Rudi, mach was!

Sozialminister Rudolf Hundstorfer galt einst als einer der Motoren der Regierung. Jetzt ist er in erster Linie Ruhepol.

Rudi, mach was!

Miriam Koch: "Es still um den Sozialminister geworden - Rekordarbeitslosigkeit, trotz Flüchtlingskrise."

Sie waren der Motor, sie galten als die stabile Achse, sie waren präsent. Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, damals noch nicht Vizekanzler, waren einmal ein gutes Team. Sie brachten was weiter. "Zwei mit Zukunft" titelten einmal die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Mittlerweile ist die Harmonie zwischen den beiden Ministern nicht mehr zu spüren. Es ist nicht klar, wann das Auseinanderdriften begann, aber es ist augenscheinlich, dass es anders ist als früher. Und dass es still um Rudolf Hundstorfer wurde.

Man kann dem Sozialminister nicht vorwerfen, dass er nichts tut. Das stimmt nicht. Der 64-Jährige ist mal da, mal dort. Diese Woche standen auf seinem Terminkalender etwa die Verleihung des Feuerwehr-Awards 2015 an "Feuerwehrfreundliche Arbeitgeber", der Ministerrat und eine Fahrt nach Tirol zum Bundesländertag.

Man kann Rudolf Hundstorfer nicht vorwerfen, dass er nichts sagt. Er gibt Einschätzungen zur Entwicklung der Arbeitslosen nach dem Motto "erste Anzeichen einer Erholung", er kommentiert den Zustand der SPÖ, er antwortet auf Fragen. Es gibt unauffälligere Mitglieder der Bundesregierung.

Aber verglichen mit der zentralen Rolle, die Rudolf Hundstorfer früher einmal spielte, ist er jetzt eine Randfigur. Trotz Rekordarbeitslosigkeit. Im Politiker-Medienpräsenz-Ranking findet man seinen Namen manchmal gar nicht mehr unter den top 20. Das ist - nachdem die Flüchtlingskrise doch massive Implikationen für den Sozial- und Arbeitsmarkt hat - doppelt erstaunlich.

Vielleicht gibt es eine Denkschule, die sagt, einer, der Bundespräsident werden will, muss Ruhe ausstrahlen. Strategen, die davor warnen, sich in Sachen Flüchtlinge zu exponieren. Vielleicht ist es auch einfach irgendwann einmal fad, wenn man sieben Jahre Sozialminister ist.

Rudolf Hundstorfer macht zwar nichts falsch, aber er macht zu wenig. Denn Österreich bräuchte mehr Motoren, mehr Antrieb. Stillstand gibt es ohnehin genug.

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