Neos – Wir bauen eine Partei

Am Anfang war alles einfach: Immer mittwochs pünktlich um 21.00 Uhr trafen sich die Macher der jungen Gruppierung per Telefonkonferenz, um anstehende Fragen zu klären. Neos-Gründer Matthias Strolz saß häufig in Vorarlberg, Veit Dengler meist in Zürich, Josef Lentsch in London, Angelika Mlinar in Klagenfurt, Beate Meinl-Reisinger in Wien. Inzwischen sitzen sie im Parlament, zumindest die meisten von ihnen. Damit beginnen die Herausforderungen an die neue Partei erst.

Neos – Wir bauen eine Partei

Wahlerfolge und Umfragehochs sind eine Sache - das breite Aufstellen der Partei mit diversen Protagonisten samt zugeteilter Rollen eine andere. Bisher erledigt Parteichef Strolz den Außenauftritt im Alleingang, hastet omnipräsent von Medientermin zu Medientermin.

Übernimmt seinen Job jemand, geht das bald einmal schief - wie jüngst, als Vize-Parteichefin Angelika Mlinar im ZiB2-Interview mit einem besonders ungemütlich nachfragenden Armin Wolf Schiffbruch erlitt. Frage also: Herrscht hinter Strolz in der pinken Truppe personelle Leere?

Tatsächlich sind die Neos gerade dabei, sich zu sortieren. Im Hintergrund werden seit Wochen gezielt Positionen besetzt und die Akteure der Reihe hinter dem Chef daran herangeführt, diesem Aufgaben und Auftritte abzunehmen. "Strolz ist ein erstklassig strukturierter Delegierer“, sagt Michael Schiebel, politischer Direktor der Neos, über seinen Parteichef. "Er kann Dinge gut abgeben und verfolgt dabei einen Plan.“

Rollenverteilung

Das wird auch notwendig sein. Politikberater Thomas Hofer prognostiziert etwa Angriffe, die von den anderen Parteien irgendwann kommen werden. Dann braucht es einen rauhbeinigen Defensivspieler, der dem Parteichef die Negativ-Rhetorik abnimmt. Diesen Part wird wohl der Salzburger Sepp Schellhorn geben, der nach der EU-Wahl Mlinars Parlamentssitz übernimmt, wenn sie nach Brüssel abgeht. Zwar gilt die klassische Rollenverteilung, wie andere Parteien sie notwendig haben, für die Neos nicht unbedingt. "Einen jungen Aufmüpfigen, wie es früher einmal Cap für die SPÖ war, brauchen die zum Beispiel nicht“, sagt Hofer, "das erledigt die Partei in ihrer Gesamtheit“.

Was es braucht

Doch auch die Neos haben politische Archetypen nötig. Als Aufdecker in Sachen Hypo-Pleite soll etwa der Jurist Rainer Hable dem Grünen Werner Kogler Paroli bieten. Den Querdenker dürfte künftig der unorthodoxe Wiener Unternehmer Niko Alm spielen.

Interne Vordenker und Strategen sind Akademie-Chef Josef Lentsch, extra aus London zurückbeordert, und eben der frühere LIF-Geschäftsführer Schiebel. Als Frau für höhere Weihen jeder Art gilt Beate Meinl-Reisinger, der alle, die sie kennen, Wunderdinge in Sachen politisches Talent nachsagen. Als pinker Elder Statesman fungiert, vor allem in Richtung internationale Kontakte, bis auf weiteres Friedhelm Frischenschlager. Angelika Mlinar soll bald übernehmen, dann als EU-Abgeordnete eine Art Außenbeauftragte sein. Nächste Gelegenheit, Punkte in Sachen Europa-Kompetenz zu sammeln, ist für sie Dienstag: Mlinar lädt Journalisten zum "neos@home“-Abend zu sich nach Hause - Auftakt des pinken Europa-Wahlkampfes.

So baut Strolz seine Partei auf und aus. Für ein Problem hat er bislang allerdings keine Lösung - die Neos-Achillesferse: Die Frauenquote bei den Pinken ist ein Desaster. Haben sich erst Mlinar in Richtung EU-Parlament und Meinl-Reisinger in den Wiener Gemeinderat verabschiedet, fehlen überhaupt Frauen an der vordersten Front. Dazu sind die Neos in manchen Bundesländern nach wie vor ziemlich lose aufgestellt.

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