Mediziner Wolfgang Mückstein wird neuer Gesundheitsminister

Nur zwei Stunden nach Rudolf Anschobers Rücktritt hat Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) einen Nachfolger präsentiert. Der Wiener Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein wird das Gesundheits- und Sozialministerium übernehmen.

Wolfgang Mückstein, designierter Gesundheitsminister

Wolfgang Mückstein, designierter Gesundheitsminister

Nur zwei Stunden nach dem Rücktritt von Rudolf Anschober als Gesundheitsminister hat Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler Anschober dessen Nachfolger vorgestellt. Der Wiener Mediziner Wolfgang Mückstein wird am Montag (19. April) als neuer Minister angelobt.

"Ich werde unpopuläre Entscheidungen treffen, weil ich mich als Gesundheitsminister und Arzt dazu verpflichtet sehe", sagte Mückstein zur Eröffnung seiner Vorstellung als designierter Gesundheits- und Sozialminister und betonte, sehr großen Respekt vor dieser Aufgabe zu haben.

Mückstein ist zwar als einer der Leiter des ersten Wiener Primärversorgungszentrums nicht ganz unbekannt, politisch aber bisher aber so gut wie nicht aufgefallen. Einzig in der Wiener Ärztekammer ist Mückstein aktiv. Dort fungiert der 46-Jährige als Referent für Gruppenpraxen und neue Organisationsformen.

Seine Themenfelder in der Ärztekammer waren Substitutionstherapie, Schutzausrüstung und Gruppenpraxen. Letzteres verwundert insofern nicht, als Mückstein im sechsten Wiener Gemeindebezirk quasi das Urmodell eines Primärversorgungszentrums leitet und in dieser Funktion auch gerne gehörter Gesprächspartner von Medien war. Seinem Studium der Medizin hat er einen TCM-Bachelor hinzugefügt, ist also mit chinesischer Medizin vertraut.

Koalitionsverhandler

Bekannt ist Mückstein beim Koalitionspartner schon seit den Regierungsverhandlungen, wo er in den Gesprächen im Gesundheits- und Sozialbereich eingebunden war. Vorgänger Anschober holte seinen Rat auch für eine Teststrategie im niedergelassenen Bereich ein. Die Amtsübernahme hat sich der verheiratete Vater von zwei Töchtern "gut überlegt", aber rasch Ja gesagt. Was anderes blieb ihm auch kaum übrig, denn er musste sich praktisch über Nacht entscheiden.

In seinem ersten Statement betonte Mückstein, dass ihm die Herausforderung bewusst sei: "Wenn du keine Bedenken hast, mitten in der Pandemie Gesundheitsminister zu werden und damit oberster Krisenmanager, dann fehlt dir der Respekt vor der Aufgabe."

Den aktuellen Lockdown in der Ostregion hält der neue Minister zwar für eine unpopuläre, aber nötige Entscheidung um Menschenleben zu retten: "Ich werde unpopuläre Entscheidungen treffen, wenn es nötig ist. Weil ich mich dazu als Gesundheitsminister und Arzt verpflichtet sehe."

Gesundheitsexperte und Krisenmanager

Kogler bedachte den neuen Gesundheits- und Sozialminister mit reichlich Vorschusslorbeeren. Die Pandemie werde noch einige Zeit eine Ausnahmesituation bleiben, Politik, Gesundheitseinrichtungen und Mitarbeiter seien "voll gefordert", so der Vizekanzler: "Gerade deshalb brauchen wir jetzt jemanden, der mit Expertise und Kraft diese Gesundheitskrise managt. Neben mir steht jemand, der das kann."

Dem scheidenden Minister Anschober dankte Kogler dafür, dass dieser ohne Pause für den Gesundheitsschutz in Österreich gearbeitet habe. "Es ist eine Herkulesaufgabe." Außerdem habe Anschober auch Fehler eingestehen können. "Wenn so viel gehobelt wird, dann fallen auch Späne", betonte Kogler, der auch Anschobers Beitrag zum Neustart der Grünen nach 2017 würdigte: "Danke, lieber Rudi."

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) anlässlich einer Pressekonferenz nach einer Arbeitssitzung mit dem Titel "Aktuelle Situation in Griechenland, der Türkei und Syrien" am Dienstag, 3. März 2020, in Wien.
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