Nach dem Faymann-Rücktritt: Kommen wir zum Kern …

Nach dem Faymann-Rücktritt: Kommen wir zum Kern …

Kommt Christian Kern? Dass der ÖBB-Manager Kern eine politische Begabung ist bezweifelt in der Gewerkschaft niemand. Doch ob er ausreichend Unterstützung bekommt, steht noch nicht fest.

Der 9. Mai war Lostag für die SPÖ. Der Parteivorstand traf sich zur Krisensitzung. Doch noch davor hat Werner Faymann alle Funktionen zurückgelegt. Seine Tage als Kanzler und SPÖ-Vorsitzender sind gezählt. Jetzt beginnt die Debatte, wer die Partei in die Zukunft führen soll. Zwei Männern werden die besten Chancen eingeräumt: Gerhard Zeiler und Christian Kern.

Präsidiumssitzungen der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen im Österreichischen Gewerkschaftsbund sind normal kein Event, dem entgegengefiebert wird. Doch das Treffen am 9. Mai birgt Sprengkraft. Es wurde extra vorverlegt, um beim SPÖ-Parteivorstand, der am gleichen Tag später abgehalten wird, eine gemeinsame Linie zu haben. Und beide Male geht um keine geringere Frage als: Bleibt Werner Faymann SPÖ-Chef und Bundeskanzler?

Die Frage ist entschieden: Werner Faymann hat noch vor Beginn der Präsidiumssitzung alle Ämter zurückgelegt. Als Nachfolger kommen zwei Männer in Frage: ÖBB-Chef Christian Kern, 50, und der Medienmanager Gerhard Zeiler, 60. Zwischen den beiden ist ausgemacht, dass sie nicht gegeneinander um den Job rittern werden.

Zeiler hat bereits öffentlich erklärt, bereit zu sein, die Führung der angeschlagenen Partei zu übernehmen. Der gebürtige Ottakringer hat eine steile internationale Karriere als Medienmanager gemacht, genießt vor allem in seiner Heimatstadt Unterstützung.

Zwei Lager, ein Gegner

Aber zu viele Fragen sind noch offen, zu viele unterschieldichen Strömungen gibt es, und vor allem: Es ist kein klares Machtzentrum in der SPÖ auszumachen. Die SPÖ ist derzeit in einer Lage, wie sie sonst nur die ÖVP kennt: Innerlich zerrissen, äußerlich angeschlagen. Sichtbarste Zeichen dafür das Debakel bei der Bundespräsidentenwahl und die Pfiffe für Faymann bei seiner Rede am 1. Mai am Wiener Rathausplatz.

Zwei Lager, Eine Lösung? Vieles ist derzeit in Frage gestellt. Eine jahrzehntelang gültige Doktrin der Partei, die einen Grundpfeiler der Identität bildet, muss der Lebensrealität 2016 angepasst werden. Will man mit der FPÖ weiterhin keinesfalls zusammenarbeiten, oder sollte man es doch tun? Faymann sagt Nein, die Gewerkschafter rechnen vor: 72 Prozent der Arbeiter wählen FPÖ, 33 Prozent der ÖGB-Mitglieder geben an, das zu tun. "Auch wenn mein Herz sagt, Abstand zur FPÖ ist besser, mein Kopf sagt Ja zur FPÖ“, formuliert es ein ÖGB-Funktionär. Man müsse die Freiheitlichen aus der "Komfortzone“ bringen, in der sie, ohne Verantwortung zu übernehmen, von der Ausgrenzung profitieren. Gemeinsamkeiten mit den Blauen, sei es im Wohnrecht, sei es in Beschäftigungsfragen, gäbe es viele. "Die ÖVP zwingt uns, unsere Wahlversprechen zu brechen“, klagt ein Genosse. "Das treibt die Wähler weiter zur FPÖ.“

Was für den Topmanager Kern spricht? Er stammt aus Wien und ist ein kommunikatives Talent, dem es gelang, in den schwerfälligen Koloss ÖBB Bewegung zu bringen, ohne die Mitarbeiter zu vergrämen. Er hat sich und die Bundesbahnen in der Flüchtlingsfrage klar positioniert - mit einer Willkommenskultur an den Bahnhöfen. Die Frage, ob er von den ÖBB ins Bundeskanzleramt wechseln wird, kann Kern mittlerweile nicht mehr hören. Die Antwort fällt inhaltlich seit Jahren gleich aus: Er sei gerne der Chef der ÖBB, sagt er.

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