IS-Terror: "Am Dialog mit dem Islam führt kein Weg vorbei"

IS-Terror: "Am Dialog mit dem Islam führt kein Weg vorbei"

Claudia Bandion-Ortner: "In Zeiten wachsender Spannungen und Konflikte ist der interreligiöse Dialog unter Einbeziehung politischer Entscheidungsträger wichtig wie nie zuvor. Die Kämpfer für den sogenannten Islamischen Staat bekämpfen in Wirklichkeit alle Religionen."

In den vergangenen Monaten dominierten Schreckensmeldungen über die Verbrechen der "Islamic State“-Milizen die Berichterstattung. Tausende unschuldige Zivilisten wurden und werden im Nordirak brutal im Namen von Religion hingerichtet. Die Taten des IS wurden von einer Vielzahl religiöser und säkularer Instanzen aus aller Welt scharf verurteilt und auch von der überwältigenden Mehrheit der Muslime sowie von islamischen Autoritäten klar angeprangert. Das KAICIID-Dialogzentrum (des König- Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog in Wien), in dem ich als stellvertretende Generalsekretärin tätig bin, schließt sich diesen politischen und religiösen Führungspersönlichkeiten an. Die Kämpfer für den sogenannten "Islamischen Staat“ bekämpfen in Wirklichkeit alle Religionen. Sie missbrauchen und instrumentalisieren eine Religion, um ihre Wahnsinnstaten zu rechtfertigen.

Diese glaubensübergreifende Einigkeit war auch am Montagabend im Bundeskanzleramt zu spüren, als sich führende Religionsrepräsentanten verschiedener in Österreich beheimateter Religionen anlässlich des interreligiösen Dialogs zum Abendessen versammelten. Das dominierende Gesprächsthema waren freilich die abscheulichen Ereignisse in Syrien und im Irak. Treffen wie dieses sind wichtig, um den Dialog zwischen politischen und religiösen Entscheidungsträgern zu fördern und insbesondere, um den Glaubensgemeinschaften zu vermitteln, dass auch ihre Stimmen gehört und sie in die politische Gestaltung des Landes einbezogen werden.

Interreligiöser Dialog funktioniert

Das Bild von friedlich vereinten, gemeinsam beratenden hochrangigen Vertretern verschiedener Religionen ist mir aus meiner Tätigkeit im KAICIID-Dialogzentrum sehr vertraut. Allein die regelmäßigen Treffen unserer neun Direktoren stellen unter Beweis, dass interreligiöser Dialog funktionieren kann. Die Vertreter der fünf Weltreligionen - des Christentums, des Islam, des Judentums, des Hinduismus und des Buddhismus - sind die Entscheidungsträger des Dialogzentrums.

Das weltweit Einzigartige dabei ist, dass KAICIID nicht nur über eine religiöse, sondern auch über eine politische Dimension verfügt. Als internationale Organisation haben auch die Mitgliedstaaten - Österreich, Saudi-Arabien und Spanien, vertreten durch die jeweiligen Außenminister, sowie der Vatikan als offizieller Beobachter - richtungsweisende Entscheidungen zu treffen.

Der Zugang zur Politik erleichtert die Umsetzung der dialogorientierten Ziele. So wird gerade mit Hochdruck daran gearbeitet, ein Treffen zwischen hochrangigen Religionsvertretern und politischen Entscheidungsträgern zur Situation im Irak zu veranstalten.

Das KAICIID organisierte ähnliche Konsultationen in Bezug auf die krisengeschüttelte Zentralafrikanische Republik und zwischen Christen und Muslimen im sogenannten Mittleren Osten. Beide Initiativen erzielten eine Vielzahl an praktischen Ansätzen und vielversprechenden Verbesserungsvorschlägen, welche derzeit konkretisiert und mithilfe von lokalen Partnern umgesetzt werden sollen.

Gespräche statt Kriege

Dialog zwischen den Religionen kann die Welt nicht von heute auf morgen verändern und vor allem können bürgerkriegsähnliche Situationen nicht über Nacht durch interreligiösen Dialog gelöst werden. Doch stellt er ein wirksames Instrument dar, um Menschen, die sich sonst keines Blickes würdigen, einander näher zu bringen. Es steht außer Frage, dass dadurch mehr erreicht wird als durch passives Abwarten und durch Resignation.

Wien war immer schon ein guter Ort für friedensbildende Aktivitäten. Diese Stadt ist nun der Sitz dieser weiteren vielversprechenden internationalen Initiative.

Saudi-Arabien ist einer der Gründungsstaaten und finanziert KAICIID in den ersten drei Jahren. Die Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten ist beabsichtigt, eine breitere Finanzierung ins Auge gefasst. Wichtig ist, dass die Entscheidungen, das Zentrum betreffend, inhaltlich von Vertretern der fünf Weltreligionen getroffen werden.

Man muss dem Dialog und auch KAICIID, an dessen Entstehung auch der Vatikan beteiligt war, eine faire Chance geben. Dass die Initiative dazu gerade von Saudi-Arabien ausgegangen ist, sollte optimistisch stimmen.

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