Verbauung in Österreich nimmt weiter zu

Verbauung in Österreich nimmt weiter zu
Verbauung in Österreich nimmt weiter zu

Österreich, Land des Betons: Täglich werden rund 22 Hektar Boden verbaut.

Der neue von der Umweltortganisation Global 2000 vorgestellte Bodenatlas belegt die fortschreitende Verbauung Österreichs. Auch aus touristischer und wirtschaftlicher Sicht ist dies bedenklich. Die im Raumordnungskonzept 2001 als vorrangig definierte Reduzierung des Bodenverbrauchs wird nicht eingehalten.

Die Ausweitung von Siedlungsland und das Tempo der Versiegelung nehmen in Österreich nur langsam ab. Die Flächeninsanspruchnahme wächst laut dem neuen von der Umweltorganisation Global 2000 vorgestellten Bodenatlas um das fünffache der Bevölkerung.

Österreich hat eine Fläche von rund 84.000 Quadratkilometern. Nur 37 Prozent davon gelten als besiedelbar. Die Zunahme von Bau-, Verkehrs-, Erholungs- und Abbauflächen auf Kosten von agrarischen und Naturflächen wird wegen des wachsenden Bewusstseins gegenüber
dem Thema „Böden“ immer aufmerksamer verfolgt. In den wenigen Jahren von 2006 bis 2012 stieg diese Inanspruchnahme um rund zehn Prozent, während die Bevölkerung nur um knapp zwei Prozent wuchs. Damit wurden pro Tag durchschnittlich 22 Hektar Boden verbaut – das
entspricht einer Fläche von mehr als 30 Fußballfeldern, erstaunlich für das Alpenland Österreich, wo Boden ein knappes Gut ist.

Immer mehr Boden wird als Verkehrsfläche bebaut. Im Jahr 2012 waren es schon um knappe drei Prozent mehr als noch 2006. Ebenfalls im Trend steht die Inanspruchnahme von Boden als Erholungsfläche – mit einer Zunahme im gleichen Zeitraum von rund 27 Prozent, allerdings von einem niedrigeren Niveau aus. Und eine neue Tendenz zeichnet sich ab: Die Verbauung in der Kategorie „Sonstige“, wozu Friedhöfe und Werksgelände, aber auch Lagerplätze gehören, steigt stark. Allein zwischen 2009 und 2012 entfiel mit rund 12,4 Hektar pro Tag mehr als die Hälfte der Neuflächen auf diese Gruppe von „Landfressern“.

"Das Spannungsfeld des knappen Gutes Boden hat Auswirkungen auf die Umwelt, aber auch soziale und wirtschaftliche Dimensionen - auch für uns in Europa", erklärte Helmut Burtscher, Nachhaltigkeits-Experte der Umweltschutzorganisation Global 2000 in einer Aussendung. Die Versiegelung von vier Hektar Boden am Tag und die Flächenverdrängung bringt die österreichische Landwirtschaft in Bedrängnis, heißt es in dem Bodenatlas. Wenn Niederschlag auf Oberflächen wie Asphalt trifft, dann wird außerdem die Flüssigkeit nicht aufgenommen und es besteht die Gefahr von Überschwemmungen.

Auch Böden in schlechtem Zustand können das Wasser nicht mehr optimal aufnehmen. Der Wasserabfluss reißt dabei Bodenbestandteile mit, was zu einem Verlust an fruchtbarem Boden führt. Diese sogenannten "Degradierung" der Böden, wird weltweit bereits mit einem Ausmaß von 20 bis 25 Prozent beziffert. Jedes Jahr verschlechtern sich weitere fünf bis zehn Millionen Hektar - zum Vergleich Österreich: hat eine Fläche von 8,4 Millionen Hektar.

Der Bodenatlas rät zu Fleisch sowie saisonalem Obst und Gemüse aus heimischer Landwirtschaft. Das Konsumverhalten entscheide mit, "ob weiter Böden versiegelt, Wälder gerodet und Menschen in ärmeren Ländern der Erde enteignet werden", meinte Burtscher.

Die Inanspruchnahme von Naturflächen zeigt jedoch auch wirtschaftliche Aspekte auf. Das Gastgewerbe erwirtschaftet in Österreich jährlich 13,8 Milliarden Euro. Der Österreich-Tourismus lebt von der Anziehungskraft der Städte, vom Schnee im Alpenraum, der immer unzuverlässiger fällt, und allem voran von der Schönheit der Landschaft. Die Zersiedelung von offenem Raum und das ausufernde Wachstum ländlicher Gemeinden nagt an diesem Erholungs- und Freizeitwert.

Politisch wurde die Verringerung des Bodenverbrauchs bereits 2001 im Raumordnungskonzept als vorrangig definiert. 2002 legte der Ministerrat die „Reduktion des Zuwachses dauerhaft versiegelter Flächen“ auf maximal ein Zehntel des damaligen Wertes bis zum Jahre 2010 fest – das hätte einen Rückgang von damals neun auf einen Hektar pro Tag bedeutet. Mit vier bis fünf Hektar Versiegelung täglich war dieses Ziel 2012 zwar näher herangerückt, erreicht ist es aber noch nicht.

Ein wichtiges Thema ist laut Boenatlas die in Österreich problematische Flächenvergabe über Grundstückspreise. Es gilt der Grundsatz: Je knapper der Raum, desto höher die Preise. Daher sind in Salzburg, Tirol und Vorarlberg die Quadratmeterpreise von Einfamilien-
Baugrundstücken um rund 50 Prozent teurer als in den anderen Bundesländern (Wien bleibt als Ausnahme unberücksichtigt). Das führt in stark touristischen Gemeinden zu Problemen bei der Schaffung neuen Wohnraums und der allgemeinen Verteilung von Flächen. Uneinigkeit herrscht zum Beispiel bei Fragen wie der, ob Seeufer als Privatgrundstücke aus dem öffentlichen Zugang genommen werden dürfen.

Soziale Benachteiligungen über Flächenansprüche finden also nicht nur in Städten statt, Stichwort Sozialer Wohnbau und Soziale Durchmischung, sondern auch am Land. Auch im Hinblick auf Agrarflächen kann ein Steuerungsmechanismus über den Preis nicht funktionieren, weil Höfe meist nur bei niedrigen Quadratmeterkosten rentabel arbeiten – gegen Baulandpreise haben sie keine Chance.

Download: Bodenatlas 2015

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