Obama oder Romney – Der Abschied von Europa steht fest

Obama oder Romney – Der Abschied von Europa steht fest

Unabhängig davon, ob der Präsident der Vereinigten Staaten Obama oder doch Romney heißt: Auf Europas Wirtschaft wird die Wahl unmittelbar nur wenig Auswirkungen haben.

Nachricht aus der Achterbahn: Nachdem es für die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Mitt Romney zuletzt schon ein kurviges Auf und Ab im Meinungsklima gab, taucht nun wenige Tage vor der Wahl ein neuer Indikator auf. Der "October Employment Report“ der US-Behörde für Arbeitsstatistik prognostiziert 140.000 neue Jobs für die nächsten Monate und bestätigt einen Trend: Die Arbeitslosenquote sinkt leicht, aber konstant. "Eine gute Nachricht für Obama“, mailte dazu Harm Bandholz, US-Chefanalyst der UniCredit, soeben aus der New Yorker Niederlassung in seine Zentrale nach Europa.

Denn in den Staaten zählt bei den Arbeitslosenzahlen der Trend: Nimmt die Anzahl der Jobs in den Monaten vor einem Urnengang zu, und sei es im Promillebereich, kommt es zur Wiederwahl des Amtsinhabers. Seit sieben Jahrzehnten ist das jedes Mal so, hat Bandholz nachgeprüft.

Aber unabhängig davon, ob der Präsident der Vereinigten Staaten Obama oder doch Romney heißt: Auf Europas Wirtschaft wird die Wahl unmittelbar nur wenig Auswirkungen haben. "Kurzfristig ist das sicher nicht von Belang“, schätzt Yvonne Wolfmayr, WIFO-Expertin für internationalen Wettbewerb.

Gefährliche Klippe

Die Amerikaner werden genug mit sich selbst zu tun haben. Mit dem sogenannten "Fiscal Cliff“ droht ein ökonomischer Super-GAU: Vor einem Jahr hatten sich Demokraten und Republikaner auf eine Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze geeinigt, um die drohende Staatsinsolvenz zu verhindern. Man vereinbarte aber auch, bis Ende 2012 Sanierungsmaßnahmen zu beschließen - und installierte eine Schuldenbremse: Falls anders nicht möglich, sollen die jährlichen Staatsausgaben ab 2013 automatisch um 65 Milliarden Dollar gekürzt werden, mit allen negativen Folgen für die Konjunktur. Und bisher konnte man sich nicht auf ein Sparprogramm einigen. Wenn sie nicht noch schnell umschifft wird, könnte die Fiskalklippe die US-Wirtschaft bis zu vier Prozent Wachstum kosten und den zarten Aufschwung - zuletzt gab es ein BIP-Wachstum von zwei Prozentpunkten - brutal abwürgen.

Trotz der derzeitigen Totalblockade durch die Republikaner gehen die meisten Ökonomen von einer rechtzeitigen Einigung aus. "Aber auch dann wird für die Beschäftigung mit Europas Problemen wenig Zeit sein“, vermutet Claudia Schmucker von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, einem auch für die EU tätigen Think-Tank. Auf Wachstumsimpulse aus Amerika wird sich die europäische Wirtschaft kaum einstellen können.

Herausforderung Export

Selbst wenn nicht auf die brutale Schuldenbremse getreten werden muss, wird wegen der notwendigen Kürzungen öffentlicher Ausgaben das Geld für weitere Konjunkturprogramme fehlen, die auf Umwegen auch diesseits des Atlantiks für Belebung sorgen könnten. Auch Steuersenkungen und damit eine auch für europäische Unternehmen vorteilhafte Konsumankurbelung sind schwer vorstellbar. "Einziger Hebel für die Amerikaner bleibt der Export“, schätzt Schmucker. "Sie werden alles tun, um ihn zu stärken.“ Für Unternehmen in der EU wäre das eher Konkurrenz als Hilfe.

Schon jetzt lassen viele US-Konzerne ihre europäischen Mitbewerber in Bezug auf Profitabilität hinter sich, fand jüngst eine Studie der Beratungsfirma Ernst & Young heraus. Das liegt vor allem an den teils deutlich niedrigeren Löhnen in Amerika.

Außerdem orientieren sich sowohl die US-Unternehmen als auch die amerikanische Wirtschaftspolitik seit Jahren immer weniger Richtung Europa, sondern in die andere Richtung. Im Pazifik-Raum klingeln die Kassen viel verlockender. Zwar ist die EU mit einem Exportvolumen von rund 268 Milliarden Dollar immer noch ein wichtiger Handelspartner, aber in Asien sind die Zuwachsraten weit beeindruckender.

Gespräche über einen "Transpazifischen Pakt“, über ein US-Wirtschaftsabkommen mit Pazifik-Anrainerstaaten, gehen nach der Präsidentenwahl in die Endrunde. Mit einem Abschluss spätestens Mitte 2013 wird gerechnet. Das könnte einen Turbo für die US-Handelsbeziehungen mit Asien zünden. Staaten wie Vietnam oder Malaysia scharren in den Startlöchern. Auch Australien erhofft sich davon mehr Handel mit den USA. Schlecht für Europa.

Zwar steht auch ein US-Freihandelsabkommen mit der EU im Raum, vor 2014 dürfte es aber kaum so weit sein. Und auch danach, so glauben Experten, wird Europa in den Wirtschaftsbeziehungen mit den USA weiter an Boden verlieren.

Yvonne Wolfmayr vom WIFO beschwichtigt: "Internationale Beziehungen sind mittlerweile so eng miteinander verflochten, dass Änderungen sehr träge vonstatten gehen. Umschwünge über Nacht gibt es kaum.“ Aber mittelfristig könnte die EU zwischen Asien und den USA auf der Strecke bleiben.

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