Pläne des neuen ÖIAG-Chefs Beyrer: Massive Aufwertung der Staats-Holding

Viel über seine Pläne ist dem künftigen ÖIAG-Chef Markus Beyrer, 45, nicht zu entlocken. Dabei gibt es das Konzept für die Staatsholding, das Beyrer laut Finanzminister Josef Pröll erst erarbeiten soll, längst. Der neue Mann wird sich sehr genau an den Vorstellungen von ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Peter Mitterbauer und dessen Vize Siegfried Wolf orientieren.

Und die wollen ganz klar eine Aufwertung der Holding durch die Übertragung von zusätzlichen Staatsbeteiligungen – und zwar nicht nur von Bundesimmobiliengesellschaft und Bundesforsten, sondern vor allem auch von Schwergewichten wie Verbund und ÖBB. Beyrer, den Noch-Generalsekretär der Industriellenvereinigung, verbindet ein besonderes Vertrauensverhältnis mit dem ehemaligen IV-Präsidenten Mitterbauer.

Beyrers Hauptaufgabe wird darin bestehen, den ÖIAG-Plan gegen die Widerstände aus der SPÖ und auch bei Teilen der ÖVP durchzusetzen. Das wird politisches Fingerspitzengefühl und Verhandlungstaktik erfordern. Den Sozialdemokraten die eine Auflösung der ÖIAG gefordert haben, wird man mehrere Anreize bieten: einerseits die Umbenennung der Staatsholding, andererseits wohl einen zweiten Vorstand, was mit der Erweiterung des Aufgabengebietes argumentiert werden könnte. Außerdem wird die ÖVP ein Ende ihrer Fundamentalopposition bei den ÖBB in Aussicht stellen, wenn die Bahn eingebunden wird – und auch das Herauslösen des Verbunds aus einem rein schwarzen Biotop in eine ÖIAG, wo sie Einfluss hat, könnte für die SPÖ Anreiz sein.

Verbund-Boss Wolfgang Anzengruber ist daher – aber wohl nicht nur deswegen – strikt gegen eine Anbindung an die ÖIAG. Bahn-Chef Christian Kern würde eine solche Lösung wahrscheinlich weniger ablehnen, weil sie seinen Konzern gegenüber der derzeitigen Umklammerung durch die Politik deutlich unabhängiger machen würde.

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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