen Regionalparlament in Edinburgh hielt. Die Zentralregierung nennt die Volksabstimmung illegal und versichert, sie werde auf keinen Fall stattfinden. Der Chef der Schottischen Nationalpartei (SNP), Alex Salmond, hat immer wieder betont, das Referendum über Schottlands Unabhängigkeit habe nichts mit anderen Ländern zu tun.

Das Referendum in Schottland war am Tag der Abstimmung auch das zentrale Thema am Aktienmarkt. Die meisten europäischen Anleger rechneten damit, dass Schottland auch in Zukunft Teil Großbritanniens bleiben wird. Sollte sich dies am Freitag bestätigen, könnte es an den Aktienmärkten eine Erleichterungsrally geben, mutmaßten Händler in Frankfurt. Vor allem das Pfund Sterling GBP=D4 dürfte dann den zuletzt verlorengegangenen Boden wiedergutmachen. Im entgegengesetzten Fall könnte die britische Währung bis zu zehn Prozent an Wert einbüßen, warnten die Analysten der Bayern LB.

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