Piraten-Angriff auf Österreich

Der grüne Nationalrat Albert Steinhauser (Bild unten) und Rodrigo Jorquera (Bild oben), Mitglied des fünfköpfigen Piraten-Bundesvorstands, diskutieren für FORMAT über Gemeinsames und Trennendes.

FORMAT: Derzeit steht es bei den Stimmenanteilen in der Wählergunst zwischen Grünen und Piraten noch 10,4 zu 0 Prozent. Und nach der nächsten Nationalratswahl?

Jorquera: Eine Gallup-Umfrage gibt uns sieben Prozent. Wenn wir Stabilität in die Sache bringen, halte ich bis zu 14 Prozent für die Piraten für möglich.

Steinhauser: Wir hoffen, dass die Grünen dazugewinnen, das kann über 15 Prozent gehen. Aber bis zur Wahl ist noch einiges zu tun.

FORMAT: Die Piraten machen einiges anders und neu, vor allem gibt es bei ihnen die totale Transparenz.

Jorquera: Wenn ich ehrlich bin, ist das manchmal extrem anstrengend. Aber wenn man sich darauf einlässt, muss man sich dem auch stellen. Das ist unsere Stärke.

Steinhauser: So weit unterscheiden wir uns gar nicht. Auch bei uns sind Vorstandssitzungen öffentlich. Piraten und Grüne haben ähnliche Zugänge.

Jorquera: Es mag Parallelen geben. Aber wir haben einen Werkzeugkasten, den die Grünen so nicht haben. Ich sehe die Strukturen der Grünen zwar positiv, aber nach außen sind wir viel offener.

FORMAT: Bei der Nutzung des Internets für ihre Zwecke sind die Grünen gut, aber die Piraten voraus. Fühlen sich die Grünen inzwischen nicht ein wenig alt?

Steinhauser: Die Grünen sind nicht alt. Aber wir machen auch sicher nicht den Fehler, arrogant zu sein. Ich sage nicht, dass wir in einzelnen Bereichen nicht von den Piraten lernen können.

FORMAT: Warum soll man bei all den Gemeinsamkeiten die Piraten wählen, wenn die Grünen das auch abdecken?

Jorquera: Die Piraten haben eine Geschwindigkeit und eine Offenheit, wie die Grünen sie nicht haben. Wir sind ein Angebot in alle Richtungen. Wir haben sogar Piraten, die von der Argumentationsrichtung her auch bei der FPÖ sein könnten.

Steinhauser: Dass die Piraten der FPÖ Stimmen abziehen, haben wir jetzt in Innsbruck gesehen. Es gibt sicher auch Grün-Wähler, die mit Piraten-Ideen sympathisieren – aber die sehen ihre Themen auch bei den Grünen verankert, plus ein zusätzliches Angebot. Die wählen also, hoffe ich, weiter Grün. Wir sind da nicht schlecht aufgestellt.

FORMAT: Wäre eine grüne Unterstützung denkbar – etwa indem drei grüne Nationalräte Unterstützungserklärungen bei der nächsten Nationalratswahl abgeben und den Piraten so die Ochsentour ersparen, 2.600 notarielle Unterstützungserklärungen einzusammeln?

Steinhauser: Ich glaube nicht, dass die Piraten das wollen. Grundsätzlich unterschreiben wir Grüne dafür, dass die Grünen antreten können – nicht eine andere Partei. Das ist ja keine Spielerei.

Jorquera: Der Kollege ist sehr schnell mit der Einschätzung, was die Piraten wollen und was nicht. Es gibt durchaus Überlegungen, auf Abgeordnete zu vertrauen, die für uns unterschreiben.

Steinhauser: Da darf man keine falschen Erwartungen haben.

Moderation: Klaus Puchleitner

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