Mehr privat, weniger Staat: Neos-Chef Strolz zieht sich aus Politik zurück

Rückzug: NEO-Chef Matthias Strolz will Politik künftig wieder aus der Zuschauerperspektive verfolgen.

Rückzug: NEO-Chef Matthias Strolz will Politik künftig wieder aus der Zuschauerperspektive verfolgen.

Matthias Strolz, der streitbare Chef der NEOS, zieht sich aus der Politik zurück. Strolz hat die Partei im Jahr 2012 gegründet und anschließend mit dem Liberalen Forum (LIF) fusioniert.

Überraschend hat NEOS-Chef Matthias Strolz seinen Rückzug von der Spitze der NEOS angekündigt. Es sei der Tag, an dem er als Gründungsvorsitzender der NEOS "die schrittweise, geordnete Übergabe bis zum Herbst" einleite, sagte Strolz in seiner Erklärung, er folge dem Ruf seines Herzens.

Strolz, der immer bekundet hatte, zehn Jahre lang in der Politik bleiben zu wollen, wird bis Ende Juni den Parteivorsitz und bis zum Herbst die Führung des Parlamentsklubs abgeben. Danach wird er aus dem Nationalrat ausscheiden und sich völlig aus der Politik zurückziehen.

Der Parteimitgründer der der NEOS begründete seinen Schritt damit, dass die Aufbauphase der Partei erfolgreich absolviert sei und nun die nächste Wachstumsphase bevorstehe. Das Ziel für die nächsten zehn Jahre sei es, zu einer 20-Prozent-Partei zu wachsen. Seine eigene Zukunft ließ Strolz offen. Er habe "einige Buchprojekte im Kopf". "Ich bin nicht Passagier, ich bin der Pilot meines Lebens. Ich werde ein Feld weiterziehen. Wie das Feld heißt, weiß ich nicht."

Mutmaßungen über andere Gründe seines Rückzugs, erteilte Strolz in diversen Interviews eine klare Absage. Es gebe „keine geheimen Pläne, kein viertes Kind, keine Krankheit“ - stattdessen habe er sich für die Übergabe entschieden, da „NEOS so weit“ sei.

NEOS - eine Partei, keine Namensliste

Strolz glaube, dass sein Rückzug der Partei nütze und „Raum für Entfaltung“ gebe. Ohnehin: NEOS heiße ja nicht „Liste Strolz“ betonte er in Interviews. Wer seine Nachfolge antreten wird, ließ er offen. Er habe seine Präferenzen, die er aber vereinbarungsgemäß mit seinen Parteifreunden nicht verraten werde.

Klare Favoritin ist die Wiener Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger. Auch der Salzburger NEOS-Chef Sepp Schellhorn ging gegenüber den "SN" davon aus, dass sie neue Vorsitzende wird. Für sich selbst schloss er die Strolz-Nachfolge aus. Partei-Gründungsmitglied Veit Dengler ist ein weiterer Favorit als neuer Parteichef, dem stellvertretenden Klubobmann Nikolaus Scherak werden ebenfalls gute Chancen eingeräumt.

Der neue Parteichef der NEOS wird auch den Parlamentsklub der Partei anführen. Das stellte Generalsekretär Nikola Donig bei einem "Runden Tisch" im ORF klar. Wer für diese Positionen nominiert wird, soll in einem erweiterten Vorstand entschieden werden.

Die NEOS werden bei einer Mitgliederversammlung am 23. und 24. Juni in Wien einen neuen Chef bzw. eine neue Chefin wählen und Strolz verabschieden. Dafür bewerben kann sich bis zum 9. Juni jeder. Die Kandidaten müssen sich dann einem Onlinedialog stellen, bei dem ihnen die Mitglieder Fragen stellen können.

Geschichte der Partei

Die NEOS sind als Partei aus Bewegungen wie „Phönix“ und „Österreich spricht“ entstanden, die sich für mehr Demokratie in Österreich eingesetzt hatten. Zu den Mitbegründern der NEOS gehört neben Strolz auch der Manager und Medienunternehmer Veit Dengler, der frühere Chef der NZZ -Mediengruppe und nunmehrige Chef der deutschen Bauer Media Group.

2013 sind die NEOS mit einem Stimmenanteil von fünf Prozent in den Nationalrat eingezogen, nach den Wahlen im Jahr 2017 erneut mit 5,3 Prozent der Stimmen. In dem am 9. November 2017 gewählten Nationalrat haben die NEOS zehn der 183 Sitze. Der Rückzug ist auch deshalb überraschend, weil die NEOS heuer in drei von vier Landtagswahlen - in Niederösterreich, Tirol und Salzburg - erfolgreich waren. Lediglich in Kärnten gelang das der neu gegründeten Plattform "NEOS – Mein Südkärnten – Moja Južna Koroška" nicht. In Salzburg steht die Partei dafür sogar vor dem Einzug in die Landesregierung.

Bereits im März 2013 gingen die NEOS ein Wahlbündnis mit dem Liberalen Forum (LIF) ein, im Jänner 2014 fusionierten die beiden Parteien schließlich und die fühere LIF-Chefin Angelika Mlinar wurde Stellvertreterin des nun scheidenden Parteichefs Strolz.

Werner Rydl

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