Stronach krempelt nach Nationalratswahl Partei um

Stronach krempelt nach Nationalratswahl Partei um

Frank Stronach, der in dieser Gegend residiert, und sein engstes Team bauten nach dem schlechten Ergebnis von 5,7 Prozent bei der Nationalratswahl die Partei inklusive Vorstand um. Seine Vertraute Kathrin Nachbaur löst Robert Lugar als Klubchefin ab.

Lugar sollte dann eigentlich mit dem Posten des Generalsekretärs vertröstet werden, wird nun aber doch nur einfacher Abgeordneter. Auch in den Ländern geht es rund, so wurden der Kärntner Obmann Gerhard Köfer und sein Salzburger Kollege Hans Mayr abgelöst.

Die Partei ist in ihrer einjährigen Geschichte immer wieder mit Personalchaos aufgefallen. Erst am Dienstag hatte Stronach in Niederösterreich umgekrempelt und Renate Heiser-Fischer - eine Angestellte der Stronach-Group - zur Landesparteiobfrau bestellt. Dem Vernehmen nach ist es statutenmäßig gedeckt, dass Stronach die Landesparteiobleute einfach austauschen kann.

Am Mittwoch musste dann Köfer seinen Hut als Kärntner Obmann nehmen. Neuer Landeschef ist der Landtagsabgeordnete Siegfried Schalli, Köfer solle sich "ab sofort ausschließlich auf seine Aufgaben als Landesrat konzentrieren", hieß es abends in einer Aussendung aus Oberwaltersdorf, wo Stronach sein Büro hat. Der stellvertretende Landesparteiobmann und Klubchef Hartmut Prasch versicherte, dass das gesamte Landesteam hinter Köfer stehe. Ob Köfer in der Partei bleibt oder austritt, war laut seinem Sprecher Mittwochabend noch nicht klar. Den Posten des Landesrates kann ihm Stronach jedenfalls ohnehin nicht wegnehmen.

Abgesägt

Abgesägt wurde außerdem - per quasi gleichlautender Aussendung - der Salzburger Obmann Mayr, der aber auch Landesrat bleibt. Der ehemalige ÖVP-Politiker hatte erst am Dienstag Frank Stronach aufgrund überraschender Personalrochaden das Fehlen einer Basisdemokratie innerhalb der Partei vorgeworfen. Mayr kommentierte seine Ablöse im APA-Gespräch lakonisch: "Heute ist der Tag, an dem Landesräte abgesetzt werden." Er habe am Abend ein konstruktives Gespräch mit Stronach führen können. Damit Ruhe einkehre - Stronach habe offenbar seine Kritik nicht gefallen - sei man übereingekommen, dass er die Funktion als Landesparteiobmann niederlege und an seine Stelle Landtagsabgeordneter Helmut Naderer treten werde.

Den Austausch der Landesparteichefs begründete Nachbaur gegenüber der APA mit "Arbeitsteilung" und zeitlichen Motiven: Das Wahlergebnis sei "nicht so zufriedenstellend" gewesen und es gelte nun, Strukturen in den Ländern aufzubauen.

Dem Vernehmen nach zieht derzeit neben Stronach und Nachbaur vor allem Partei-Anwalt Michael Krüger im Hintergrund die Fäden. Hinter vorgehaltener Hand reagierten einige Proponenten der Partei mit Unverständnis auf die Rochade in den Ländern. Gerhard Köfer war einer der ersten Mitstreiter in Stronachs politischem Projekt und hat bei der Landtagswahl im März 11,18 Prozent erreicht, dank Proporz-System wurde er auch Landesrat. Und der Salzburger Hans Mayr holte bei der Landtagswahl im Mai nicht nur 8,34 Prozent, sondern machte das Team Stronach auch zum Teil einer frei gebildeten Dreierkoalition - womit die Partei offiziell für regierungstauglich erklärt wurde.

Umbau auf Bundesebene

Umgebaut wurde auch auf Bundesebene: Wie schon länger erwartet, löst Nachbaur Lugar als Klubobmann ab - "im Einvernehmen", wie betont wurde. Dass die Parteispitze damit dem Klub die Schuld am schlechten Wahlergebnis gibt, wies Nachbaur zurück. Sie habe gemeinsam mit Stronach die Partei gegründet, insofern sei es "der logische nächste Schritt" gewesen, dass sie die Klubführung übernehme.

Am Vormittag hieß es noch, Lugar werde dafür Generalsekretär. Ein paar Stunden später war wieder alles anders - Lugar wird im neuen Nationalrat einfacher Abgeordneter. Er wurde als stellvertretender Parteichef abgelöst und aus dem Vorstand geworfen, und auch die steirische Landesobfrau Waltraud Dietrich ist aus dem Gremium geflogen. Dietrich werde im künftigen Team eine "wichtige Rolle" spielen und Klubobfrau-Stellvertreterin im Parlament werden, kündigte Nachbaur an.

Der Vorstand besteht nun aus Stronach selbst, Nachbaur und Denise Pucher, einer Mitarbeiterin des Milliardärs, als Finanzreferentin, wie Nachbaur im APA-Gespräch mitteilte. Die 34-Jährige ist außerdem stellvertretende Parteiobfrau. Wer Generalsekretär wird, soll in den nächsten Tagen entschieden werden.

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