Crowdfunding-Gesetz: Details und erste Reaktionen

Crowdfunding-Gesetz: Details und erste Reaktionen

Das Crowdfunding-Gesetz, das alternative Finanzierungen für Start-ups regelt, hat den Ministerrat passiert. Die Prospektpflicht wurde angehoben, die Bedeutung von Internetplattformen gesetzlich verankert. Manche Beobachter stören sich aber an der vermeintlichen Bevormundung des Bürgers durch die Politik.

Das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG), das eine rechtliche Basis für Crowdfunding und Crowdinvesting schaffen soll, hat gestern den Ministerrat passiert; Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner betonte in einer Pressekonferenz, man sehe Crowdfunding als „sinnvolle Ergänzung zur klassischen Kreditfinanzierung“ und wolle damit den Unternehmergeist in Österreich stärken. "Vor allem Start-Ups und KMU erhalten dadurch Starthilfe bis der Motor läuft“, sagt Mitterlehner: „Ein weiterer Vorteil ist, dass junge Unternehmer schon in einer sehr frühen Phase Feedback zu ihrer Produktidee direkt vom Markt erhalten“.

Zuvor hatten Jungunternehmer über mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten geklagt; format.at hat unter diesem Link fünf Tipps zusammengestellt, mit denen Start-ups in der frühen Phase an frisches Geld kommen.

Bei Crowdinvesting holen sich Unternehmen ihre Finanzierung nicht von einem einzelnen Geldgeber, sondern von einer Masse aus Investoren – der „Crowd“. Die Investoren stellen hierbei meist vierstellige Geldbeträge zur Verfügung. Im Gegensatz dazu zielt das Crowdfunding darauf ab, die Entwicklung einzelner Produkte vom Prototyp zum marktreifen Modell voranzutreiben. Oder, anders ausgedrückt: Bei Crowdinvesting werden die Investoren zu Teil-Eigentümern des Unternehmens; bei Crowdfunding sind sie bloß Konsumenten, die ein Produkt vorab kaufen, bevor es im Handel erhältlich ist.

Bekannte Crowdinvesting-Plattformen sind conda.at, 1000x1000.at und greenrocket.com. Unter den Crowdfunding-Plattformen gehören Kickstarter und Indiegogo zu den weltweit bekanntesten, in Österreich ist vor ein paar Monaten wemakeit.com gestartet.

Die Neuerungen des Gesetzes

  • Die Pflicht zum vollen Kapitalmarktprospekt gilt in Zukunft erst ab einem Emissionsvolumen von fünf Millionen Euro. Derzeit liegt die Grenze noch bei 250.000 Euro.
  • Dazwischen wird die Prospektpflicht gestaffelt: Für ein Emissionsvolumen zwischen 1,5 Millionen und fünf Millionen Euro ist in Zukunft nur noch ein vereinfachter Prospekt zu erstellen (Prospektpflicht light).
  • Ein Investor kann pro Projekt bis zu 5000 Euro im Jahr investieren.
  • Diese 5000-Euro-Grenze kann überschritten werden, wenn der Investor im Monat mehr als durchschnittlich 2500 Euro netto verdient - dann kann das Zweifache des Monatsnettoeinkommens veranlagt werden.
  • Alternativ dazu können zehn Prozent des Finanzanlagevermögens pro Investor angelegt werden, wenn diese Summe höher als 5000 Euro ist.
  • Das Rücktrittsrecht für Anleger beträgt wie im Konsumentenschutzgesetz zwei Wochen.
  • Emittenten dürfen binnen sieben Jahren in Summe nicht mehr als fünf Millionen Euro - abzüglich der bereits an die Anleger zurückgezahlten Beträge - aufnehmen. Wird diese Schwelle überschritten, muss ein Kapitalmarktprospekt erstellt werden.
  • Die Veranlagungen erfolgen beim emittierenden KMU selbst oder über Crowdfunding-Plattformen.

Die Reaktionen aus der Gründerszene sind großteils positiv. „Wir sind davon überzeugt, dass Start-ups und KMU von dem Gesetz profitieren werden und sehen die Gründerszene in Österreich stark unterstützt“, heißt es etwa in hoffnungsfrohen Tönen von Daniel Horak und Paul Pöltner, den Geschäftsführern der Crowdinvesting-Plattform conda.at. Vor allem die explizite Erwähnung von Internetplattformen als Betreiber im Gesetz sehen sie als großen Erfolg.

Zufrieden ist auch der Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, Herbert Rohrmair-Lewis: „Der Beschluss im Ministerrat ist nun einer der letzten, formalen Schritte in Richtung mehr Rechtssicherheit für Unternehmer und private Investoren“, sagt er: „Wird der Gesetzesvorschlag so im Parlament beschlossen, ermöglicht er Jungunternehmern bessere Startvoraussetzungen für ihr Business.“ Und das wiederum schaffe neue Arbeitsplätze.

Noch immer Verbesserungspotenzial

In den sozialen Netzwerken zeigen die Gründer der Start-ups gemischte Gefühle. Dem Konzept des Crowdfundings steht man generell positiv gegenüber; manche Mitglieder der Szene stören sich aber daran, dass ab einem Investment von 5000 Euro pro Projekt ein Einkommensnachweis nötig ist: „Jeder kann sein komplettes Geld plus Kontoüberziehungsrahmen und Kredit in Aktien stecken, versaufen oder im Casino verspielen - aber hier wird drauf geachtet, dass wohl nicht zu viel Geld bei den Firmen ankommt?“, meint etwa ein Nutzer süffisant auf Facebook.

In die gleiche Kerbe schlägt die politische Opposition: Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen, sieht noch „Verbesserungsbedarf in einigen Bereichen der Regierungsvorlage“. Man wünsche sich „mehr Mut und Vertrauen der Regierung in die Eigenverantwortung der Bürger“ und plädiere daher dafür, die Begrenzung pro Projekt und Bürger von 5000 auf 20.000 Euro anzuheben. Die parlamentarischen Beratungen im Wirtschaftsausschuss wollen die Grünen nutzen, um entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten.

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