Die Challenge für "Mr. Start-up"

Die Challenge für "Mr. Start-up"

Die Bemühungen der Regierung um die Start-up-Szene sind begrüßenswert. Ohne Steuererleichterungen sind sie aber bestenfalls halbherzig.

Es bewegt sich etwas in der Start-up-Wüste Österreich. Rekordverdächtige 110 neue Unternehmen entstehen täglich, und das Pioneers Festival, von ambitionierten heimischen Jungunternehmern aus der Taufe gehoben, gilt international als das Event für Neugründer. Wer dabei ist, ist hip und irgendwie cool.

Doch nun gilt es, dieses Start-up-Pflänzchen zu hegen und zu pflegen, damit es nicht wieder verwelkt. Und da ist - wie leider so oft - die Politik gefragt. Zwar haben wir mit Staatssekretär Harald Mahrer sogar einen Politiker, der dieser Neugründungswelle gerne ein Gesicht geben möchte, aber wird er es tatsächlich schaffen, als "Mister Start-up" in die Annalen der Geschichte einzugehen? Viele seiner "40 Maßnahmen, die Österreich an die Spitze bringen" sollen, klingen zwar ambitioniert und bemüht. Etwa Maßnahme 27: "Gründer und Unternehmen zusammenbringen". Oder Maßnahme 19: "Bewusstsein für Chancen und Risiken des Kapitalmarkts entwickeln". Aber sie treffen nicht den Kern der Problematik. Einer der Hauptgründe, warum Jungunternehmer scheitern, liegt in der hohen Steuerlast. Und genau hier hat Mahrer ein Glaubwürdigkeitsproblem: Denn seine Partei hat gerade eben eine Steuerreform inklusive Anhebung der Kapitalertragssteuer beschlossen. Damit trifft man mittelständische GmbHs in Mark und Bein und wird wohl nicht gerade einen neuen Gründungsboom entfachen.

Maßnahme 39 in Mahrers Papier lautet: "Steuern und Sozialversicherungsbeiträge für Gründer und junge Unternehmen senken". Hoffentlich steht sie nicht wegen ihrer geringen Bedeutung an vorletzter Stelle. In die Umsetzung dieser Maßnahme sollte der Staatssekretär all seinen Elan stecken, dann kann er sich vielleicht einmal zu Recht "Mister Start-up" nennen lassen. Dabei kann man ihm nur viel Erfolg wünschen.

Artikel aus FORMAT Nr. 16/2015
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