Konklave: Papst gesucht – Machtkampf der Kardinäle

Konklave: Papst gesucht – Machtkampf der Kardinäle

De facto wird der neue Papst in diesen Tagen bereits vor dem eigentlichen Konklave gemacht.

Beste Recherchequellen für die zur Papstwahl im Vatikan akkreditierten 6.000 Journalisten sind dieser Tage die Restaurants rund um den Petersplatz. Denn nicht wenige der 115 wahlberechtigten und nach Rom geeilten Kardinäle geruhen abends außerhalb des Vatikans zu speisen. Mit Glück und Geduld lässt sich so das eine oder andere Gerücht aufschnappen. Während Kurien-Pressesprecher Federico Lombardi abseits der kargen und zumeist aus Stehsätzen bestehenden Vatikan-Briefings eisern schweigt. Denn Papstwahl in Rom ist immer Staatsgeheimnis-Zeit.

Doch selbst Kardinäle in Feierabendlaune wollen wenig preisgeben. Mit gutem Grund: Auch wenn formal die Papstwahl erst im Konklave erfolgt - also der Vollversammlung aller wahlberechtigten Kardinäle -, so fallen die wichtigen Entscheidungen bereits davor. In laufenden Konsultationen in kleinen und kleinsten Grüppchen, sogenannten "Kongregationen“, evaluieren die schweigsamen Herren in Purpur Chancen einzelner Kandidaten, bilden Lobbys, leisten Überzeugungsarbeit und planen den finalen Beschluss. Zweimal pro Tag gibt es zudem die Möglichkeit, in einer Generalkongregation die generelle Stimmungslage auszuloten, bei der dann zumeist alle Kardinäle anwesend sind.

Papstmacher

De facto wird der neue Papst, diese Meinung vertreten nicht wenige Vatikan-Insider, in diesen Tagen vor dem eigentlichen Konklave gemacht.

Auch der österreichische Vatikankenner Paul Zulehner sagt: "In Wahrheit hat die Papstwahl längst begonnen.“ Mehr noch - der neue Papst könnte möglicherweise sogar bereits feststehen, wenn sich die Kardinäle demnächst in der Sixtinischen Kapelle einschließen , um ihn offiziell zu wählen.

Sobald das Konklave am Dienstag startet, wird es daher diesmal sehr schnell gehen. Bloß einen oder zwei Tage dürften die Kardinäle benötigen, um ihr künftiges Oberhaupt zu küren. Eben weil es beim offiziellen Wahlprozedere hauptsächlich um das Abhaken der traditionellen Riten geht und der neue Chef des Heiligen Stuhls in den Mauscheleien davor längst bestimmt wurde.

Hinter den vatikanischen Kulissen liefern sich die Papstmacher auf verschiedenen Ebenen daher derzeit auch die unglaublichsten Machtkämpfe.

Aber das ist nichts Neues. Papstwahl-Versammlungen von Kardinälen der katholischen Kirche sind alles andere als ein Kindergeburtstag. Traditionell wird intrigiert, lobbyiert und aus dem Rennen geworfen - nicht immer mit den feinsten Mitteln. Seit 1241 ist das so, als der Papst erstmals per Konklave gewählt wurde. Zwei der damals 12 Kardinäle gerieten dabei in Gefangenschaft von Kaiser Friedrich II., ein dritter kam im Laufe der 60-tägigen Papstwahl sogar ums Leben.

Machtkampf

Italien gegen den Rest der Welt lautet diesmal eines jener drei Matches, die von den Kardinälen und ihren vielen Adlaten rund um die Papstwahl ausgefochten werden. Afrika und Lateinamerika gegen Europa das zweite. Bewahrer gegen Modernisierer das dritte.

In Wahrheit geht es immer um einen fast schon traditionellen Richtungsstreit - soll die Kirche modernisiert und geöffnet werden oder nicht. Erstmals sind nun die Modernisierer in der Überzahl und streiten prompt, wie diese Öffnung denn anzulegen wäre. Konservativere Kräfte wollen zunächst langsame Strukturänderungen im Vatikan einläuten, während die - nach kirchlichen Maßstäben betrachtet - Radikalreformer rasche weltweite Änderungen fordern. Dass zu reformieren ist, scheint diesmal jedoch außer Streit gestellt zu sein.

Reformweg

Beschreitet man den Reformweg direkt aus dem Vatikan, dürfte ein Italiener die besten Chancen auf den Papstjob haben. "Mit dem Saustall im Vatikan kann nur einer aufräumen, der ihn gut kennt, weil er schon lange vor Ort ist“, sagt Moraltheologe Zulehner. Aber Italiener und Europäer werden im Kardinalskollegium immer weniger. Und vor allem der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer verfügt unter seinen lateinamerikanischen, asiatischen und afrikanischen Kollegen über größten Rückhalt.

Ob Scherer tatsächlich der gewünschte Totalreformer sein könnte oder doch nur ein Bewahrer in modernerem Gewand ist, kann niemand sagen. Tatsache ist, dass die katholische Kirche allen Reformen seit Jahrhunderten gekonnt und nachhaltig Widerstand entgegenbringt. Der "lächelnde Papst“ Johannes Paul I., dem man Modernisierungen zutraute, starb nach sechswöchiger Amtszeit unter nach wie vor ungeklärten Umständen. Sein Nachfolger Johannes Paul II. erwarb sich zwar große Verdienste um das Zurückdrängen des Kommunismus in Europa, Kirchenreformen blockierte er jedoch. Auch Benedikt XVI. war mehr ein professoraler Papst denn ein Reformer.

Durchaus möglich, dass neuerlich ein Kompromisskandidat das große Rennen um den Heiligen Stuhl macht.

Erbebnis der ersten Wahl gegen 19 Uhr am Dienstag

Das Konklave beginnt am Dienstagnachmittag. Mit einem Ergebnis der ersten Wahl ist gegen 19.00 Uhr zu rechnen. Vor dem Einzug der 115 Papst-Wähler in die Sixtinische Kapelle sei eine besondere Messe für eine gute Papst-Wahl ("Pro Eligendo Romano Pontifice") geplant, berichtete der Vatikan-Sprecher, Pater Federico Lombardi. Nach Angaben italienischer Medien ist der Konklave-Beginn am Dienstag ein Kompromiss zwischen den einflussreichen Kurienmitgliedern, die auf einen Start der Papst-Wahl am Montag gedrängt hatten, und ausländischen Kardinälen, die mehr Zeit für die Beratungen beansprucht hatten.

Dem Autor auf Twitter folgen:

IV startet Kampagne gegen "veritables Populismusproblem"

Politik

IV startet Kampagne gegen "veritables Populismusproblem"

Peter Pelinka

Nationalratswahl 2017

SPÖ: Vorwärts zu den nächsten Fehlern?

ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz, Sieger der Nationalratswahl 2017 wird den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten.

Nationalratswahl 2017

Nationalratswahl 2017 - offizielles Endergebnis