Othmar Karas – Der einsame Wahlkämpfer

Othmar Karas, 2009 höchst erfolgreich beim Kampf um EU-Wählerstimmen, bemüht sich um ein achtbares Ergebnis Ende Mai. Die ÖVP macht es ihm alles andere als leicht.

Othmar Karas – Der einsame Wahlkämpfer

Othmar Karas hat in diesen Wochen gut zu tun. Mal leitet der schwarze Spitzenkandidat für die kommende EU-Wahl als einer von über einem Dutzend Vizepräsidenten Plenumssitzungen des Brüsseler und Strassburger Parlaments. Mal berichtet er seinen europäischen Abgeordneten-Kollegen als Chef-Kontrollor der EU-Troika über den Fortgang der Arbeit. Oder aber er erklärt zu Hause zum Beispiel oberösterreichischen HTL-Schülern die europäische Welt. So oder so - jeweils ein Knochenjob. Dazu kommt ab sofort der Wahlkampf für den Urnengang zum Europaparlament, der in Österreich am 25. Mai stattfindet.

Den bestreitet Karas praktisch allein. Auf seinen Wahlplakaten, die dieser Tage österreichweit affichiert werden, betont er per Slogan zwar die grenzenlose Liebe zu Europa - nicht aber zu seiner Partei, der ÖVP. Die kommt auf den großflächig affichierten Sujets nämlich gar nicht vor.

Mit gutem Grund. Zur ÖVP zu gehören, ist derzeit fast so etwas wie der Garant für eine Wahlniederlage. Bei den jüngsten Urnengängen rasselten die Schwarzen meist ziemlich dramatisch nach unten. Und wenn Parteichef Michael Spindelegger dieser Tage verkündete, demnächst mit einem Grundsatzpapier namens "Evolution Volkspartei“ diese "besser machen“ zu wollen, wobei jedoch schwarze Werte "zeitlos und nicht verhandelbar“ seien, klingt das für einen VP-Erfolg bei der EU-Wahl eher wie eine gefährliche Drohung.

Kein Wunder, dass sogar Ex-Parteichef Erhard Busek die staunende Öffentlichkeit soeben in einem Interview mit der deutschen "Zeit“ wissen ließ, er habe bei der letzten Nationalratswahl Neos gewählt. "Nur nicht am momentanen Loser-Image der ÖVP anstreifen“, lautet das Motto des Karas-Wahlkampfes.

Ein Zehn-Mann-Team unter der operativen Führung des Unternehmensberaters Andreas Würfel und der Orchestrierung Wolfgang Schüssels ehemaliger Kanzler-Sprecherin Heidi Glück managt die Wahlwerbung. Und zwar nur die von Karas, wohlgemerkt - nicht der ÖVP-Kandidatenmannschaft. Anders als die SPÖ, die zwar mit Eugen Freund ebenfalls über einen zugkräftigen Spitzenkandidaten verfügt, jedoch das gesamte Abgeordneten-Team promotet, konzentriert sich die Karas-Truppe auf ihr Ein-Mann-Argument.

Der Europäer

Auch das mit gutem Grund: Während die anonyme schwarze EU-Kandidatenriege kaum jemand kennt, gilt Othmar Karas selbst unter politischen Mitbewerbern als glühender Europäer im besten Sinn. In Brüssel findet man so gut wie niemand, der an seiner Arbeit viel auszusetzen hätte. Der Mann ist parteiübergreifend angesehen. "Es ist allerdings schwierig, dieses gute Image nach Österreich zu transportieren“, sagt Beraterin Glück. Zu entfernt liegen europäische Themen den Herzen heimischer Wähler. Selbst Karas hat in Sachen Bekanntheit hierzulande Probleme, obwohl er seit Jahrzehnten in der Politik ist und bis zum ÖVP-Generalsekretariat schon viele nationale Funktionen hatte.

Deshalb setzt nun auch die erste Welle der Karas-Plakate ausschließlich darauf, sein Konterfei und den Namen bekannt zu machen. Eine zweite Welle ab Ostern wird dann Inhalte transportieren und kurz vor dem Wahltermin will man zur konkreten Stimmabgabe auffordern.

Irgendwann wird zwar auch das ÖVP-Logo irgendwo auftauchen, aber keinesfalls prominent. Karas ist ein einsamer Wahlkämpfer und wird das bis 25. Mai auch bleiben. Die Finanzierung der Kampagne erfolgt aber sehr wohl hauptsächlich aus scharzen Parteitöpfen. Und das, obwohl die ÖVP dem Vernehmen nach schwerst verschuldet ist und Millionen-Ausstände zu verdauen hat.

Ziel gibt es für das Wahlkampfteam von Karas nur eines: Erster bleiben. Von den 30 Prozent der Wahl 2009 kann man nur träumen, laut jüngster Umfrage liegt die ÖVP-Liste mit Karas an der Spitze bei bestenfalls 24 Prozent. Und die SPÖ setzt zum Überholen an. Auch die über 100.000 Vorzugsstimmen, die Karas bei der letzten Wahl einsammeln konnte, sind diesmal unerreichbar. Damals wirkte seine Zurückstufung durch Parteichef Josef Pröll hinter Ernst Strasser als Beliebtheits-Turbo. So ein Reibebaum als Argument für eine Karas-Vorzugsstimme fehlt diesmal.

Außerdem ist gerade seine Europa-Reputation ein Problem. Weil Karas in Brüssel gefragt ist, hat er dort zahllose Termine, die ihn am Wahlkämpfen in Österreich hindern. Während etwa die sozialdemokratischen Kandidaten bereits jede freie Minute bei heimischen Wählern verbringen, hängt Karas in Brüsseler Verpflichtungen fest. Und seine Mitstreiter auf der ÖVP-Liste sind derzeit überhaupt so gut wie nicht präsent.

Allerdings: Gewinnt Karas den einsamen Wahlkampf, wird es dann auch sein ganz persönlicher Sieg sein, den die ÖVP ihm kaum wegnehmen kann.

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