"Österreich wäre nicht verteidigbar“

Warum der scheidende Generalstabschef Edmund Entacher glaubt, dass das Land seine Grenzen weiter schützen muss. Und warum das nur mit Präsenzdienern geht.

"Österreich wäre nicht verteidigbar“

FORMAT: Warum sind Sie so ein Verfechter des jetzigen Systems?

Edmund Entacher: Weite Zonen der Welt rüsten stark auf, etwa Russland, Indien, Pakistan, Brasilien und China. Gleichzeitig rüstet Europa massiv ab. Das kann dazu führen, dass die Wohlstandszone Europa zusehends wehrloser wird und damit ein Anziehungspunkt für andere Interessen werden kann. Mit der angepeilten Größe eines Berufsheeres wäre Österreich im europäischen Kontext nicht verteidigbar. Wenn es darauf ankommt, dass wir Aufwuchs brauchen, ist das im jetzigen System besser und schneller organisiert.

Bleiben wir bei den zivilen Aufgaben. Für den Katastrophenschutz braucht es keine Grundwehrdiener, oder?

Entacher: Die primäre Truppe für Katastropheneinsätze sind Pioniere. Im Kern haben wir dort nur 80 Berufssoldaten für Pionieraufgaben. Alles, was Mannschaftsleistung ist, machen wir mit Grundwehrdienern. Man denkt immer nur ans einfache Schaufeln. Bei den Hochwassern in der Steiermark wurden im Vorjahr fast 30 Brücken und 30 Kilometer Bäche entklaust (freigeräumt, Anm.). Diese Arbeit ist hochgefährlich, da brauchen wir Grundwehrdiener mit Handwerkserfahrung.

Oder Profimilizionäre.

Entacher: Die Freiwilligenmiliz braucht etwa zehn Jahre, bis sie steht.

Sprechen Sie der Politik den Gestaltungswillen für ein Berufsheer ab?

Entacher: Ein ordentliches Berufsheer würde etwa bei einem Drei-Milliarden-Budget liegen. Das ist illusionär. 2014 unterschreiten wir die Zwei-Milliarden-Grenze für die Landesverteidigung. Für ein Berufsheer würde das Leistungseinbrüche bedeuten. Ich brauche den Gestaltungswillen nicht bezweifeln, solange es nicht mehr Geld gibt.

Wie soll die Wehrpflicht reformiert werden, wenn das alte System bleibt?

Entacher: Wir müssen die Einrückungstermine von elf auf vier reduzieren, dann bräuchten wir auf einen Schlag einige Tausend Funktionssoldaten weniger. Eine aktuelle Studie unter 2.000 befragten Präsenzdienern stellt uns die Schulnote 2,4 aus. In zwei, drei Jahren wollen wir die Note 2 erreichen.

Kritiker werfen Ihnen vor, Sie hätten Angst vor Neuerungen.

Entacher: Überhaupt nicht. Schon alleine aufgrund meiner Dienstzeit hat niemand so viele Reformen mitgemacht wie ich. Aber wenn ich Schokolade kaufe, muss ich sicher sein, dass eine drin ist.

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