Die Zauberformel gegen den Islamistenterror

Die Zauberformel gegen den Islamistenterror

"Religiösen Soziopathen und Fanatikern kann man mit Verboten nicht Herr werden."

Verbote senken das Fieber, die eigentliche Krankheit lassen sie ungeschoren. Es gibt nur ein Medikament, das auf Sicht helfen kann: Bildung.

Die ideologische Welle der IS-Terrorextremisten überrollt den Nahen Osten mit Gewalt und paralysiert den europäischen Westen mit Macht. Die Intensität der Anziehungskraft radikal-religiöser Brutalo-Ideen auf europäische Jugendliche hat die Politiker der EU-Staaten, auch Österreichs, am falschen Fuß erwischt.

Vorhersehbare Reaktion, nur etwas verspätet: Ein Verbot von IS-Symbolen kommt. Ein notwendiger Schritt, er wird wohl besser heute als morgen umgesetzt. Religiöser Soziopathen und Fanatiker wird man damit allerdings nicht wirklich Herr.

In der Breite und auf Dauer helfen Gesetze allein gegen soziale oder kriminelle Geschwüre nicht überzeugend. Sie sind zu eindimensional. Als Medikation senken sie vielleicht kurzfristig das Fieber, den Krankheitskern bekämpfen sie nur ineffizient.

Beispiele gibt es in vielen Ländern. Die Mafia in Italien etwa blüht trotz rigoroser Anti-Mafia-Regeln. Den braunen Bodensatz ewig Gestriger haben Verbotsgesetze nicht beseitigt - schon gar nicht in Österreich. Eigentlich sind unbegleitete Verbote dieser Art kaum mehr als die Manifestation der Hilflosigkeit von Regierenden, mit extremistischen Strömungen umzugehen.

Man müsste ganz woanders ansetzen, um echte Wirkung zu erzielen.

Die deutsche Bertelsmann-Stiftung fand kürzlich heraus, dass bei unserem Nachbarn die Kriminalitätsrate sinken würde, hätten breitere Teile der Bevölkerung zumindest Hauptschulabschluss. Anders gesagt: Bildung macht eine Gesellschaft besser. Dass Wissen und Können mit sozialer Intelligenz, Toleranz und gesamtgesellschaftlichem Erfolg zusammenhängen, ist unbestreitbar. So wie feststeht, dass Xenophobie und Radikalismus in allen Gesellschaftsschichten vorkommen, bei gut ausgebildeten Menschen aber auf weniger fruchtbaren Boden fallen.

Das hängt natürlich damit zusammen, dass Vorurteile umso weniger verlocken, je mehr man weiß und kann. Vor allem aber damit, dass Gebildete leichter Jobs finden, sich besser Alternativen erarbeiten können und offener für Perspektiven sind.

Perspektivenlosigkeit, Orientierungslosigkeit und Arbeitslosigkeit sind auf der anderen Seite ein Hauptgrund für die aktuelle Anziehungskraft des IS-Terrors auf junge Europäer.

Das Super-Medikament gegen die Krankheit "Religiöser Radikalismus“ und ihre vielfältigen Symptome heißt also schlicht: Bildung.

Großes Problem: Diese Pille wirkt nur als Langzeittherapie, die flächendeckend und koordiniert angewandt werden muss. Also in ganz Europa. Ob die EU-Politiker, die schon so lange und so hilflos an so vielen Herausforderungen herumdoktern, sich hier auf eine Linie einigen können? Fraglich.

Und es wäre naiv zu glauben, radikalisierungs-bereite Jugendliche mit Bildungsangeboten unmittelbar locken zu können. Das funktioniert in Wien genauso wenig wie in London oder Paris. An viele kommt man gar nicht heran. Das verhindert die gettoartige Abschottung gegen Infusionen von außen. Soziologen, Psychologen und Sozialarbeiter sind da ebenso gefordert wie Politiker. Einzelne Verlorene, die Hass predigen, wird es außerdem immer geben. Und auch welche, die ihnen folgen.

Aber mehr Geld für die Bildung, von den Kindergärten bis zu den Universitäten, für frühe Sprachschulungen für Österreicher und Immigranten, für Integrationsmaßnahmen etc. wäre zumindest hierzulande einmal ein guter Therapieansatz. Nicht hundert Millionen mehr oder eine Milliarde mehr. Sondern viel mehr. Das wäre erstklassig angelegtes Geld mit garantiertem Return on Investment.

Ganz nebenbei würde mehr Bildung nämlich nicht nur dem Samen von Radikalisierern fruchtbaren Boden entziehen, sondern unserer ganzen Gesellschaft von unten herauf mehr Trittsicherheit verleihen. In fast allen Bereichen.

Ein Land, das über einen breiten Fundus an Schul-, Uni- und Berufsausbildungs-Absolventen verfügt und damit über Wissen, Können und Talent, muss sich wirtschaftlich keine Sorgen mehr machen. Unternehmen, Kapital, Pioniergeist und Inspiration fühlen sich von solchen Qualitäten magisch angezogen. Sie spülen Steuergeld in die Staatskassen, befeuern Land und Leute mit Enthusiasmus und fördern - Bildung. Ein Kreis, der sich schließlich irgendwann im positiven Sinn schließt.

Bildung ist die Zauberformel schlechthin - nicht nur gegen Terror wie jenen der IS, sondern gegen fast alle Probleme, die einen Staat krank machen.

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