ÖOC-Debakel: Renovierungsarbeiten nach sportpolitischem Erdbeben in vollem Gange

Nach der Implosion des Österreichischen Olympischen Comités stellt Sportminister Norbert Darabos nun die Organisation der Sportverbände in Österreich auf neue Füße.

Historiker werden in ein paar Jahren wohl feststellen, dass drei Faktoren zum Zusammenbruch der mächtigen Parade-Institution im österreichischen Sport, des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), geführt haben. Da war zum einen der genussvoll gepflegte Hass zwischen ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und dem zurück­getretenen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth; ein Konflikt, den Schröcksnadel für sich entscheiden konnte. Nach den Olympischen Winterspielen in Turin und der internationalen Schmach des ÖSV begannen häppchenweise Ungereimtheiten über die Finanzen des ÖOC an die Öffentlichkeit zu sickern, die letztlich für den Rücktritt Jungwirths und – erst jetzt – von Präsident Leo Wallner sorgten. Der zweite Faktor war die akribische Recherche des Sportressorts der Tageszeitung „Kurier“, die dafür sorgte, dass zuerst die persön­lichen Bereicherungen Jungwirths und die freihändig vergebenen Millionen an Schmiergeldern rund um die Salzburger Olympia-Be­werbung für 2014 ans Licht kamen. Und da war zum dritten das Motto des neuen Sportministers: „Das Bohren harter Bretter“, das innerhalb des ÖOCs eine Eigendynamik in Gang setzte, die das 1908 gegründete ehrwürdige Komitee in hundert Jahren nicht erfasst hatte.

Ein gewitzter Taktiker
Nicht einmal ein Jahr nach Amtsantritt steht nun der ­gewitzte Taktiker Norbert Darabos (im Bild) , der für die SPÖ schon drei Wahlkämpfe erfolgreich managte, vor einem am Boden liegenden ÖOC und kann sich in aller Ruhe Gedanken darüber machen, welche neuen Strukturen er dem Verein verpasst. Verbündete hat er mittlerweile auch im ÖOC genug, der Präsident, sein Vize und der Generalsekretär sind zurückgetreten, und mehrere Vorstandsmitglieder stehen vor dem Abgang. Noch hält sich Darabos bedeckt und lässt sich nicht in die Karten schauen. Allerdings lässt er bereits seine Präferenz für eine neue Rechtsform – Ges. m. b. H. anstatt der Vereinsform – erkennen. Und er wünscht sich zwei Geschäftsführer. ­Darabos: „Derzeit ist das Verhältnis von öffentlichen und privaten Geldern im ÖOC 2:1. Mit professionelleren Strukturen wären deutlich mehr private Sponsoren zu finden.“ Am 23. September, bei der Vorstandssitzung des ÖOC, an der Präsident Leo Wallner offiziell zurücktreten soll, könnten bereits die ersten Weichen in Richtung Neuorganisation gestellt werden.

Einheit versus Eigenständigkeit
Dabei zeichnen sich im ÖOC selbst derzeit zwei Lager ab: Peter Wittmann, gleichzeitig Präsident des „roten“ ASKÖ und der Bundes-Sportorganisation BSO, sowie Peter Haubner, gleichzeitig Präsident der „schwarzen“ Sportunion, wollen eine Zusammenlegung mit der BSO. Als Vorbild dient dafür Deutschland, wo der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als übergeordnete Organisation den Breitensport mit dem olympischen Gedanken verbindet und einheitlich nach außen auftritt. Darabos: „Ich bin gesprächsbereit, man soll aber jetzt das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.“ Andere wollen den Gedanken eines eigenständigen ÖOCs mit professionelleren Strukturen abseits der reinen Ehrenamtlichkeit erhalten. So fordern etwa auch die ÖOC-Vorstandsmitglieder Schwimmverbandspräsident Paul Schauer und ­Dressurreit-Olympiasiegerin Elisabeth Max-Theurer die Einführung von zwei Geschäftsführern und doppelte Kassabuch­führung in einem Verein, der mit Millionen hantiert. Gleichzeitig lehnt Schauer aber eine Zusammenlegung mit dem BSO ab. Aus dem Umfeld von Darabos ist zu hören, dass Wittmann und Haubner nun eben die Gunst der Stunde nutzen und ­ihren Machtbereich erweitern wollen. Ein Bereich, wo es um viel Einfluss und Geld geht. In Summe ist heuer von 113 Millionen Euro die Rede.

Wildwuchs Sportlandschaft
Fast 3,3 Millionen Österreicher sind derzeit Mitglied bei den Sport-Dachverbänden ASKÖ, ASVÖ und Sportunion. Sie alle stehen ­unter dem Dach der Bundes-Sportorganisation. Das ÖOC wird als gemeinnütziger Verein geführt, ist ebenfalls Mitglied des BSO und verfügt über ein Jahresbudget von drei Millionen Euro. Ins­gesamt wird 2009 über die verschiedenen Träger und ­Vereine eine Summe von 113 Millionen Euro an Sportförderung aus­geschüttet. 71 Millionen stammen aus der sogenannten besonderen Sportförderung, die aus den Umsätzen der österreichischen Lotterien lukriert werden. Der Rest kommt vom Ministerium selbst. Damit der Bund in Zukunft mehr Überblick über den Verbleib der Finanzströme bekommt, lässt Darabos derzeit in einer Arbeitsgruppe im Ministerium Vorschläge ausarbeiten, die drei Punkte beinhalten sollen: schlankere Strukturen in den Dachverbänden, mehr Kontrolle seitens des Geldgebers und Schwerpunktsetzungen bei der Verwendung. „Es soll verhindert werden, dass wie bisher in vielen Bereichen mit der Gießkanne vorgegangen wird.“ Geht Dara­bos’ Plan auf, soll das neue Sportförderungsgesetz mit 1. 1. 2011 in Kraft treten.

Stoss als Favorit
Davor gilt es aber erst mal, auf der poli­ti­schen „Baustelle“ ÖOC für frische Kräfte und Strukturen zu sorgen. Erster Teil in die­sem Stück ist die Neubesetzung des Amtes des ÖOC-Präsidenten. Casinos-Chef Karl Stoss, bereits dort Nachfolger Wallners, gilt als logischer Kandidat für den Posten. Und auch der Minister streut Rosen: „Stoss ist persönlich integer und verbin-det das Wissen von Sport und Wirtschaft. Er ist mein Kandidat Nummer eins.“

Von Markus Pühringer

Peter Pelinka

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