"Unternehmer sind die Verlierer der Steuerreform"

"Unternehmer sind die Verlierer der Steuerreform"

Tirol stemmt sich gegen die Wiener Pläne: In Innsbruck demonstrierten Unternehmer gegen die Steuerreform.

Grunderwerbssteuer, höhere Mehrwertsteuer in der Gastronomie und Registrierkassenpflicht: Viele Unternehmer sehen sich als Opfer der Steuerreform. Betroffen ist vor allem der Mittelstand, ätzt ein Experte - denn Großkonzerne könnten ja einfach ins Ausland abwandern.

Durchschnittliche Arbeiter und Angestellte freuen sich auf Grund der gesenkten Lohnsteuern ab 2016 über mehr Geld im Börserl. Doch nicht alle Bürger jubeln über die Steuerreform - äußerst kritisch gibt sich etwa David Gloser, Geschäftsführer der Ecovis-Steuerberatungskanzlei in Wien: "Unternehmer sind die absoluten Verlierer dieser Steuerreform", sagt er. Typische Mittelständler sind in ihrer GmbH angestellt und schütten sich am Jahresende den Gewinn aus. Sie werden durch die künftig höhere Steuer auf Gewinnausschüttungen mehr verlieren, als sie durch die Tarifreform gewinnen. "Man trifft hier nicht Aktienspekulanten, sondern typische gewerbliche Mittelständler", etwa Baumeister, Installateure, kritisiert Gloser. Auch gebe es überhaupt keine Senkung der Lohnnebenkosten, die zu einer Entlastung der Firmen geführt hätte, sagt er: "Eine Lohnnebenkostensenkung in einigen Jahren zu versprechen ist zu wenig".

Insgesamt habe man in Wahrheit nur ein paar Steuersätze geändert. "Dafür hätte ich keine Steuerreformkommission gebraucht - das hätten zwei Steuerberater in einer Viertelstunde geschafft", ätzt Gloser, der eingesteht, dass er als Unternehmer "ziemlich sauer" ist. Allerdings könne gerade der Mittelstand kaum ins Ausland ausweichen: "Die werden weiter kämpfen müssen und Steuern zahlen", während Großbetriebe wie die Voest nun halt laut darüber nachdenken würden, ob sie ihre nächste Großinvestition überhaupt noch in Österreich tätigen.

Hoteliers demonstrieren gegen Reform

Eine bittere Pille müssen auch die heimischen Gastronomen und Hoteliers schlucken. Rund 2000 Branchenmitglieder aus Tirol, Vorarlberg und Salzburg haben am vergangenen Donnerstag gegen die geplante Steuerreform protestiert; sie stören sich vor allem an der angedachten Erhöhung der Mehrwertsteuer für Nächtigungen von zehn auf 13 Prozent. Diese würde einen klaren Nachteil gegenüber der Konkurrenz in den Nachbarländern bedeuten, heißt es.

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner hat den demonstrierenden Unternehmern am Samstag eine Absage erteilt: "Die Politik kann nicht alle Wünsche erfüllen", sagt der ÖVP-Chef, "aber ich bin zuversichtlich, dass wir trotzdem zusammenkommen werden."

Diskutiert wird auch über die Sinnhaftigkeit der Registrierkassenpflicht - die aktuelle Coverstory von Format widmet sich diesem Thema im Detail.

Immobilien werden schon vorher übertragen

Die Steuerreform dürfte heuer außerdem zu einem kleinen Boom bei der Übertragung von Grundstücken und Immobilien führen, glaubt Gloser - auch die Änderung bei der Grunderwerbssteuer hat die Touristiker erzürnt, weil dies de facto eine Verteuerung der Betriebsübergaben bedeutet.

Dadurch, dass die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung einer Schenkung vom dreifachen Einheitswert auf den Verkehrswert umgestellt wurde, wird die Abgabe bei teureren Immobilien um das zehn- bis fünfzehnfache teurer, rechnet Gloser vor. Dementsprechend groß sei das Interesse seiner Kunden. Letztlich sei dies "eine versteckte Schenkungssteuer". Das Bankgeheimnis werde hingegen von seinen Kunden kaum angesprochen. "Wenn einer Steuern hinterzieht, wird es bar sein und nicht über Konten laufen", vermerkt Gloser trocken.

Gegenüber den Touristikern hat Mitterlehner am Samstag bekräftigt, dass es zwar bei der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer-Sätze für Nächtigungen bleibe, es aber in anderen Punkten Abfederung im Tourismusbereich geben werde - etwa eben bei der Grunderwerbssteuer, oder bei Abschreibungen. Dies werde derzeit vom Finanzministerium ausgearbeitet.

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