Abschied von Barbara Prammer - Tränen, Applaus und rote Nelken

Der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf (ÖVP) würdigte Prammer als "große Österreicherin". Bundespräsident Heinz Fischer: "Wir danken dir, liebe, gute, tapfere Barbara."

Abschied von Barbara Prammer - Tränen, Applaus und rote Nelken

Wien. Es war heiß am Samstagvormittag vor dem Parlament, als rund 2000 Menschen inklusive der 600 Ehrengäste aus dem In- und Ausland auf der gesperrten Wiener Ringstraße Barbara Prammer die letzte Ehre erwiesen. Sie erlag vor einer Woche 61-jährig einem vor elf Monaten diagnostizierten Krebsleiden. Aus ganz Österreich waren SPÖ-Delegationen angereist, viele mit roten Nelken im Knopfloch. Lang anhaltender Applaus begleitete die Abfahrt des Glaswagens mit Prammers Sarg.

Der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf (ÖVP) würdigte Prammer als "große Österreicherin". "Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin - einer großen Österreicherin - und bedanke mich namens des Nationalrates und seiner Abgeordneten bei unserer Präsidentin für ihre umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Art der Führung des Hauses", würdigte Kopf Prammers Tätigkeit an ihrer letzen Wirkungsstätte. Und er verneigte sich vor dem "Menschen Barbara Prammer. Vor einer Frau, die mit großer Demut ihre schwere Erkrankung angenommen, diese Krankheit gleichzeitig mit enormer Willensstärke bekämpft und trotzdem ihr Amt mit unglaublicher Disziplin bis vor wenigen Wochen nahezu uneingeschränkt ausgeübt hat."

Engagierte Kämpferin

Prammer sei eine "engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments" und die stetige Weiterentwicklung der Demokratie gewesen, erinnerte Kopf an ihre "Beharrlichkeit", der u.a. letztlich die U-Ausschuss-Reform und die Einigung auf die Parlamentssanierung zu verdanken sei, an die von ihr eingerichtete Demokratiewerkstatt und das Jugendparlament. "Überglücklich" habe sie während ihres letzten Krankenhausaufenthalts gemacht, dass das Gesetz zur Sanierung einstimmig vom Nationalrat beschlossen wurde.

Mit den Worten "Liebe Frau Präsidentin, wir werden weiterhin sehr oft an Sie denken und Sie in ehrenvoller Erinnerung behalten. Der Herrgott möge Ihnen Ihre vielen guten Taten vergelten und Ihnen den ewigen Frieden schenken", verabschiedete sich der Zweite Nationalratspräsident.

Würdigung von Prammers Engagement

Die Redner und Rednerinnen würdigten Prammers Engagement für die Demokratie, für Minderheiten und Frauenrechte. "Wir alle können stolz auf sie sein", schloss Bundespräsident Heinz Fischer Abschiedsrede. "Wir danken dir, liebe, gute, tapfere Barbara."

"Ihr könnt sicher sein, dass eure Barbara als beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes, als große Frau in unsere Geschichte eingehen wird", sagte Fischer zu Prammers Familie. Er erinnerte auch an den "bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg", wie Prammer mit ihrer Krebserkrankung umgegangen war, und dankte auch ihren Ärzten, dem Pflegepersonal und der Krebshilfe ebenso wie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dieser "starken, zarten, liebenswerten Frau" beiseitegestanden waren.

Zugleich nahm er die unzähligen Respektsbekundungen für die verstorbene Nationalratspräsidentin auch zum Anlass, darüber nachzudenken, "wie sehr sich Barbara auch nur über einen kleinen Bruchteil dieses Lobes zu Lebzeiten gefreut hätte". Seine "Bitte" daher: "Entwickeln wir alle miteinander zeitgerecht möglichst viel Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein und Fairness im Umgang mit anderen Menschen. Das gilt besonders für Politik und Medien, aber es gilt auch für alle Menschen."

"Ich bin heute extra aus Salzburg angereist", erzählte ein Mann, der anders als viele Gäste nicht am schattigen Straßenrand verweilte. Prammer sei stets für Demokratie und die Rechte der Frauen eingetreten, dafür wolle er mit seiner Teilnahme an der Trauerfeier bedanken. Sie sei ein einzigartiger Mensch gewesen. Ein junger Mann nahm ebenfalls die pralle Sonne auf sich und hatte sich direkt an der Absperrung zum Bereich für die Ehrengäste postiert. Eine beeindruckende Frau war die verstorbene Nationalratspräsidentin, sagte er. Besonders imponiert habe ihm, dass sie über alle politischen Lager hinweg ausgleichend und konstruktiv gearbeitet habe.

Die Ehrengäste durften zwar sitzen, mussten dafür aber in Trauerkleidung in der Sonne verharren. Unter den Stühlen waren vorsorglich Wasserflaschen deponiert, für die Bevölkerung gab es einen Wasserausschank am Rande der Veranstaltung. Das Medienecho war groß, neben dem ORF, der die Feier live übertrug, waren etliche andere Kamerateams unterwegs, auch ausländische Medienvertreter waren zu sehen.

Zwei Videowalls mit den ORF-Bildern sorgten dafür, dass alle Besucher das Geschehen mitverfolgen konnten. Prammers Sarg wurde zu Beginn die Parlamentsrampe herabgetragen und überdacht vor dem Hohen Haus abgestellt. Die Reden wurden vom Publikum ebenso mit Applaus bedacht wie die Musikbeiträge von Harri Stojka sowie Timna Brauer. Internationale Parlamentsvertreter legten Rosen vor dem Sarg ab.

Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof

Als dieser dann zu den Klängen des Zapfenstreichs - dargeboten von einem Solisten der Militärmusik vom Balkon des Büros der Präsidentin - im Glaswagen den Parlamentsvorplatz verließ, wurden Ergriffenheit und Trauer offensichtlich. Lange applaudierten die Gäste ein letztes Mal der Nationalratspräsidentin, und nicht wenige hatten Tränen in den Augen. Danach nahmen die engsten Angehörigen Prammers Beileidsbekundungen von Freunden und Weggefährten entgegen.

Die Beisetzung in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof findet - wunschgemäß - im engsten Familienkreis statt.

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