Von der Farce in den Köpfen einiger Bildungsbürokraten

Von der Farce in den Köpfen einiger Bildungsbürokraten

Die Bildungsreform wird die Souveränität und Kompetenz der zukünftigen Lehrkräfte nicht gerade stärken. Ein Ende als Tragödie droht.

Mit Martin Hairer wurde zum ersten Mal einem Österreicher eine der wichtigsten internationalen wissenschaftlichen Auszeichnungen verliehen: die Fields-Medaille, auch gerne der Nobelpreis für Mathematik genannt.

Ein Erfolg für das Wissenschaftsland Österreich?

Martin Hairer ist zwar österreichischer Staatsbürger, er wurde aber in Genf ausgebildet und lehrt und forscht an der englischen University of Warwick. Mit Österreich und seinen Universitäten hat die Auszeichnung wenig zu tun.

Das muss allerdings nicht viel besagen, sondern spiegelt die Internationalisierung des Wissenschaftsbetriebs wider. Während begabte Österreicher im Ausland Karriere machen, gelingt es ja auch immer wieder, Spitzenforscher nach Österreich zu holen. Vom Genetiker Josef Penninger, der aus Toronto zurück nach Österreich kam, bis zum Philosophen Martin Kusch, der von Cambridge an die Universität Wien wechselte, reicht die Palette heimischer Wissenschaftler, die auch international höchst beachtete Forschungsprojekte verfolgen.

Also doch alles in Ordnung mit Wissenschaft und Bildung in Österreich? Nicht unbedingt.

Blickt man zum Beispiel auf die Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses, sieht es eher düster aus: schlecht bezahlt, nur mit befristeten Verträgen ausgestattet und ohne wirkliche Perspektiven. Ein Großteil der alltäglichen Lehr- und Forschungsleistungen an Universitäten wird von einem akademischen Prekariat erbracht. Solches zeugt weder von einer vorausschauenden Wissenschaftspolitik, noch stärkt es das Vertrauen in den Wissenschaftsstandort Österreich.

Bildung und Entwicklungsmöglichkeiten

Aber der Bildungsgrad und damit die Entwicklungsmöglichkeit einer Gesellschaft bemisst sich nicht nur an der Situation von Wissenschaft und Forschung, sondern auch daran, wie die Qualität von Bildung und Ausbildung insgesamt beschaffen ist. Und hier wird Österreichs Krise offenkundig. Dass man nicht mit immer weniger Geld immer mehr junge Menschen in immer kürzerer Zeit immer besser ausbilden kann, sollte eine selbstverständliche Einsicht sein - in Österreich glaubt man aber noch fest an diese Quadratur des Kreises.

Zwar wird ständig Reformbedarf angemeldet, übersehen wird aber, dass Reformen mitunter nicht die Lösung, sondern das Problem darstellen. So wurde durch die Umgestaltung im Zuge des sogenannten "Bologna-Prozesses“ kaum ein Problem des tertiären Bildungssektors gelöst, aber zahlreiche neue Problemfelder, Baustellen und Reibungsflächen geschaffen.

Man sollte sich endlich eingestehen, dass diese Reform über weite Strecken gescheitert ist: Die Mobilität der Studenten hat nicht zugenommen, die Studienzeiten haben sich nicht verkürzt, die Ausbildung ist zu ihrem Nachteil verschult worden, und die Berufsaussichten für Bachelors haben sich gegenüber den Absolventen der traditionellen Diplomstudien nicht verbessert.

Reform und Schicksal

Der Reform der Lehramtsstudien, die im Herbst zu greifen beginnt, droht ein ähnliches Schicksal. Zwar betont jeder, wie wichtig gute Lehrer für ein funktionierendes Schulsystem sind, aber zu glauben, man kann diese durch ein inkonsequentes und problematisches Aufnahmeverfahren und ein verschultes Studium bekommen, in dem die fachwissenschaftliche Ausbildung an den Rand gedrängt wird, ist ein Irrtum.

Österreich setzt auf eine inzestuöse pädagogische Schleife, die von der Schule über ein verschultes Studium zurück an die Schule führt. Dies wird die geforderte Souveränität und Kompetenz der zukünftigen Lehrkräfte nicht gerade stärken.

Stichwort Kompetenz: Die vielgelobte "Kompetenzorientierung“, durch die Wissen und Kenntnisse durch schwammige und zeitgeistige "Kompetenzen“ ersetzt werden sollen, wird als eines der großen Bildungsdesaster in die Geschichte unseres Landes eingehen. Die Peinlichkeiten der ersten zentralisierten und kompetenzorientierten Reifeprüfung waren nur ein Vorspiel zu dem, was sich in naher Zukunft zeigen wird: Was als Farce in den Köpfen einiger Bildungsbürokraten begonnen hat, wird später bei Kindern und Jugendlichen als Tragödie enden.

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