Ein rechter Haken zuviel

Ein rechter Haken zuviel

Rechtsaußen-Stürmer Andreas Mölzer stolperte über Linksverteidiger David Alaba. Der FPÖ bleibt nur noch Harald Vilimsky als Spitzenkandidat. Spielentscheidend ist das kaum. Denn echte Chancen auf Platz eins haben die Blauen ohnehin nicht.

Es ist, als hätte sich Andreas Mölzer den Ball fein säuberlich am Elferpunkt zurechtgelegt, hätte gut ­gezielt, Anlauf genommen und die Kugel dann wuchtig im Kreuzeck versenkt. ­Allerdings nicht im gegnerischen, sondern im eigenen.

Was der blaue Rechtsausleger und bisherige Spitzenkandidat der FPÖ für die EU-Wahl nicht bedacht hatte: In Österreich lassen die Wähler – besonders die FPÖ-Sympathisanten – in Sachen Rassismus für gewöhnlich viel durchgehen. Doch über David Alaba herziehen? Über Österreichs Fußballer des Jahres? Den Nationalhelden? Den Darling der Nation? Dem auch die blauen Herzen in Scharen zufliegen? Das geht gar nicht.

FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache, in strategischen Fragen manchmal durchaus unterschätzt, weiß: So etwas kostet Wählerstimmen in gröberem Ausmaß. Also ließ er Andreas Mölzer nach einer gehörigen Schrecksekunde Anfang der Woche doch noch über die Klinge springen. Das EU-Match ist für den Chefideologen der Partei vorzeitig zu Ende. Strache hat ihm die Rote Karte gezeigt.

Ob Mölzer mit seiner Alaba-Beschimpfung nicht nur sich selbst, sondern auch seine Partei überdribbelt hat, lässt sich derzeit schwer sagen. Sicher ist nur: Harald Vilimsky, der mit Mölzer die Doppelsitze im noch gar nicht richtig angelaufenen blauen EU-Wahlkampf bilden hätte sollen, verbleibt nun allein als Spitzenkandidat. Und ist alles andere als eine Zugnummer.

Meinungsforscher Thomas Hofer sagt über den in der Öffentlichkeit bislang höchstens durch den einen oder anderen, zumeist wenig durchdachten Sager aufgefallenen Vilimsky: „Mit Strahlkraft wird er vermutlich eher nicht für neue FPÖ-Wähler sorgen können. Vilimsky ist mehr ein Mann für die Pflicht, weniger einer für die Kür.“

Für die ganz große Außenwirkung ist Vilimsky zu unbekannt. Der blaue ­Ge­neralsekretär war bei der FPÖ hauptsächlich für organisatorische Fragen ­zuständig, erfüllte in der politischen Auseinandersetzung häufig die Funktion des raubeinigen Grabenkämpfers. Raumgreifende Intellektualität sagt ihm niemand nach, den Part des strategischen FPÖ-Vordenkers gibt Vilimskys Generalseketariats-Zwilling Herbert Kickl.

Blaue Wahlchancen

Ob Vilimsky die FPÖ wirklich erfolgreich als Spitzenkandidat durch die EU-Wahl tragen kann, wird allgemein bezweifelt. Allerdings ­haben die Blauen auch kaum etwas zu verlieren. Sie werden am Wahlabend des 25. Mai auf jeden Fall als einer der Sieger dastehen, denn die 12,7 Prozent des letzten Europa-Urnenganges im Jahr 2009 werden sie locker übertreffen. Derzeit liegt die FPÖ in Umfragen bei knapp 20 Prozent, die ­Tendenz war in den vergangenen Wochen indes fallend.

Das Problem von Parteichef Strache ist gar nicht so sehr der Spitzenkandidat. Bei EU-Wahlen ist in Österreich die Beteiligung traditionell niedrig, sie dürfte diesmal bei 40 Prozent liegen. Zur Wahl gehen in erster Linie EU-Befürworter, die Gegner bleiben zu Hause. Damit hat die FPÖ grundsätzlich ein veritables Mobilisierungsproblem – ganz egal, wer an der Spitze ihrer Liste antritt. Europa interessiert die blaue Klientel nicht sonderlich, die eher aus wenig gebildeten und kaum ­kosmopolitischen Schichten besteht.

So kurios es auch klingen mag: Der hölzerne Vilimsky als Solo-Wahlkämpfer könnte mit Strache-Unterstützung über ruppige Wahlkampftöne sogar eher Protestwähler an die Urnen locken als im Duett mit dem rechtsintellektuellen Mölzer. „Die FPÖ wird ihren Wahlkampf nach Ostern mit lauten Protestthemen wie Hypo, Steuern oder EU-Feindlichkeit hochfahren“, ist Meinungsforscher Peter Hajek sicher. Politikberater Thomas Hofer sieht das sehr ähnlich.

Das war auch Straches Kalkül, als er Mölzer unter die Dusche schickte: Am äußeren rechten Rand werden der FPÖ deshalb nicht allzu viele Wähler wegbrechen. Vilimsky soll in Richtung Mitte durch grobschlächtige Auftritte welche dazugewinnen – schlechtestenfalls ein Nullsummenspiel. Stimmen bringen könnte der FPÖ hingegen das Nichantreten Hans-Peter Martins, der 2009 mit seiner Liste viele Protestwähler abgezogen hatte. Auch der Rückzug von Claudia Haider-Quercia beim BZÖ könnte einige Versprengte heim ins blaue Reich holen.

Für einen FPÖ-Wahlsieg wird das alles, da sind sich sämtliche Auguren einig, ziemlich sicher nicht reichen. Aber auch mit Mölzer wäre die FPÖ kaum Nummer eins geworden. Dessen Elfer-Eigentor könnte sich jedenfalls als gar nicht spielentscheidend herausstellen.

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