Emmanuel Macron will als Präsident gespaltenes französische Volk einen

Emmanuel Macron gewinnt gegen Marine Le Pen mit über 66 Prozent der Stimmen. Die Erleichterung in Europa über den Wahlsieg des Pro-Europäers ist groß. In mehreren Städten kam es nach der Wahl zu Proteste. Der Amtsantritt wird in den nächsten Tage erwartet, um dann Kurs auf Parlamentswahl zu nehmen.

Emmanuel Macron will als Präsident gespaltenes französische Volk einen

Paris/Wien/Brüssel. Nach seinem Sieg in der Stichwahl um das französische Präsidentenamt hat der Pro-Europäer Emmanuel Macron versprochen, die Spaltung seines Landes zu überwinden. Er wisse, dass er keinen "Blankoscheck" von den Franzosen bekommen habe und werde sich "mit allen Kräften gegen die Spaltung" der Bevölkerung einsetzen, sagte der 39-Jährige am Sonntagabend bei seiner Siegesfeier vor dem Pariser Louvre.

Nach Auszählung von 99,99 Prozent der Stimmen erzielte Macron in der entscheidenden Wahlrunde 66,06 Prozent der Stimmen, die Rechtspopulistin Marine Le Pen kam auf 33,94 Prozent. Le Pen hatte in nur 2 von 101 Departements die Nase vorn, wie aus Angaben des Innenministeriums hervorgeht. Beide liegen im Norden des Landes.

Macron zieht als jüngster Präsident der französischen Geschichte in den Elysee-Palast ein. Zu seiner Siegesfeier schritt er am Abend zu den Tönen der Europahymne auf den Platz vor dem Louvre, zum Abschluss sang die Menge die Marseillaise, die französische Nationalhymne. Auf der Bühne wurde Macron begleitet von seiner 64 Jahre alten Ehefrau Brigitte sowie deren Kindern und Enkeln.

Ganz Europa schaue auf Frankreich, sagte Macron. Das Land werde "der Angst und den Lügen" widerstehen und mit "Schwung" in die Zukunft gehen. "Ich kenne die Wut, die Angst und die Zweifel" der Franzosen, sagte er.

Jeder vierte Wahlberechtigte enthielt sich, damit war die Beteiligung auf dem niedrigsten Stand seit knapp 50 Jahren. Zudem gaben neun Prozent der Wahlberechtigten aus Protest leere oder ungültige Wahlzettel ab - das ist ein neuer Höchststand.

"Ich werde in den nächsten fünf Jahren alles tun, was ich kann, um sicherzustellen, dass die Menschen keinen Grund mehr haben, Extreme zu wählen", sagte Macron.

Die Abstimmung galt als Schicksalswahl, da Le Pen für einen Austritt aus der EU und der Gemeinschaftswährung Euro geworben hatte. Mit großer Erleichterung reagierten daher auch Brüssel und Berlin auf die Wahl des Pro-Europäers Macron.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte dem früheren Wirtschaftsminister telefonisch zu seinem Erfolg. Die Entscheidung der französischen Wähler sei "ein klares Bekenntnis zu Europa". EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk boten Macron eine enge Zusammenarbeit an. Glückwünsche kamen unter anderem auch von US-Präsident Donald Trump, der britischen Premierministerin Theresa May und Chinas Staatschef Xi Jinping.

Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) begrüßte den Sieg des Sozialliberalen Macron und gratulierte ihm. Macron sei ein "sozialdemokratisch inspirierter Politiker", aber "kein klassischer Sozialdemokrat", sagte Kern im "Morgenjournal" des ORF-Radios Ö1. Im Wahlausgang sieht er einen "Etappensieg" gegen den Rechtspopulismus in Europa. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wertete den Wahlausgang in der ORF-ZiB 2 als "guten Tag für Europa". Bundespräsident Alexander van der Bellen erklärte in einer Aussendung: "Ich freue mich sehr, dass Emmanuel Macron überzeugend gewonnen hat, der in seinem Wahlkampf klar und deutlich für ein starkes Europa Stellung bezogen hat."

In einigen Städten gab es Proteste gegen Macron, der spätestens in einer Woche den sozialistischen Amtsinhaber Francois Hollande, der angesichts schlechter Umfragewerte nicht erneut antrat, ablöst. Im westfranzösischen Nantes kündigten rund 450 Menschen "Widerstand und Sabotage" an. In Lyon im Osten des Landes gingen rund 300 "Antifaschisten und Antikapitalisten" auf die Straße und demonstrierten gegen befürchtete sozialen Einschnitte. Macron will unter anderem das Arbeitsrecht und das Pensionssystem reformieren.


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Marine Le Pen kündigte nach ihrer Niederlage einen grundlegenden Umbau ihrer Partei Front National (FN) an. Auch ein neuer Name ist geplant.

In rund einer Woche will Macron seinen Premierminister und die übrige Regierungsmannschaft vorstellen. Ob der Verfechter einer sozialliberalen Reformpolitik auch eine Regierungsmehrheit bekommt, wird sich erst bei der Parlamentswahl im Juni entscheiden.

Einer jüngsten Umfrage zufolge würde Macrons junge Bewegung "En Marche!" zwischen 24 und 26 Prozent erzielen und damit vor den Konservativen mit 22 Prozent, der FN mit bis zu 22 Prozent, der Linkspartei von Jean-Luc Melenchon mit bis zu 15 Prozent und den Sozialisten mit bis zu neun Prozent liegen.

Macrons politischer Aufstieg ist beispiellos in Frankreich: Die Präsidentschaftswahl gewann er ohne etablierten Parteiapparat an der Spitze seiner Bewegung "En Marche!". Das Präsidentenamt ist das erste politische Amt, in das er je gewählt wurde. Am Montag wollte Macron vom Vorsitz von "En Marche!" zurücktreten, wie aus seinem Umfeld verlautete.

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