Österreichs Regierung verschärft Maßnahmen gegen Corona-Pandemie

Österreich wird über Ostern hinaus mit verschärften Maßnahmen den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus bekämpfen. Bundeskanzler Kurz spricht von einem Marathon, der zu bewältigen ist. Ein Normalbetrieb ist derzeit nicht in Sicht.

Österreichs Regierung verschärft Maßnahmen gegen Corona-Pandemie

Die Coronavirus-Pandemie hat in Österreich noch nicht den Höhepunkt erreicht. Und um die Pandemie weiter zu bekämpfen und die Ausbreitung des Virus einzubremsen hat Österreichs Bundesregierung drei zusätzliche Maßnahmen beschlossen. Österreich Bundesregierung warnt außerdem, dass es zu Engpässen in der Intensivmedizin kommen kann.

Bundeskanzler Sebastian Kurz betonte, dass man auch zwei Wochen nach der Verfügung der Maßnahmen noch immer ein "Großteil des Marathons vor uns liegt". Das Problem sei, dass es "noch immer viele Verharmloser gibt, auch auf Seiten der Experten, die noch immer glauben: Es wird schon nicht so schlimm werden." Jedoch Kurz warnt: Die Anstieg bei der Zahl der Neuinfizierten sei noch immer zu hoch. "Die Wahrheit ist, es ist die Ruhe vor dem Sturm", betont Kanzler Kurz Denn der Höhepunkt der Zahl der Infizierten sowie der Intensivpatienten werde erst Mitte April erwartet. Der Bundeskanzler fordert daher einmal mehr eindringlich auf, die Sozialkontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

"Wir merken, dass Maßnahmen zu wirken beginnen. Wir sind aber noch weit von unseren Zielen entfernt", bestätigt auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Verdoppelungsrate bei den Neuinfektionen habe sich zwar binnen der letzten drei Wochen von 2,5 Tagen auf aktuell 5,9 Tage erhöht, doch auch diese Maßzahl ist weiterhin zu hoch. Zum Zeitpunkt der Erklärung waren in Österreich 9131 Menschen am Coronavirus erkrankt, es gab 108 Todesfälle und 999 weitere Menschen waren in Spitalsbehandlung.

Neue Maßnahmen im Kampf gegen das Virus

Um sich gegen die Verbreitung des Coronavirus noch entschiedener zu wappnen, hat Österreichs Bundesregierung daher drei weitere Maßnahmen gesetzt:

  • Erstens: Weitere Verbesserungen zum Schutz der besonders Schutzbedürftigen und Risikogruppen - das sind ältere Menschen sowie jene Menschen mit schweren Vorerkrankungen und massiven Schädigungen des Immunsystems. Diese Personengruppen werden ab sofort verpflichtend vom Job freigestellt. In den Fällen, wo die Arbeit von zu Hause verrichtet werden kann, wird Home Office zur Pflicht.
  • Zweitens soll mit einem Erlass in Supermärkten, Banken und Apotheken die Abstandsregelungen konsequent festgeschrieben werden - etwa mit Bodenmarkierungen oder auch mit begrenzter Anzahl von Kunden in Stoßzeiten.
  • Drittens wird der Einsatz von Mund-Nasenschutz beim Einkauf zur Pflicht. Jeder wird ab Mittwoch beim Betreten eines Supermarkts einen Mund-Nasenschutz ausgehändigt bekommen, der beim Einkauf zu tragen ist. Die Ausgabe erfolgt am Eingang von Supermärkten. Wer das Tragen des Mundschutzes verweigert, darf das Geschäft nicht betreten.

"Das Tragen eines Mundschutzes ist in unserer Kultur ungewohnt, aber notwendig", werben Kurz und Anschober um Verständnis für die Maßnahme. Ein leichter Mundschutz könne zwar keinen Schutz vor einer Infektion bieten, aber er könne dazu beitragen, dass Viren nicht übertragen werden.

In weiterer Folge will die Regierung noch mehr Informationen über die Verbreitung des Virus in der gewinnen. Bei 2000 Personen sollen repräsentative Stichprobentests vorgenommen werden, Ende der Woche soll das Ergebnis vorliegen. Zu den Stichprobenkontrollen sollen bei bestimmten Gruppen die Tests intensiviert werden, vor allem bei medizinischem Personal, Polizisten oder Supermarkt-Angestellten. In wenigen Tagen soll hier ein Ergebnis vorliegen.

Der drohende Engpass

Vizekanzler Werner Kogler betonte unmissverständlich, dass die Maßnahmen auch nach Ostern "nicht lockerer werden und warnte davor, dass die Infektionsrate und damit die Gefahr einer Ansteckung weiterhin zu hoch sei. AUch Kogler sieht den Peak der meisten Infektionen in Österreich erst Mitte April. "Es hat niemand etwas davon, wenn wir nun sagen, nach Ostern geht es lustig weiter. Das ist nicht so. Sonst haben wir viel mehr Tote", so Kogler. Er warnte außerdem, dass die Kapazitätsgrenze in der Intensivmedizin Mitte April erreicht sein könnte. "Ja, es kann zu Engpässen kommen. Deshalb legen wir aber jetzt nochmals bei den Maßnahmen nach, um die Verbreitungsgeschwindigkeit massiv zu verringern.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist daher anzunehmen, dass die von der Bundesregierung gesetzten Maßnahmen noch den ganzen April aufrecht bleiben und dass es erst im Mai zu einer langsamen, schrittweisen Normalisierung kommen kommt, die sich in der Folge über den ganzen Sommer hinziehen kann - immer mit der Möglichkeit eines Rückfalls und einer erneuten Verschärfung der Maßnahmen im Auge.

"Wir haben ein paar Kilometer des Marathons geschafft, aber müssen noch schnell einige Kilometer machen", sagte Gesundheitsminister Anschober. Der Zwischensprint ist notwendig, um die Zahl der Neuinfektionen so niedrig wie möglich zu halten. Sollte das nicht gelingen, könnte das Gesundheitssystem vor allem in der Intensivmedizin an die Kapazitätsgrenzen stoßen.

Der weitere Fahrplan

Sollten die Einschränkungen im öffentlichen Leben bis nach Ostern so greifen, dass eine deutliche Abflachung der Kurve mit den Neuinfektionen und Erkrankungen ersichtlich ist, wäre der Weg frei, dass im Mai erste Handelsunternehmen und andere Betriebe wieder ihre Geschäfte öffnen können. Die Kunden werden allerdings weiterhin mit Einschränkungen rechnen müssen etwa dem Tragen von Mundschutzen und reglementierte Zutritte, damit Sicherheitsabstände eingehalten werden können.

Im Berufsleben wird voraussichtlich erst wieder Mitte Mai ein einigermaßen regulärer Büroalltag möglich sein. Bis dahin gilt die Devise: Home-Office.

Im öffentlichen Leben wird es wohl über den ganzen Sommer hinweg zu starken Einschränkungen bei Veranstaltungen kommen. Kultur- und Musikfestivals, Open-Air-Kinos und ähnliche Veranstaltungen dürfte es im Jahr 2020 kaum geben. Wann die Gastronomie wieder in Vollbetrieb gehen kann bleibt abzuwarten. Als sicher gilt bereits, dass es auch hier nur zu einer schrittweisen Lockerung der Maßnahmen kommen wird.

Der Reiseverkehr wird zumindest bis Ende Juli erheblich eingeschränkt bleiben, nicht nur wegen der Situation in Österreich, sondern auch wegen der Lage in den klassischen Urlaubsländern. Man will eine neue Infektionswelle um jeden Preis verhindern. In Österreich bleiben die Hotels geschlossen.

Die Schulen und Universitäten werden voraussichtlich im laufenden Unterrichtsjahr nicht mehr geöffnet. Ein regulärer Lehrbetrieb ist erst im September absehbar. Lediglich die rund 40.000 Maturanten des Jahrgangs 2019/2020 sollen Mitte Mai in die Schulen kommen dürfen, um dort ihre Vorbereitungsstunden und schließlich auch ihre Prüfungen abzulegen.

Forderung: "Zentrale Leitstelle"

Die SPÖ-Chefin und Ex-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner rief erneut und vehement nach einer zentralen Einsatzplanung in der Coronakrise. Es brauche ein Kontrollzentrum, um die Daten zu bündeln und die knappen medizinischen Ressourcen österreichweit genau dort einsetzen zu können, wo sie am dringendsten gebraucht würden, sagte sie in einer Pressekonferenz.

"Wir müssen die Kontrolle zurückgewinnen", mahnte Rendi-Wagner. Wichtig sei ein Echtzeitüberblick über das Verbreitungsmuster des Virus in Österreich. Nur dies ermögliche, vorausschauend handeln zu können. Die Zeit sei knapp: Verbreite sich die Krankheit weiter mit der derzeitigen Geschwindigkeit, werde man das Beatmungslimit der ungefähr 1.000 für Coronapatienten verfügbaren Geräte bereits in zehn Tagen erreichen.

Auch Masken oder Schutzanzüge gebe es zu wenige. Rendi-Wagner forderte daher nicht nur eine zentrale, effiziente Beschaffung und die Nutzung der inländischen Produktion, sondern auch einen zentralen, dynamischen Einsatzplan für diese Ressourcen und auch für das Personal. All dies sei ausschlaggebend dafür, "wie gut wir gemeinsam die Krise überstehen, wie viele Tote es am Ende gibt". Sie wolle nicht, dass die Ärzte am Ende etwa wie in Italien entscheiden müssten, ob ein Patient beatmet werden könne oder nicht.

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