Asylpolitik: Die Nordische Stimme der Vernunft

Schweden als Vorbild? Dort wurden rund 80.000 Syrer integriert. Aus ziemlich eigennützigen Gründen: Schweden braucht junge Leute.

Asylpolitik: Die Nordische Stimme der Vernunft

Angesichts der größten humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg, die nahezu alle Regierungen sowie das gesamte EU-Establishment überfordert, sind Stimmen der Vernunft, die auch an morgen denken, rar gesät. Margot Wallström ist so eine. In einem Interview mit der "Presse“ schildert die schwedische Außenministerin die Politik ihrer Regierung: "Wir wollen eine großzügige Politik für Flüchtlinge und Migranten. Es ist auch in unserem eigenen Interesse: Es hilft Schweden, zu wachsen. Wir brauchen junge Leute.“

80.000 Syrern hat Schweden seit 2011 Asyl gewährt, viele sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, viele davon gut gebildete Angehörige der Mittelschicht. Aber wie fast überall in Europa erhalten die politischen Ränder Zulauf, in diesem Fall die rechtsextremen "Schwedendemokraten“. Wallströms Antwort darauf: "Das ist eine xenophobe Partei, sie wächst, weil sie die Tatsache ausschlachtet, dass die Krise eine Belastung für unsere Ressourcen darstellt. Natürlich muss man Ressourcen aufbringen, um diese Menschen aufzunehmen. Die Gemeinden müssen sich anpassen, Unterkünfte finden, Bildungsangebote schaffen.“ Im übrigen sei eine "holistische“, also ganzheitliche, Politik mit Maßnahmen von Brüssel bis hin zu den einzelnen Ländern erforderlich.

Punkt. Aus. Nordische Coolness statt Panik und Polemik. Klar, durch die geografische Abgeschiedenheit bleibt Stockholm die akute, tägliche Bewältigung des Flüchtlingsstroms erspart.

Eine derart eigennützige Politik - nämlich Migration offensiv anzugehen, um angesichts sinkender Geburtenraten bröckelnde Sozialsysteme zu sichern - getraut sich im Superwahljahr 2015 in Österreich natürlich niemand zu machen. Trotz der grandiosen Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft. Dazu ist HC Stracheldraht schon zu stark, viel stärker als die Brüder im Geiste, die "Schwedendemokraten“.

Leitartikel aus FORMAT-Ausgabe Nr. 36/2015
zum Inhaltsverzeichnis ab Freitag, 4. September in FORMAT Nr. 36/2015
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