Gemeindebauten: Ein Nachhall des "Roten Wien" für 500.000 Menschen

Gemeindebauten: Ein Nachhall des "Roten Wien" für 500.000 Menschen

Knapp 500.000 Wiener, ein Drittel der Einwohner, leben in Gemeindebauten. Das kostet sie im Schnitt 6,28 Euro pro Quadratmeter, inklusive Betriebskosten. Die Stadt möchte nun - nach dem Aus im Jahr 2004 - wieder neue Wohnungen bauen.

Der 1930 eröffnete Karl-Marx-Hof ist bis heute das wohl bekannteste Aushängeschild des kommunalen Wohnbaus in Wien. Heute gibt es in der Bundeshauptstadt mehr als 2.000 Gemeindebauten mit 220.000 Wohnungen, die knapp 500.000 Wiener beherbergen. Das entspricht knapp einem Drittel der Einwohner. Nach dem Aus 2004 will die Stadt - im Hinblick auf die heurige Wahl - nun wieder Gemeindewohnungen bauen.

Gehaltsgrenze Gemeindebau: 3.140,71 Euro netto

Verstreut über alle 23 Bezirke bieten die Gemeindebauten vergleichsweise günstigen Wohnraum an. Er beträgt laut Rathaus durchschnittlich 6,28 Euro pro Quadratmeter inklusive Betriebskosten. Am privaten Sektor reicht die Spanne von 9,86 bis 17,07 Euro pro Quadratmeter. Um Anspruch auf einen Platz im Gemeindebau zu haben, darf man gewisse Gehaltsgrenzen nicht überspringen. Sie liegen für einen Ein-Personen-Haushalt derzeit bei 3.140,71 Euro netto im Monat (14 mal im Jahr), für einen Zwei-Personen-Haushalt bei 4,680,71 Euro. War der preiswerte Wohnraum lange Zeit nur Inländern vorbehalten, dürfen seit fast einem Jahrzehnt auch Zuwanderer unter bestimmten Voraussetzungen in eine Gemeindewohnung ziehen.

Die Ursprünge dieser geförderten Wohnform liegen im "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Nach der Errichtung erster kommunaler Mietshäuser beschloss der Gemeinderat 1923, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 25.000 Wohnungen nach zeitgenössischem Standard und Gemeinschaftseinrichtungen wie Bädern, Waschküchen, Bibliotheken oder Kaufläden einzurichten. Aus dieser Phase stammen einige der heute als klassisch geltenden Wohnanlagen wie der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof in Favoriten oder der Reumannhof in Margareten. Bis 1934 wurden knapp 62.000 Wohnungen sowie rund 40 Siedlungen und etwa 2.150 Geschäftslokale fertiggestellt.

Bau-Boom nach dem Krieg

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten stagnierte die Bautätigkeit der Stadt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Angesichts des akuten Wohnungsmangels setzte die dann wieder SPÖ-regierte Stadt in der Phase des Wiederaufbaus vor allem auf Schnellbauprogramme, wobei durch die Baugrundknappheit tendenziell höhere, meist in Zeilen angeordnete Blöcke - später vor allem in Fertigteilbauweise - aus dem Boden gestampft wurden.

In den 1970er-Jahren entstanden Großprojekte wie der Gemeindebau "Am Schöpfwerk" in Meidling. Eine bekannte Anlagen vergleichsweise jüngeren Baujahrs ist beispielsweise das Hundertwasserhaus im Bezirk Landstraße. 2004 beendete die Stadt - nach Fertigstellung des bis dato letzten Gemeindebaus, des Hauses Rößlergasse 15 in Liesing - ihre eigene Bautätigkeit und konzentrierte sich stattdessen auf Förderungen und Sanierungen. Die Mittel dafür belaufen sich derzeit jährlich auf gut 600 Mio. Euro, wobei rund 450 Mio. Euro aus dem Wohnbaufördertopf des Bundes kommen.

Neue Wohnungen als Vorboten der Wien-Wahl

Am Donnerstag verkündete nun Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), dass Wien wieder selbst bauen werde. Der erste dieser neuen Gemeindebauten soll - gewissermaßen als Pilotprojekt - auf dem ehemaligen AUA-Gelände in der Fontanastraße in Favoriten entstehen und 120 Wohnungen beherbergen.

Dieser Vorstoß kommt wohl vor allem im Hinblick auf die Wien-Wahl im Herbst (11. Oktober). Denn der Gemeindebau gilt immer noch als Heimat der roten Stammwählerschaft - auch wenn dort die FPÖ in den vergangenen Jahren zunehmend reüssieren konnte.

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