Flüchtlinge: Gebt ihnen Arbeit!

Flüchtlinge: Gebt ihnen Arbeit!

Othmar Pruckner: "Herr Kurz, holen Sie rasch einen Integrationskoordinator, möglichst vom Format eines Christian Konrad."

Wenn Flüchtlinge in unsere Gesellschaft hineinwachsen sollen, dann brauchen sie Arbeit. Bezahlte, unbezahlte, Hilfsarbeit, qualifizierte Tätigkeit, alles ist gut. Nur so kann Gewalt verhindert werden.

Die Gotteskrieger sind angekommen. In Kaffeehäusern wie in Fußballstadien, in Konzertsälen und in Zeitungsredaktionen. In Frankreich, aber vermutlich bald auch anderswo. Es versteht sich von selbst, dass sich Europa gegen diese immense Provokation wehren muss, und zwar mit großer Entschlossenheit. Ob man das, was man diesen Menschenschlächtern entgegensetzt, nun einen Krieg nennt oder besser nicht, ist in Tagen wie diesen zweitrangig.

Die Maßnahmen müssen klug, überlegt und vor allem treffsicher sein. Die ganze Bevölkerung ebenso wie die da in Scharen ankommenden Kriegsflüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, führt wohl nirgendwo hin. Auch Stacheldrahtzäune helfen gegen terroristische Angriffe herzlich wenig, das sagt schon der einfache Hausverstand.

Was also wäre zu tun? Man muss aus der Geschichte der gerade in Frankreich weit verbreiteten Des-Integration lernen, die harten Fakten zur Kenntnis nehmen und in die Zukunft schauen.


Wenn ein halbwegs gedeihliches Neben- und Miteinander gelingen soll, dann muss Integrationsarbeit jetzt beginnen.

Flüchtlingskoordinator Christian Konrad weist mit Nachdruck darauf hin, dass derzeit nicht nur liebe Familien, sondern auch Tausende unbegleitete junge Männer in Europa und damit auch in Österreich angekommen sind. Die haben, sind sie einmal einquartiert, nichts Rechtes zu tun, außer mit dem Handy zu spielen und zu warten.

Sagen wir es ökonomisch: Das ist kontraproduktiv. Das ist verschleuderte Humanressource, das ist auf lange Sicht vor allem auch gefährlich. Geschieht nichts, wächst da eine "Generation Hoffnungslos" heran. Das ticken menschliche Zeitbomben, um es einmal drastisch zu formulieren.

Stabilität des Wirtschaftsstandorts

Es geht dieser Tage nicht nur um Humanität und Nächstenliebe. Es geht um die Stabilität des Wirtschaftsstandorts. Es geht um die Zukunft nicht nur der Asylanten, sondern des ganzen Landes. Es geht also um viel, und vieles steht auf dem Spiel. Man muss kein Alarmist sein, um zu sagen: Es muss etwas geschehen, damit nicht Gröberes geschieht.

Wenn also ein halbwegs gedeihliches Neben- und Miteinander gelingen soll, dann muss Integrationsarbeit jetzt beginnen - und zwar auf der Stelle. Deutschkurse sind gut, Tanz- und Spielabende begrüßenswert, aber das alles ist zu wenig. Wir brauchen Arbeit für die jungen, kräftigen Männer. Und auch für die Frauen. Es braucht ein Beschäftigungsprogramm für alle Integrationswilligen, und zwar in großem Stil.

Wenn da nicht sehr bald alle verfügbare Vernunft zusammengenommen wird, haben wir Daueralimentation, verfestigte prekäre Lebens- und Wohnsituationen, gewaltigen Frust und sozialen Sprengstoff an allen Ecken und Enden. Das wird dann richtig teuer und ungemütlich. Wenn die Flüchtlingskrise irgendwann auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen stiften kann - und das könnte sie tatsächlich -, dann muss jetzt investiert werden. Und zwar in Arbeit.


Gefordert sind: alle. Groß-und Kleinunternehmen, freiwillige wie bezahlte Helfer, du und ich...

Es braucht kleine und große Projekte. Jobs für die Ausgebildeten, verpflichtende Intensivkurse, Arbeitstrainings, Schulungen für jene, die wenig bis keine passenden Qualifikationen haben. Man könnte "Hilfsarbeiterschecks" nach dem Vorbild des Dienstleistungsschecks andenken. Möglicherweise werden dabei Sozialstandards unterlaufen, aber das ist angesichts der Lage das geringste Problem. Das größere ist, dass Abertausende Entwurzelte ohne Beschäftigung und ohne Perspektive sind. Und täglich werden es mehr.


... und die öffentliche Hand.

Gefordert sind: alle. Groß-und Kleinunternehmen, freiwillige wie bezahlte Helfer, du und ich. Und die öffentliche Hand. Jawohl, niemand wird in Österreich erfrieren und verhungern, es wird genug Zelte und Container geben, Österreich ist ja keine Bananenrepublik. Die Basisversorgung kriegen wir schon hin. Aber das ist eindeutig zu wenig. Es braucht einen nationalen Integrationsplan. Der laut, deutlich, für alle verständlich kommuniziert wird. Und es braucht Kleingeld. Es muss großzügig investiert werden in das so genannte Humankapital. Je früher die Integrationsarbeit beginnt, desto hilfreicher, desto effizienter.

Für all das braucht es neben der Flüchtlings- auch eine Integrations-Taskforce. Gefordert ist hier in erster Linie einmal ein junger Mann. Er heißt Sebastian Kurz und ist von Beruf Außenminister. Er ist aber, und das scheint er irgendwie verdrängt zu haben, auch für "Integrationsfragen" zuständig.

Herr Kurz, machen sie den nötigen Schritt: Holen Sie einen Integrationskoordinator, möglichst vom Format eines Christian Konrad, und zwar noch heuer. Möglicherweise ersparen wir uns damit irgendwann einen Ausnahmezustand, so wie er jetzt aus schrecklichem Anlass in Frankreich ausgerufen werden musste.

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