Zehn gute Jahre, 2.540 verlorene Tage

Zehn gute Jahre, 2.540 verlorene Tage

Arne Johannsen: "Merkel macht vor, dass man in einem schweren Amt auch mutiger werden kann."

Am 22. November ist Angela Merkel zehn Jahre deutsche Kanzlerin, am 2. Dezember Werner Faymann sieben Jahre im Amt. Kein Vergleich.

Vor wenigen Tagen scheiterte die Sprengung des Kesselhauses des Kraftswerks Voitsberg trotz sehr viel Dynamits. In wenigen Tagen feiert Angela Merkel ihr zehnjähriges Jubiläum als deutsche Kanzlerin. Was das miteinander zu tun hat? Voitsberg ist ein Symbol für Österreichs Beharrlichkeit; hier ist der Beton, nicht nur bei Gebäuden, widerstandsfähiger als anderswo. Merkel ist ein Symbol, dass Veränderung machbar ist.

Als Angela Merkel am 22. November 2005 ihr Amt antrat, lag das Wirtschaftswachstum in Deutschland bei 0,7 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 11,2 Prozent, das Budgetdefizit bei 3,4 Prozent. Wenn die Kanzlerin nächste Woche ihr Jubiläum feiert, wächst die Wirtschaft mit 1,9 Prozent mehr als doppelt so stark, hat sich die Arbeitslosigkeit auf 4,5 Prozent mehr als halbiert. Und das Land erzielt einen Budgetüberschuss von zuletzt 0,3 Prozent.

Als Werner Faymann am 2. Dezember 2008 angelobt wurde, lag das Wirtschaftswachstum bei 1,5 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 4,1 Prozent, das Budgetdefizit bei 1,4 Prozent. Der aktuelle Status: Wachstum halbiert, Arbeitslosigkeit gesteigert, Budgetdefizit verdoppelt. In zehn Jahren Merkel haben sich in Deutschland die wesentlichen Wirtschaftsindikatoren verbessert, in Österreich haben sie sich in sieben Jahren Faymann verschlechtert. 2.540 verlorene Tage.

Als Merkel Kanzlerin wurde, wirkte sie hölzern und entscheidungsschwach. Sie hat vorgemacht, dass man in einem schweren Amt nicht zwangsläufig kleiner werden muss, sondern auch mutiger werden kann. Sie hat die konservative CDU zu einer liberalen, urbanen Partei gemacht, Deutschland den Atomausstieg verordnet und zum Migrationsland erklärt. Dafür hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen, dafür erntet sie Lob von der Opposition. Schwer vorstellbar, dass es sich ein Kanzler Faymann mit der Gewerkschaft verscherzt und Applaus von den Neos bekommt. Hoffen wir, dass in Voitsberg wenigstens im zweiten Versuch der Beton weggesprengt werden kann.

Es wäre ein Signal.

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