Wen interessieren die Manager?

Wenn zehn der wichtigsten Wirtschaftslenker Ideen für den Standort präsentieren wollen, ist das dem Bundeskanzler ganze 30 Minuten wert.

trend Chefredakteur Andreas Lampl

FORMAT Chefredakteur Andreas Lampl

Jahrelang rang die Politik um eine Reform der Staatsholding ÖIAG. Herausgekommen ist die Billigst-Variante, die man jederzeit bei einem schnellen Kaffee auf die Papierserviette hätte kritzeln können. Repolitisierung geht Hand in Hand mit der Absage an ein strategisches Management staatlicher Beteiligungen. ÖBIB! Die Nachfolgegesellschaft klingt schon lautmalerisch wie Pieps und Pimperl. Die ÖVP hat klein beigegeben. Und der Kanzler darf verkünden, dass auf der ÖBIB auch wieder ein rotes Mascherl mit drauf ist. Ansonsten hat er Wichtigeres zu tun, als sich mit Wirtschaft herumzuschlagen.

Dazu eine aufschlussreiche Geschichte: Vor ein paar Wochen taten sich die Generaldirektoren von zehn der größten Unternehmen Österreichs zusammen; die drei ÖIAG-Beteiligungen OMV, Telekom Austria und Post, dazu Voest, ÖBB, Kapsch, Erste Bank und Raiffeisen, Uniqa und Vienna Insurance Group. Sie nahmen sich vor, endlich einen Impuls für den lahmen Wirtschaftsstandort zu setzen.

Ausgearbeitet wurde ein gemeinsames Papier zu einer Mitarbeiterbeteiligung auf breiter Front. Denn Mitarbeiterstiftungen wie bei der Voest sind für Unternehmen (auch teilstaatliche) ein besserer Schutz gegen feindliche Übernahmen, den die SPÖ so vehement fordert. Besser als die politisierte ÖBIB allemal. Außerdem sind sie ein Beitrag zur Verteilungsgerechtigkeit ebenso wie zur Thematik stagnierender Reallöhne. Alles rote Kernanliegen.

Werner Faymann diese Konzepte näherzubringen, gestaltete sich trotzdem schwierig. Das Bundeskanzleramt räumte im Dezember einen - dann auch noch auf dieses Jahr verschobenen - Termin von einer halben Stunde ein. 30 Minuten für zehn der wichtigsten Wirtschaftsbosse! Das ist der Gradmesser für den Stellenwert, den der Regierungschef den Ideen von Topmanagern zubilligt. Er hat, wie gesagt, Wichtigeres zu tun.

lampl.andreas <AT> format.at

Artikel aus Format Nr. 3/2015
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