Philipp Maderthaner, der doppelte Kanzler-Macher

Philipp Maderthaner. Der Selfemademan liebt Siege, feines Essen - und neue Herausforderungen.

Philipp Maderthaner. Der Selfemademan liebt Siege, feines Essen - und neue Herausforderungen.

Kampagnenguru Philipp Maderthaner hat für seinen Freund Sebastian Kurz auch die Nationalratswahl 2019 gewonnen. Nun gründet er neben seinem Campaigning Bureau ein neues Beratungsunternehmen.

Er ist der Funke – und schon sind die Menschen um ihn herum Feuer und Flamme. Er hält rund 30 Keynotes pro Jahr, Tendenz stark steigend. Für eine runde Stunde „Impuls“ plus Diskussion verdient er „einen mittleren vierstelligen Betrag“. Er liebt diese Auftritte vor Publikum, sagt er, weil er mit ihnen viel zum Wohl von Unternehmen, von Menschen beitragen kann.

„Ich kann Dinge zünden“, sagt Philipp Maderthaner, und keine Sekunde zweifelt man an dieser Fähigkeit. Seine Botschaften sind die eines Heilsbringers: Folge deiner Leidenschaft, stifte Nutzen über das materielle Interesse hinaus, glaube an das Gute im Leben. Mit seiner Philosophie hat er soeben seinem Freund Sebastian Kurz bei der Nationalratswahl zu fulminanten 37,46 Prozent Stimmanteil verholfen. Womit der alerte 38-jährige Niederösterreicher einer der Väter des türkisen Erfolgs und längst ein glänzender Star der Kampagnenszene ist.

„Business Gladiator“

Der Mann, der mit der Leichtigkeit eines Schuljungen auftritt, ist ein Selfmademan, wie er im Buche steht. „Don’t stop me now“ könnte sein Lebensmotto sein, Stillstand ist definitiv nicht sein Ding. Soeben launcht er neben seinem groß gewordenen Campaigning Bureau ein Start-up. Das Kind hat auch schon einen Namen: Business Gladiators. Maderthaner verfolgt das Ziel, den Unternehmerinnen und Unternehmern „etwas von meinem Wissen und meiner Erfahrung mitzugeben, damit sie noch erfolgreicher werden“.

Eine neue Art von Unternehmensberatung, Weiterbildung, Wissensvermittlung, „Empowerment“ stehen im Mittelpunkt, sagt der Kampagnenspezialist: „Es geht darum, die Uremotionen, die Werte, den strahlenden Korpus zu ergründen, der ein Unternehmen ausmacht, um es für einen Auftritt in der Welt, die mit Information überflutet ist, zu stärken.“
Noch befindet sich das Baby im „Stealth-Modus“, also im Zustand der Unsichtbarkeit, aber der Startknopf ist gedrückt. Maderthaners Chefzimmer in der Wiener Innenstadt hat zwei Türen; eine führt in den Flügel des „alten“ Kampagnenbüros, die andere in den neuen Gladiatoren-Trakt. Das Team steht, und man darf annehmen, dass der zündende Funke von Maderthaner sehr bald auf viele lernbegierige wie auch zahlungskräftige Kunden überspringt.

Alleskönner

Sein „Kampagnenbüro“ wächst heuer um 50 Prozent. Der Umsatz wird nicht verraten, nur so viel: In allen Agenturrankings liegt man in den Top Five. Wobei er sich gar nicht mit anderen Agenturen vergleichen mag: „Wir sind digital getrieben, haben aber auch eine tolle Kreativ-Unit, wir beherrschen sämtliche Klaviaturen der Kampagne, Dialogmarketing, Werbung, Public Relations bis hin zur Unternehmensberatung“, macht der Chef von mittlerweile 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Werbung in eigener Sache. Unlängst hat er die ganze Etage unter seinem Büro dazugemietet, ein Stiegenhaus durchgebrochen, und seit Kurzem hat das Campaigning Bureau – die Zeiten ändern sich – sogar eine „Nachhaltigkeitsbeauftragte“.

Wie kommt es, dass man als Sohn einer Apothekenangestellten und eines Sozialarbeiters aus Waidhofen an der Ybbs mitten ins Zentrum der Macht gelangt und zu einem der engsten Berater des Bundeskanzlers avanciert? Vielleicht dadurch: Der junge Mann musste erst kellnern und kochen lernen, eher er in der Kremser Tourismusschule maturierte. „Ich habe einen soliden Brotberuf erlernt“, witzelt er.

"Das ist mein Kanzler". Plakate wie dieses sind Teil des Erfolgs von Sebastian Kurz und Philipp Maderthaner.

"Das ist mein Kanzler". Plakate wie dieses sind Teil des Erfolgs von Sebastian Kurz und Philipp Maderthaner.

Sein Talent wurde als Schul- und ­Landesschulsprecher sichtbar, ehe er von der damaligen Nationalratsabgeordneten und jetzigen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner entdeckt und gefördert wurde. Mit 22 Jahren war er in der niederösterreichischen VP Erwin Prölls Parteisprecher. Schon 2011 entwickelte er mit dem damals 24-jährigen Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz die Kampagne „Zusammen: Österreich“.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt sind die beiden unzertrennlich, schlagen diverse Wahlkämpfe, beraten gemeinsam mit den anderen „Jüngern“, dem engsten Zirkel der Macht, Taktik und Strategie. Selbstredend wurde auch die Kampagne 2017 von ihm orchestriert. 2018 wurde Maderthaner von Ernst & Young zur Belohnung zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt.

Sein Ruhm strahlt längst über die Landesgrenzen. Er lancierte erfolgreiche Kampagnen in der Schweiz, hat ein Büro in Berlin. Dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) verhalf er zuletzt zu einem kaum noch erhofften Wahlsieg. Was zusammen mit dem jüngsten Kurz-Erfolg mit einem dreiseitigen Interview in der aktuellen Ausgabe des „Spiegels“ belohnt wird.

Womit aber belohnt sich der Agenturboss selbst? Er sei, so gesteht er, ein „leidenschaftlicher Esser“, ja fast „genusssüchtig“. Tolle Hotels, tolle Restaurants begeistern ihn „unendlich“. Essen stelle für ihn so gesehen eine „Kunstform“ dar.

Bewegungsexperte

Wenn man seine Arbeit kritisch sehen will, könnte man freilich sagen: Er ist der, vor dem uns die Datenschützer immer gewarnt haben. Er bediente in der jüngsten Kurz-Kampagne 300.000 Mailadressen, konnte 800.000 Facebook-Fans begeistern, spielt auf der digitalen Klaviatur wie kaum ein Zweiter. Sein Know-how setzt er abseits der Politik auch für große Konzerne ein. 350 Kampagnen hat er bislang gelauncht, arbeitet, wie das so schön heißt, im Advocacy-, Public-Awareness-, Community-Building- und Customer-Engagement-Bereich, gilt als führender Exponent des „Movement Campaignings“, dessen Ziele in Wirtschaft wie Politik gleich lauten: keine Selbstbeweihräucherung, keine Beschallung, keine Welterklärung, sondern: die Menschen ins Boot holen, ihnen aus der Seele sprechen, „Teilhabe ermöglichen“.



Wir haben Dinge anders gedacht als andere - und daran hat Philipp Maderthaner maßgeblichen Anteil.

Sebastian Kurz


Das von ihm entwickelte Programm „CamBuildr“, so steht es im Internet zu lesen, organisiert Kontakte und automatisiert Kommunikation, hilft dabei, „mit jeder Interaktion wertvolle Daten zu sammeln“, diese zu nutzen, sie „auf Basis des Verhaltens“ zu gruppieren, und „automatisiert genau die richtige Nachricht genau im richtigen Moment zu senden“. Was auch in der Nationalratswahl-Kampagne sichtbar blendend funktioniert haben dürfte.

Lob von höchster Stelle

Wahlsieger Sebastian Kurz kann also gar nicht anders, als die Arbeit seines Kampagnenchefs ausgiebig zu loben. „Gemeinsam mit ihm entwickeln wir unser Modell ständig weiter. Dabei geht es vor allem darum, die Menschen online wie offline bestmöglich zu erreichen und sie als wesentlichen Teil in unsere politische Arbeit zu integrieren“ schwärmt Kurz von der fruchtbringenden Kooperation und von neu anzusteuernden Ufern.

Während der Gepriesene wiederholt beteuert, dass sein „Bedarf an politischen Kampagnen vorerst gedeckt“ sei, sieht das Kurz offenbar anders, will weiter Seite an Seite kämpfen und siegen. Und streut seinem Kompagnon Rosen: „Der Erfolg unserer Wahlkampagne hat sicherlich auch viel mit der Aufbauarbeit der letzten Jahre zu tun. Dass wir Dinge anders gedacht haben als andere, daran hat Philipp Maderthaner einen maßgeblichen Anteil.“


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 41/2019 vom 11. Oktober 2019 entnommen.


Politik

Casinos-Causa zieht Kreise: Chat-Protokollle bringen Blümel ins Spiel

Politik

Gutachten: "Casinos Finanzchef Sidlo sofort abberufen"

OECD empfiehlt Österreich Reformen bei Klima und Pensionen

Politik

OECD empfiehlt Österreich Reformen bei Klima und Pensionen

Hartwig Löger

Politik

Rückzug: Hartwig Löger wird nicht mehr Finanzminister