Österreich könnte Rückstufung der Bonität erleiden und zürnt mit den Ratingagenturen

Nach den Positiv-Ratings von Pleitebanken sind die Agenturen besonders vorsichtig – mit finanziellen Folgen für Österreich.

Nicht erst seit Moody’s im Februar warnte, dass österreichische Banken ebenso wie die Republik Österreich wegen des Bankenengagements im Osten möglicherweise eine Rückstufung der Bonität erleiden könnten, stehen Moody’s, Standard & Poor’s (S&P) und Fitch’s, die Big Player der Ratingbranche, unter Beschuss. Sie müssen sich kritische Fragen zur Sorgfalt ihrer Analysen und zu ihrer Mitverantwortung für „falsche“ Marktsignale gefallen lassen. In den letzten Jahren gab es mehrere Anläufe zu einer stärkeren Regulierung der Agenturen; jetzt hat die EU-Kommission eine Initiative gestartet, die G-20-Staaten wollen folgen.

"Zum Krenreiben"
In Österreich wird der Vorschlag unterstützt – denn der Ärger ist groß: Martha Oberndorfer, die Geschäftsführerin der Bundesfinanzierungsagentur, hält die stark gestiegenen Zinsaufschläge für Austro-Kredite für „irrational“; Raiffeisen-Oberboss Christian Konrad meint überhaupt, die Ratingagenturen seien „zum Krenreiben“.
WKO-Chef Christoph Leitl ( im Bild ) wiederum beschuldigt – wie übrigens auch Ludwig Scharinger, Chef der Raiffeisenlandesbank OÖ – die Amerikaner, in Fragen der Bonitätsbeurteilung mit gespaltener Zunge zu reden. „Es ist unerträglich, was die US-Ratingagenturen zuletzt aufgeführt haben. Es ist am Rande der Seriosität, dass die Verursacher der Krise sich jetzt als Besserwisser aufspielen und Österreich abqualifizieren. Das Krankreden Österreichs ist Strategie, dahinter steht der Neid der Amerikaner, die in Osteuropa nicht so erfolgreich sind“, poltert Leitl. Insgesamt zweifle in Österreich niemand daran, dass die Einstufung so manches osteuropäischen Staates als „besonders problematisch“ vornehmlich darauf zurückzuführen sei, dass die Ratingagenturen ihre euphorische Bewertung von Banken wie Lehman Brothers bereuten. Diese Haltung habe die Neigung zur Negativbewertung massiv gefördert. Im Ausland meint man dagegen, angesichts der Daten aus Osteuropa sei Vorsicht durchaus angebracht.

Privatunternehmen
Bei Moody’s und S&P handelt es sich um US-Informationskonzerne, deren Aktien im Publikum breit gestreut sind. S&P ist Teil der McGraw-Hill-Gruppe. Moody’s gehört zur technikorientierten Info-Unternehmensgruppe „Moody International“, die auch über Zertifikat-Know-how in einer Reihe von Branchen verfügt. Die amerikanisch-britische Fitch’s ist Teil der „Fitch Group“ mit ihrem Präsidenten John K. Fitch, der Hauptaktionär ist französisch. Das Rating-Trio macht vor allem mit der Bewertung von Unternehmensanleihen Milliardenumsätze. Staatsanleihen werden grundsätzlich gratis bewertet.
In den USA ist es für große Anleihenemittenten Pflicht, sich von mindestens zwei Agenturen raten zu lassen. Konsequenz: Je mehr Immobilienkredite zu Anleihen verbrieft wurden, umso besser verdienten die Agenturen. Oft wurden die Anleihen mit tätiger Mithilfe der Ratingagenturen so zurechtgetrimmt, dass sie ein AAA-Rating bekamen – häufig zu Unrecht. Diese Papiere erwiesen sich als Schrott.

Von Lieselotte Palme

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