Niederösterreich: Johanna Mikl-Leitner folgt Erwin Pröll

Nach dem Rücktritt von Erwin Pröll wird Johanna Mikl-Leitner Landeshauptfrau. Die 54-Jährige tritt die Nachfolge von Erwin Pröll an. Niederösterreichs Landesparteivorstand hat einstimmig für Mikl-Leitner votiert. Am 25. März wird der Parteitag sie als Nachfolgerin von Pröll wählen.

Niederösterreich: Johanna Mikl-Leitner folgt Erwin Pröll

Stabübergabe: Erwin Pröll hat seine Nachfolgerin bestimmt - Johanna Mikl-Leitner wird erste Landeshauptfrau in Niederösterreich.

St. Pölten. Die Nachfolge von Erwin Pröll an der Spitze der ÖVP NÖ ist geklärt. Der Landesparteivorstand hat sich am Mittwoch einstimmig für die Landeshauptmann-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner entschieden. Ihre Wahl wird bei einem Parteitag am 25. März stattfinden. In der Folge wird Mikl-Leitner - wohl am 27. April - im Landtag auch zur ersten Landeshauptfrau Niederösterreichs gewählt.

Wer Erwin Pröll nachfolge, "muss in große Fußstapfen treten", sagte Johanna Mikl-Leitner nach der Vorstandssitzung der Volkspartei NÖ in St. Pölten. Sie erinnerte auch daran, dass sie das politische Handwerk vom Langzeit-Landeshauptmann gelernt habe.

Er kenne Mikl-Leitner seit mehr als 25 Jahren, sagte Pröll. Sie sei eine erfahrene Politikerin, die ihre Qualitäten u.a. als Innenministerin - Stichwort: Flüchtlinge - bewiesen habe. Er sei über die Entscheidung des Landesparteivorstandes "sehr froh", betonte der scheidende Landeshauptmann.

Pröll sprach von "klaren Entscheidungen auf dem Weg in die Zukunft der ÖVP NÖ", nach der Ankündigung seines Rücktritts gehe es "Schlag auf Schlag". Er sei über die Entscheidung des Landesparteivorstandes "sehr froh", betonte der scheidende Landeshauptmann. Seine Nachfolgerin werde nicht nur die ÖVP Niederösterreich, sondern auch das Bundesland gut führen. Als Landeshauptmann habe man eine Generalkompetenz, das sei mit ordentlicher Führungsqualität "eine unglaubliche Chance", so Pröll.

Sie habe viel internationale und nationale Erfahrung gesammelt und ein Netzwerk aufgebaut, "das ich für Niederösterreich nutzen werde", sagte Mikl-Leitner. Sie kündigte an, sich bis zum Landesparteitag u.a. in Gesprächen auf ihre neue Tätigkeit vorzubereiten. Pröll zollte sie Respekt für seine Leistungen und sein Lebenswerk. Angesprochen auf die Landtagswahl 2018 meinte Mikl-Leitner: "Wer die ÖVP Niederösterreich kennt, der weiß, dass es einen kurzen, intensiven Wahlkampf gibt." Mikl-Leitner wird die erste Frau an der Spitze des Landes NÖ.

Der gute Beschluss

Für Innenminister Wolfgang Sobotka, der selbst sich lange Jahre Chancen als Pröll-NAchfolger ausgerechnet hatte, sei die Bestellung von Mikl-Leitner ein "guter Beschluss". Damit werde der Kurs der Volkspartei NÖ fortgesetzt, sagte der frühere Landesvize nach der Vorstandssitzung.

Sobotka bezeichnete es als "niederösterreichische Marke, nicht rum zu tun". Schon am Tag nach der Bekanntgabe des Rückzugs von Erwin Pröll "steht fest, wohin die Reise geht".

"Wir werden die neue ÖVP NÖ Parteiobfrau und in Folge auch Landeshauptfrau daran messen, wie die Qualität einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert und warten mit Spannung auf die erste Kontaktaufnahme durch Johanna Mikl-Leitner", reagierte SPÖ-Landesvorsitzender Matthias Stadler. LHStv. Karin Renner (SPÖ) verwies auf eine stets "sehr korrekte Gesprächsbasis" mit Mikl-Leitner.

Die künftige Landeshauptfrau sei ihm "als offene, moderne und pflichtbewusste Niederösterreicherin bekannt", freute sich Liste Frank-Klubobmann Ernest Gabmann in einer Aussendung auf eine "gute Zusammenarbeit". "Wir erwarten uns, dass mit dem Wechsel an der Spitze der Landesführung allgemeine Transparenz und insbesondere Aufklärung rund um die 'Dr. Erwin Pröll-Privatstiftung' einhergehen werden", reagierte NEOS-Landessprecherin Indra Collini.

Die dritte Frau

Frauen an der Regierungsspitze sind in Österreich etwas höchst seltenes: Eine Bundeskanzlerin gab es noch nie - und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wird erst die dritte von dann 70 Landeshauptleuten seit 1945. Ihre beiden Vorgängerinnen sind Waltraud Klasnic (ÖVP) in der Steiermark und Gabi Burgstaller (SPÖ) in Salzburg. Beide gingen nach zwei Amtsperioden, also fast zehn Jahren, wegen Wahlschlappen.

Bis fast zur Jahrtausendwende dauerte es, bis Österreich 1996 mit Klasnic die erste Landeshauptfrau bekam. Burgstaller wurde im Mai 2004 Chefin der Landesregierung - und für kurze Zeit, bis zur Ablöse Klasnics im Oktober 2005, gab es zwei Frauen und somit eine Frauenquote von 22,22 Prozent in der Landeshauptleutekonferenz. Seit Burgstallers Abgang im Juni 2006 waren die Männer dort wieder ganz unter sich.

Anders als so manche ihrer "Landeskaiser"-Kollegen wurden die beiden Landeshauptfrauen nie als "Landeskaiserin" bezeichnet - was vielleicht auch an der nicht rekordverdächtig langen Amtszeit lag -, aber beide brachten es zur "Landesmutter". Nicht nur Klasnic, die 50-jährig "Frau Landeshauptmann" (wie sie immer genannt werden wollte) wurde, sondern auch Burgstaller, die mit noch nicht ganz 41 Jahren nach einem fulminanten Wahlsieg nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste rote Landeshauptfrau von Salzburg wurde.

Während für Burgstaller der bei der Landtagswahl 2004 geschaffte Machtwechsel der glanzvolle Start war, setzte ein solcher Klasnics Amtszeit das Ende:Mit dem Verlust von Platz 1 bei der Wahl im Oktober 2005 zog sich Klasnic zurück. Burgstaller erlitt dasselbe Schicksal im Jahr 2013: Der Finanzskandal brachte die SPÖ bei der Wahl um Platz 1 und Burgstaller ging.

Eine Wahl lang hatten sich beide Landeshauptfrauen eindrucksvoll im Amt gehalten: Mit Klasnic legte die steirische ÖVP im Jahr 2000 massiv (von 36,2 auf 47,3 Prozent) zu - und die Salzburger SPÖ verteidigte mit Burgstaller 2009 trotz Verlusten (von 45,5 auf 39,4 Prozent) Platz 1.

Ins Amt gekommen waren die beiden Landeshauptfrauen aus unterschiedlichen Gründen: Burgstaller "beerbte" Gerhard Buchleitner in einem geordneten Generationswechsel im Jahr 2001 und war Spitzenkandidatin bei der Wahl 2004, die der SPÖ ein Rekordplus (von 32,3 auf 45,5 Prozent) und somit Platz 1 brachte. Klasnic kam 1996 hingegen ins Amt, weil die ÖVP bei der Wahl 1995 - mit dem jüngst verstorbenen Josef Krainer - von 44,2 auf 36,2 Prozent eingebrochen war und sich nur ganz knapp vor der SPÖ gehalten hatte.

Sebastian Kurz bei seiner Rücktrittsrede am 2. Dezember 2021

Türkis im schwarzen Loch [Politik Backstage von Josef Votzi]

Erst Chats & Justiz-Ermittlungen, dann Corona-Leugnung und neuer …

Treten zurück: Kanzler Alexander Schallenberg (li) und Finanzminister Gernot Blümel

Auch Finanzminister Blümel und Kanzler Schallenberg treten ab

Der Abschied von Sebastian Kurz aus der Politik löst eine Kettenreaktion …

Sebastian Kurz im Dezember 2019 in der Präsidentschaftskanzlei in Wien.

Sebastian Kurz - Aufstieg und Fall

Vom Junge ÖVP-Führer zum Integrationsstaatssekretär, Außenminister und …

Sebastian Kurz bei einer Pressekonferenz im Oktober 2019

Sebastian Kurz zieht sich aus der Politik zurück

Vom Staatsmann zum Hausmann: Sebastian Kurz zieht sich vollständig aus …