Kranke Republik - Wie Österreich zu retten ist

Einspruch - Hannes Androsch und Josef Moser zum Zustand der Republik.

Einspruch - Hannes Androsch und Josef Moser zum Zustand der Republik.

Bürokratisiert, überreguliert, behindert - das ist der Generalbefund zum Zustand der Republik Österreich, des Industriellen Hannes Androsch und des früheren Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser. Der Journalist Peter Pelinka Pelinka hat seine Gespräche mit den beiden konstruktiven Kritikern nun in Buchform veröffentlicht.

Hannes Androsch und Josef Moser sind bekannt dafür, dass sie sich kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn das Gespräch auf die Lage der Nation kommt. Das haben die beiden auch nicht nötig.

Als Elder Statesmen - Androsch war bekanntlich einst österreichischer Finanzminister, dann Generaldirektor der Creditanstalt und hält nun mehrere Industriebeteiligungen und der Jurist Moser, bis Juni Präsident des Rechnungshofes, und neuer Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria - sind sie in der Lage, Österreichs Probleme treffend zu analysieren und konstruktive Lösungsvorschläge einzubringen.

Die Gastkommentare, die Hannes Androsch für den trend verfasst hat (Politik 0.0 genügt sicher nicht, August 2015; It’s the future, stupid! Dezember 2015; Intelligente Arbeit statt harter Arbeit, August 2016 und Freihandel ist überlebenswichtig, September 2016) belegen das auch eindrucksvoll.

Peter Pelinka, Journalist und früherer Chefredakteur von News und dem Wirtschaftsmagazin FORMAT (heute trend) hat die beiden eloquenten Kritiker zu mehreren Gesprächen getroffen und ihre Gedanken in dem nun erscheinenden Buch "Einspruch - Der Zustand der Republik und wie sie noch zu retten ist" zusammengefasst.

Generalbefund

Androschs und Mosers Diagnosen sind wie erwartet nicht sonderlich schmeichelhaft. Sie kritisieren die starken Kräfte des Beharrens und Verhinderns und die Engstirnigkeit: Statt den Bedürfnissen der Gesellschaft würden singuläre Interessen bedient. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu steigern sei eine grundlegende Reform, unter anderem des Steuersystems und der föderalen Struktur nötig.

Österreichs Bildungswesen ist Hannes Androsch schon sei langem ein Dorn im Auge, 2011 hatte er daher auch das Bildungs-Volksbegehren ("Österreich darf nicht sitzenbleiben") initiiert. An den Problemen habe sich seither reichlich wenig geändert, kritisiert er. Trotz gesteigerter Budgets konnten die Strukturschwächen nicht beseitigt werden und die in Universitäten gesteckten Mittel zur Finanzierung der universitären Ausbildung und der Forschungsprogramme seien zu wenig effizient.

Generell würden bei den Budgets falsche, wenig zukunftsorientierte Prioritäten gesetzt. Die Pensionssysteme werden daher als unsicher und aufgrund der fehlenden Harmonisierung auch als unfair bewertet, das Gesundheitssystem als krank und das Sozialsystem als zersplittert und wenig treffsicher. Insgesamt herrsche ein lähmendes Kompetenzwirrwarr und obendrein, so die Kritik, fehle ein Gesamtplan.

Androsch und Moser begnügen sich jedoch nicht damit, Kritik zu üben. Sie machen auch Vorschläge, wie die Dinge zum Besseren geändert werden können. Allerdings wird diesen Gedanken auf knapp 14 Seiten etwas zu wenig Platz gegeben.

Als primäre Aufgabe der Regierung sehen sie es, dass das öffentliche Budget in langfristig wirksame Bereiche - Bildung, Wissenschaft, Forschung, und Innovationen zu investieren. Und bei allen öffentlichen Mitteln sei eine strenge Kontrolle nötig. "Es kommt zentral darauf an, wofür staatliches Geld verwendet wird", hält Androsch fest und Moser ergänzt: "Der Bund sollte nicht nur Geld ausgeben, sondern auch kontrollieren, ob das Geld wirksam eingesetzt wird und bei den Menschen ankommt."


Buchtipp

Einspruch – Der Zustand der Republik und wie wir ihn retten können

Der Mythos von Österreich als Insel der Seligen gehört der Vergangenheit an. Der Unternehmer Hannes Androsch und der frühere Rechnungshofpräsident Josef Moser zeigen, in welchem Zustand das Land wirklich ist und wie es sich abseits politischer Dünkel von der europäischen Kriechspur auf die Überholspur führen ließe.

Verlag edition a
Gebundene Ausgabe, 112 Seiten
ISBN: 978-3990012000
Preis: 16,90 €

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