Minister Mind-Map: Neo-Infrastrukturminister Alois Stöger

Minister Mind-Map: Neo-Infrastrukturminister Alois Stöger

Dem neuen Chef im Infrastrukturministerium fehlt jeglicher Glamour-Faktor und ein einflussreiches Netzwerk. Die Arbeitsweise von Alois Stöger ist im Wortsinn unspektakulär. Für den Umgang mit Bahn und Straße muss das kein Nachteil sein.

Eine Mind-Map ist ein Blatt Papier, auf dem aus einem zentralen Wort mehrere Begriffsbäume wachsen. Das sieht dann aus wie eine verästelte, bunte Sonne. Alois Stöger arbeitet gern mit dieser Methode des Gedankensortierens und hält bei Reden oder Verhandlungen oft eine Mind-Map bereit, die er entweder per Hand oder am Computer erstellt hat.

Das, und dass ihm sein Titel "diplômé“ wichtig ist, sind so ziemlich die einzigen Auffälligkeiten des gebürtigen Oberösterreichers, der am 3. September seinen 54. Geburtstag feierte und zwei Tage davor als Infrastrukturminister angelobt wurde.

Für den früheren Metaller-Gewerkschafter ist das ein großer Karriere-schritt, auch wenn der Umzug ein kleiner ist: Denn das Gesundheitsministerium, das er bislang leitete, befindet sich im selben Gebäude wie das Infrastrukturministerium. Als Erfinder der Rochade gilt Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, der früher selbst als Kabinettschef im BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) tätig war und die Herausforderungen des Ressorts von innen kennt.

Daher hat Stöger vor allem eine Aufgabe mit auf den Weg bekommen: möglichst alles so weiterzuführen, wie es ihm seine Vorgängerin Doris Bures hinterlässt.

One-Man-Show

Ein paar kleine Akzente will Stöger zwar setzen: Er wird betonen, wie wichtig ihm "leistbare Mobilität“ und "Chancengleichheit bei der Infrastruktur“ sind. Aber große Weichenstellungen sind vorerst nicht vorgesehen. Denn enge Vertraute, die seine Karriere schon lange begleiten, dabei selbst eine machen wollen und nun eine neue Aufgabe brauchen, hat Stöger nicht. Auch von einem Netzwerk ist bei ihm nichts bekannt - er ist eine One-Man-Show. Wer vom bisherigen Kabinett Bures für ihn arbeiten möchte, soll das dürfen. Geplant ist, dass er den Großteil der Mitarbeiter übernimmt. Und der Generalsekretär des Infrastrukturministeriums, Herbert Kasser, wird auch weiterhin die zentrale Rolle im Ministerium haben - immerhin ist er einer der wenigen Österreicher, die selbst im Schlaf die komplizierte Finanzierung des ÖBB-Infrastrukturausbaus samt allen dazugehörigen Zahlenreihen aufsagen können. Fachlich gilt Kasser ohnehin als geheimer Ressortchef.

Stöger und Kasser dürften gut harmonieren: Beide haben wenig Allüren (Kasser fährt zu Aufsichtsratssitzungen gerne mit dem Rad), und beide sind gewissenhafte, ruhige Sacharbeiter. Stöger hat gleich nach seiner Zusage, das neue Amt zu übernehmen, angefangen, sich in die Materie Infrastruktur einzulesen. Erste Termine mit Mitarbeitern des neuen Ressorts wurden bereits abgehalten. Treffen mit ÖBB-Chef Christian Kern, dem Telekom-Regulator Johannes Gungl und anderen wichtigen Spielern soll es demnächst geben.

Pflegeleichter Politiker

Stöger gilt - nicht nur gegenüber seinen Parteikollegen - als ein "Pflegeleichter“. Ehemalige und derzeitige Mitarbeiter loben die offene Gesprächskultur. Er wird als nicht nachtragend bei Fehlern, sehr verständnisvoll, mitfühlend und unkompliziert in der Abstimmung von Terminen, Zitaten und Inhalten beschrieben.

Einzig in der Öffentlichkeit zu glänzen, das ist nicht seine Sache. Als "unfassbar fad“ werden seine Auftritte von manchen, die ihn am Podium beobachteten, zusammengefasst. Als Gesundheitsminister erregte er, abgesehen von den Raucher-Debatten, medial wenig Aufmerksamkeit, bei Seitenblicke-Events stand er mitunter alleine da - denn vielen war gar nicht bewusst, dass er überhaupt Minister ist. Dabei arbeitet er durchaus mit Beratern zusammen: Die Wiener Kommunikationsagentur bettertogether begleitet ihn seit Jahren in seiner Positionierung als "besonnener Fachminister, der beständig die großen Brocken wegräumt“. Mit Erfolg - denn seine Qualifikationen als Kenner der Branche und geduldiger Arbeiter spricht ihm kaum jemand ab. Die Gespräche mit den zahlreichen Beteiligten der Gesundheitsreform, von den Ländern über die Krankenkassen, vom Hauptverband bis zu den Ärztevertretern, ließ er strategisch von den PR-Profis Josef Kalina und Wolfgang Rosam begleiten, ebenfalls mit dem Erfolg, dass sich alle auf einen Reformweg einigten. "Stöger weiß, was er will, er hat Ziele und kann zäh verhandeln“, erzählt Kalina.

Jetzt, zur Vorbereitung seiner Auftritte als Infrastrukturminister, lässt sich der Oberösterreicher ebenfalls coachen.

Miulliarden-Verantwortung

Drei Milliarden Euro pro Jahr werden im Verantwortungsbereich des Verkehrsministeriums in das hochrangige Verkehrsnetz investiert, zwei Drittel davon in die Schiene. Hier könnte es zu Verschiebungen kommen. Beobachter rechnen zudem damit, dass Oberösterreich als Heimat des Ministers ein wenig bevorzugt wird und manche Projekte auf der Prioritätenliste weiter nach oben wandern.

"Meine Erwartungshaltung an Stöger ist erfahrungsgemäß sehr niedrig“, sagt Gabriele Moser von den Grünen. "Er wird sicher besser sein als so mancher seiner vielen Vorgänger.“ Ihr wäre wichtig, dass für alle Verkehrsprojekte künftig transparente Kosten-Nutzen-Rechnungen vorliegen, ähnlich, wie es so etwas schon in Deutschland gibt. In der Gewerkschaft, wo Stöger ja herkommt, hofft man, dass er beim Bau des Brenner-Basistunnels auf die Bremse tritt. "Aber der Gesamtverkehrsplan ist ein gutes Werk, und hierfür sind die Weichen ohnehin schon richtig gestellt“, sagt Eisenbahn-Gewerkschafter Roman Hebenstreit.

Wirklich dringende Agenden auf der To-do-List im neuen Ministerium gibt es für Stöger nur wenige: Die Nachfolge des verstorbenen ÖBB-Aufsichtsratschefs Horst Pöchhacker wurde mit der früheren Siemens-Vorständin Brigitte Ederer bereits geregelt. Im Streit mit der deutschen Autobahnmaut heißt es wachsam sein und möglichst laut aufschreien, sollte es wirklich zu einer Ausländermaut kommen. Und für die Umsetzung der Breitbandmilliarde müssen die Vorarbeiten geleistet werden. Dass dies nun jemand politisch verantwortet, der bislang mehr mit Breitbandantibiotika zu tun hatte, stört keinen der Beteiligten. Bis er in der Materie wirklich sattelfest ist, wird sich der Minister noch ein paar neue Mind-Maps erstellen müssen.

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