Karmasin: "Die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden"

Karmasin: "Die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden"

Familienministerin Sophie Karmasin

Familienministerin Sophie Karmasin im FORMAT-Interview über die Notwendigkeit, Familie und Arbeit besser in Einklang zu bringen, und was Unternehmen dafür tun können.

FORMAT: Wie brisant ist das Thema Vereinbarkeit aus demografischer und gesellschaftspolitischer Sicht?
Sophie Karmasin: Vereinbarkeit von Familie und Beruf - gemeinsam mit der Familienbeihilfe und dem Kinderbetreuungsgeld - ist die Basis, dem Trend der sinkenden Geburtenrate aktiv entgegenzuwirken. Nicht die Familien sollen wirtschaftsfreundlicher, sondern die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden. Um optimale Bedingungen für echte Wahlfreiheit zu schaffen, haben wir letztes Jahr bereits die größte Ausbauoffensive für Kinderbetreuungsangebote gestartet, die es in Österreich je gegeben hat. Um ein wirklich familienfreundliches Arbeitsklima zu schaffen, sind selbstverständlich auch die Arbeitgeber gefordert.

FORMAT: Was ist der Hintergrund der Initiative "Unternehmen für Familien“ und des Ziels, Österreich bis 2025 zum familienfreundlichsten Land machen?
Karmasin: Aktuellen Umfragen zufolge sind nur 31 Prozent der Österreicher der Meinung, Österreich sei ein familienfreundliches Land. Das möchte ich ändern. Im Herbst 2014 haben wir den Familienfreundlichkeits-Monitor vorgestellt, ein von uns entwickeltes Messungs-Tool, das wir jedes Jahr aktualisieren und auswerten. Eine Erkenntnis daraus war, dass es eine Lücke gibt zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Vereinbarkeit. 89 Prozent der Befragten wünschen sich Vereinbarkeit, aber nur 21 Prozent empfinden die Situation als sehr gut oder gut. Das wollen wir auch mit unserer Initiative ändern - und zwar mit einem positiven Ansatz. Wir wollen mit sehr vielen Best Practices, die es in diesem Land schon gibt, zeigen, dass Vereinbarkeit sehr wohl funktioniert und diese Nutzen stiftet. Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Unternehmen. Stichwort: weniger Fluktuation, mehr Motivation.

FORMAT: Ist die KMU-Struktur Österreichs eher Hemmnis oder Chance?
Karmasin: Familienfreundliche Maßnahmen können in kleinen und mittelständischen Unternehmen ebenso umgesetzt werden wie in Großunternehmen, ohne Rieseninvestment. Auch hier gilt es, zu sensibilisieren. Oftmals haben es kleinere Unternehmen sogar leichter, weil sie wirklich individuell auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen können, das bringt durchaus Vorteile.

FORMAT: Frauen trifft das Problem besonders. Liegt das nicht eher an der Einstellung vieler Männer - Stichwort Familienarbeit - als an Strukturen in Unternehmen?
Karmasin: Frauen leisten in Österreich noch immer den Großteil der unbezahlten Arbeit, sei es im Haushalt, bei der Kindererziehung und -betreuung oder bei der Pflege von Angehörigen. Wenn man sich die zunehmend steigenden Karenzzeiten von Vätern vor Augen führt, wird deutlich, dass durchaus Interesse und Bedarf bei Männern besteht, sich aktiv in der Familie zu beteiligen. Ich würde mich freuen, wenn weitaus mehr Väter die Karenz nutzen. Vor allem bei der Jugend ist Vereinbarkeit ein Thema - sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Bei der Frage "Was ist für einen guten Arbeitgeber wichtig?“ steht Vereinbarkeit nach guter Bezahlung im Ranking auf Platz zwei.

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Job und Familie sind sehr schwer unter einen Hut zu bringen. Genau das wollen engagierte Unternehmen nun ändern, um im Kampf um die besten Köpfe mithalten zu können.

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