ÖVP meldet Hacker-Angriff auf die Parteizentrale

ÖVP meldet Hacker-Angriff auf die Parteizentrale

Die ÖVP-Zentrale soll Opfer eines großen Hacker-Angriffs geworden sein. Zwei Unternehmen für Datensicherheit haben demnach Attacken auf die Computer der Partei festgestellt. Vermutet werden Auftraggeber aus dem politischem Umfeld, auch ausländische Geheimdienste werden nicht ausgeschlossen.

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Drei Wochen vor den Nationalrastwahlen sieht sich die ÖVP als Opfer eines groß angelegten Hacker-Angriffs. Über mehrerer Wochen hinweg seien die Computer der ÖVP ausspioniert und Daten gestohlen worden.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz, Generalsekretär Karl Nehammer und Avi Kravitz, CTO & Co-Founder der CyberTrap Software GmbH, informierten in einem Hintergrundgespräch über das erste Ergebnis der Partei-internen Untersuchungen. Demnach sollen über mehrere Wochen die Computer und Server der ÖVP-Parteizentrale ausspioniert worden sein. Dabei soll es auch zu einem Datendiebstahl gekommen sein.

ÖVP-Chef Kurz und Cyber-Security-Experte Kravitz erklären den vermuteten Hackerangriff.

"Es gab einen sehr gezielten Hackerangriff auf die Server der Volkspartei mit dem Ziel, Daten zu entwenden, zu platzieren, zu manipulieren und zu verfälschen", schließt Parteichef Kurz. "Das ist nicht nur ein Angriff auf die Volkspartei, sondern auch ein Angriff auf das demokratische System." Der Verfassungsschutz wurde informiert.

Der Cyberangriff durch hochversierte Profis erfolgt und habe von Ende Juli bis Anfang September gedauert, erklärte Kravitz. Die Hacker seien in der Lage gewesen, Daten abzuziehen, zu löschen, zu manipulieren oder auch hinzuzufügen.

Geheime Wahlkampfkasse

Die Wochenzeitung "Falter" berichtet in seiner neuen Ausgabe über "Die geheime Wahlkampfkasse von Sebastian Kurz". Es wird über eine geheime Buchhaltung berichtet, mit der 2019 über der Wahlkampfkostenobergrenze liegende Wahlwerbeausgaben verschleiert worden sein sollen.

FALTER-Redakteur Josef Redl über die Enthüllungen

Die Informationen wurden laut "Falter" von internen Mitarbeitern durchgesteckt. Die ÖVP wies diese Darstellung als falsch zurück und erklärte, dass das "Falter"-Dossier teils echte und teils verfälschte Unterlagen enthalte. Wegen des Datenlecks kursierten zuletzt auch Spekulationen über einen Maulwurf in der ÖVP-Parteizentrale. Die ÖVP bestreitet die Vorwürfe und droht mit Klagen.

Der Selfcheck der ÖVP

Nach der Veröffentlichung der internen Dokumente zu den Parteispenden und Finanzen haben Experten der Cyber-Security-Firmen SEC Consult und CyberTrap in den vergangenen Tagen die IT der Volkspartei überprüft und dabei den Cyber-Angriff ausgemacht.

Große Datenmengen seien demnach im August auf einen ausländischen Server gezogen worden. Das Ziel sei längere Zeit ausgespäht worden. Der oder die Hacker hätten sich Zugriff auf die Infrastruktur der ÖVP verschafft und über eine Art "goldenen Schlüssel" verfügt. Für Kravitz riecht die Sache nach Auftragsarbeit.

Die Mutmaßungen der ÖVP

Nach den ersten Einschätzungen der ÖVP stecke kein ökonomisches Motiv hinter der Attacke. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Auftraggeber aus dem politischen Umfeld kommen oder ausländische Geheimdienste dahinterstehen und der Versuch der Wahlbeeinflussung vorliege. Der Aufwand für einen Hackerangriff dieser Dimension liege im sechsstelligen Bereich.

Der Angriff ist laut Kurz vergleichbar mit jenen auf die Kampagne des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron oder auf den vergangenen US-Wahlkampf. In Österreich habe es bisher im politischen Kontext noch nie eine solche Attacke gegeben, erklärte Kurz. Der ÖVP-Spitzenkandidat stößt sich vor allem an der laut den internen ÖVP-Analysen erfolgten Vermischung von wahren und falschen Materialien.

Kurz wies vorsorglich auch gleich zurück, dass es sich um eine gezielte Inszenierung oder Wahlkampfstrategie der ÖVP handle.

In den vergangen Wochen wurden gleich zwei mal interne Unterlagen aus der Parteizentrale in Medien veröffentlicht. Zunächst landete eine Liste von Parteispendern via anonymem Absender im digitalen Briefkasten des "Standard". Der Veröffentlichung durch die Tageszeitung war die ÖVP zuvorgekommen, indem man die Spenderdaten selbst via Aussendung veröffentlichte.

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