Bundespräsidenten-Wahl: Hundstorfer ist SPÖ-Kandidat

Bundespräsidenten-Wahl: Hundstorfer ist SPÖ-Kandidat
Bundespräsidenten-Wahl: Hundstorfer ist SPÖ-Kandidat

Die Liste der Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl komplettiert sich: Das SPÖ Parteipräsidium hat einstimmig Rudolf Hundstorfer nominiert. Der ist zuversichtlich - allerdings ist noch Anstrengung nötig, um im Westen des Landes Stimmen zu sammeln.

Die SPÖ wird mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer in die Bundespräsidenten-Wahl gehen. Das Parteipräsidium hat den entsprechenden Vorschlag von Parteichef Werner Faymann einstimmig angenommen. Ebenfalls im Präsidium einstimmig angenommen wurde die durch Hundstorfers Kandidatur notwendig werdende Regierungsumbildung. Das Sozialministerium übernimmt Infrastrukturminister Alois Stöger. Dessen bisheriges Ressort wird auf seinen unmittelbaren Nachfolger, Noch-Verteidigungsminister Gerald Klug und Staatssekretärin Sonja Steßl aufgeteilt, in deren Kompetenz die Digitalagenden fallen. Neuer Ressortchef für Sport und Verteidigung wird der bisherige burgenländische Polizeichef Hans Peter Doskozil.

Hundstorfer strotzt vor Selbstbewusstsein

An Selbstbewusstsein mangelt es Hundstorfer ja nicht: insofern wäre es überraschend gewesen, hätte er sich dem Ruf der SPÖ verwehrt, trotz mäßiger Umfragewerte in die Hofburg-Wahl zu ziehen. Nach dem Vorsitz im Wiener Handballverband, im Gemeinderat und im ÖGB soll es diesmal für den 64-jährigen Wiener gleich das höchste Amt im Staat werden.

Wenn man so will, ist Hundstorfer ein Krisengewinnler. War es das ÖGB/BAWAG-Desaster, das ihn dereinst unvermutet an die Spitze des Gewerkschaftsbunds spülte, folgte kurz darauf die Wirtschaftskrise, in der Österreichs damals noch günstige Lage am Arbeitsmarkt den nunmehrigen Sozialminister zum Vorzeige-Ressortchef der roten Regierungsriege machte und ihn in weiterer Folge zum aussichtsreichen Anwärter für so ziemlich jeden wichtigeren Job im Lande aufsteigen ließ.

Die große Karriere Hundstorfers kam freilich spät. Denn über Jahrzehnte fristete er ein unauffälliges, wenngleich sehr erfolgreiches Dasein im Wiener Rathaus. Dort wo er als Kanzleiarbeiter begann, stieg er die Karriereleiter hinauf bis an die Spitze der Belegschaftsvertretung, wo er dafür sorgte, dass gegen seinen Willen kaum eine Reform im Magistrat durchzuführen war. Die Rathaus-Mitarbeiter danken es ihm angesichts günstiger Regelungen etwa im Pensionsrecht bis heute.

Schon ein wenig vergessen ist, dass der vormalige ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, dem er später an der Spitze der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft folgte, einer seiner Mentoren war. Auch der zweite BAWAG-"Sünder" der Gewerkschaft, Präsident Fritz Verzentitsch, hielt auf Hundstorfer recht große Stücke und machte ihn zu seinem Nachfolger. Damals hätte er wohl noch nicht geahnt, dass ihn der wenig später gleich ganz aus dem ÖGB entlassen würde.

Leidender Blick und Macher-Image

Überhaupt hatte Hundstorfer als Krisenmanager im Präsidenten-Amt wohl die Rolle seines bisherigen Lebens gefunden. Der stetige Leidensblick des sonst eher fröhlichen Präsidenten, der Hiobsbotschaft um Hiobsbotschaft zu verkünden hatte, wurde zur Miene der BAWAG-Krise. Hundstorfer hielt dabei das schlingernde Boot, unterstützt vor allem von seinem späteren Nachfolger Erich Foglar, über Wasser und der ÖGB fuhr wieder in ruhigere Gewässer.

Spätestens jetzt hatte er den Ruf des Machers und da war das an sich eher glanzlose Präsidentenamt im ÖGB nicht mehr genug. Als Werner Faymann rief, sagte Hundstorfer kurz entschlossen ja und übernahm Sozial- und Arbeitsministerium. Diesen Posten hält er nun auch schon seit 2008 und seine Ressortführung zeichnet sich in erster Linie durch Pragmatismus aus. Hundstorfer macht das, was er in den eigenen Reihen durchbekommt.

Folgerichtig haftet ihm nicht unbedingt der Ruf des Reformers an, doch hat er immerhin unter anderem eine vorübergehende Sicherung der Pflegefinanzierung und eine gar nicht so kleine Pensionsreform auf der Haben-Seite. Sein anfängliches Atout, die Stabilität des österreichischen Arbeitsmarkts in der Krise, ist freilich verloren gegangen. Monat für Monat hat der Sozialminister steigende Arbeitslosen-Zahlen zu vermelden.

Er liebt das Bad im Publikum

Darum muss sich Hundstorfer nunmehr ebenso wenig kümmern wie um die Wünsche der ÖVP nach einer neuerlichen Pensionsreform oder einer Neuaufstellung der Mindestsicherung. Ab jetzt ist wahlkämpfen angesagt - und das ist eine Rolle, die Hundstorfer gar nicht so schlecht liegen sollte. Denn wenn er etwas unbestritten ist, dann leutselig. Hundstorfer liebt das Bad im Publikum, umso mehr, wenn es auch ihn liebt. Denn wenn ihm etwas oder jemand nicht passt, kann er auch ziemlich grantig werden.

Diese Eigenart sollte er in den kommenden Wochen wohl ein bisschen zur Seite legen, will er auch außerhalb der Ost-Region die Wählerherzen gewinnen. Ohnehin hat er schon das Handicap zu tragen, Mitglied einer alles andere als beliebten Regierung zu sein und seine offen zur Schau getragene Ablehnung der FPÖ wird ihn für freiheitliche Wähler nur bedingt attraktiv machen.

Wie Hundstorfer das Amt anlegen würde, kann man sich ganz gut vorstellen, mehr repräsentierend als politisierend, garniert mit einer guten Portion Volksnähe. Eine geeignete First Lady hätte der Vater einer Tochter (aus einer früheren Beziehung) jedenfalls an seiner Seite. Seiner Frau wird nachgesagt, die Hofburg-Ambitionen ihres Mannes mit einigem Wohlwollen zu unterstützen.


Zur Person:

Rudolf Hundstorfer, geboren am 19. September 1951 in Wien, zum dritten Mal verheiratet, eine Tochter und zwei Stiefkinder, beruflich als Kanzleibediensteter und Verwaltungsbeamter tätig. Politischer Werdegang: 1967 Jugendvertrauensmann, ab 1976 freigestellter Personalvertreter, Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats von 1990-2007, dabei Vorsitzender des Gemeinderats von 1995-2007, ab 2001 Geschäftsführender Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, 2003 GdG-Vorsitzender, 2006 ÖGB-Präsident, ab 2008 Sozialminister.

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