London-Anschlag: Polizei geht von islamistischem Hintergrund aus

London-Anschlag: Polizei geht von islamistischem Hintergrund aus

London am Tag nach dem Anschlag: Der Täter ist identifiziert - rund um das Parlament sind sämtiche Straßen gesperrt.

Beim Anschlag nahe dem Parlament in London wurden vier Menschen getötet und mindestens 40 verletzt. Der Angreifer wurde erschossen. Die Polizei hat den Angreifer identifiziert. Am Donnerstagfrüh wurden in Birmingham und London mehrere Wohnungen durchsucht. Es kam dabei zu mehreren Verhaftungen.

London. Nach dem Anschlag mit vier Toten und mindestens 40 Verletzten im Londoner Parlamentsviertel hat die britische Polizei Ermittlungen zu einem möglichen islamistischen Hintergrund aufgenommen. Scotland Yard sprach bereits nach kurzer Zeit von einem "terroristischen" Angriff und ging davon aus, den Angreifer identifiziert zu haben.

Am Donnerstag in der Früh durchsuchte die Polizei ein Haus in Birmingham sowie Wohnungen in London. Im Zuge der Ermittlungen nach dem Anschlag wurden sieben Personen festgenommen worden. Die britische Nachrichtenagentur PA zitierte einen namentlich nicht genannten Zeugen mit den Worten: "Der Mann aus London hat hier gelebt."

Die britische Polizei hat am Donnerstagfrüh die Zahl der Toten auf vier korrigiert. Drei Menschen wurden vom Attentäter getötet, der nach seiner Bluttat am Mittwochnachmittag von der Polizei erschossen worden. Die drei Todesopfer seien eine Frau, ein Mann sowie der vor dem Parlament mit einem Messer attackierte Polizist. Am Mittwochabend hatte die Polizei von insgesamt fünf Toten gesprochen.

Laut Polizei fuhr der Angreifer zuvor mit einem Auto mehrere Fußgänger auf der Westminster-Brücke an. Eine schwer verletzte Frau, die über das Brückengeländer stürzte oder sprang, wurde aus der Themse gerettet.

Von der Brücke raste der Attentäter zum Parlament, durchbrach dort mit seinem Wagen eine Absperrung und erstach dort mit einem Messer einen 48-jährigen Polizisten. Der Angreifer wurde von einem anderen Polizisten erschossen. Bei den weiteren Todesopfern handelte es sich laut Scotland Yard um Zivilisten.

Der für Anti-Terrormaßnahmen zuständige Scotland-Yard-Vizechef Mark Rowley sagte, die Ermittler glaubten, die Identität des Attentäters zu kennen. Er habe offenbar allein gehandelt. Angaben zu dem mutmaßlichen Täter wurden nicht gemacht.

Das Gelände rund um das Parlament wird ständig überwacht. Die Absperrungen verhindern ein direktes Eindringen in das Parlament. Die nahe U-Bahn-Station wurde wegen des Vorfalls geschlossen. Am ´Donnerstagmorgen waren sowohl die Westminister Bridge sowie die die Straßen rund um das House of Parliament gesperrt.

Eine Augenzeugin sagte PA, sie habe einen rund 40-jährigen Mann mit einem langen Messer gesehen. "Dann wurden drei Schüsse abgefeuert", und der Mann sei blutend am Boden gelegen. Unter den Verletzten waren zahlreiche Touristen, unter anderem drei französische Schüler, fünf Südkoreaner und zwei Rumänen sowie ein Portugiese.

Die Abgeordneten wurden angewiesen, im Parlamentsgebäude zu bleiben. Die laufende Sitzung wurde unterbrochen, das Gelände abgeriegelt. Später wurden Hunderte Menschen aus dem Parlamentsgebäude in die angrenzende Westminster Abbey gebracht. Gäste im Riesenrad London Eye mussten rund eine Stunde lang in ihren Kabinen ausharren.

Auch Premierministerin Theresa May, die sich ebenfalls im Parlament aufhielt, wurde in Sicherheit gebracht. Nach einem Krisentreffen des Kabinetts am Abend sagte die schwarz gekleidete May, der Attentäter habe für seinen Anschlag auf die demokratischen Werte Großbritanniens "das Herz unserer Hauptstadt" ausgewählt. "Wir werden gemeinsam voran gehen, uns niemals dem Terror beugen und den Stimmen des Hasses und des Bösen niemals erlauben, uns zu entzweien." May sprach von einer "kranken und verkommenen" Tat.

Königin Elizabeth II. verschob einen für Donnerstag geplanten Besuch zur Eröffnung des neuen Londoner Polizeipräsidiums. Das teilte der Buckingham-Palast in London mit. Der Sitz der Londoner Polizei liegt an der Themse im Bezirk Westminister - also in der Nähe des Anschlagortes. Ein neuer Termin für den Besuch von Königin Elizabeth II. (90) steht noch nicht fest. Scotland Yard, offiziell Metropolitan Police Service, wurde im Jahr 1829 gegründet. Weltweiten Ruhm erlangten die Ermittler mit ihren neuen Methoden und spektakulären Fällen.

US-Präsident Donald Trump und May telefonierten miteinander, ebenso May und Frankreichs Staatschef Francois Hollande. Trump schrieb beim Kurzmitteilungsdienst Twitter, er habe May sein "Beileid" ausgesprochen. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Anschlags in London schaltete Paris um Mitternacht die Beleuchtung des Eiffelturms aus. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault wollte am Donnerstag die französischen Opfer des Anschlags in London besuchen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte seine Betroffenheit. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, sie denke "in Anteilnahme und Solidarität an unsere britischen Freunde und an alle Menschen in London". Der neue deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, in diesen Stunden seien "wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden".

Österreichs Politiker verurteilten den Anschlag in den Sozialen Medien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) äußerten ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige.

Der Angriff ereignete sich, während in ganz Belgien der Opfer der Anschläge in Brüssel vor genau einem Jahr gedacht wurde. Die Tat weckte böse Erinnerungen an die Lastwagen-Anschläge vom 14. Juli 2016 in Nizza mit 84 Toten und vom 19. Dezember 2016 in Berlin mit zwölf Toten. In Großbritannien gilt weiterhin die zweithöchste Terrorwarnstufe 4.

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